Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1884)
- Date
- 1884-12-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1658 sind, ein neues Unterrichtsprogramm zu entwerfen.: Beide Commissionen werden von Juden präsidirt; das für Literatur und Grammatik durch -den be-- kannten Dichter-Eugen Manuel, welcher Generalinspectordes Secundarnnterrichts ist- und das für lebende Sprachen durch den Generalinspector dieser Sprachen-Herrn B. Levy.-7: - -i -: Paris. Bei den jüngsten Consistorkalwahlen wurden im Ganzen nur 743 Stimmen abgegeben, während zur Giltigkeit derselben gesetzlich 877 Stimmen erforderlich sind. Es muß daher zu einer zweiten Wahl geschritten werden. Jedenfalls beweist diese Thatsache, daß die Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen bei den Glaubensgenossen in Paris einen hohen Grad erreicht hat. England.; ' London. Wie dem „Jew. Chr." geschrieben wird, besuchen eine Anzahl jüdischer Kinder armer Eingewanderter eine Missionsschule, woselbst sie täglich eine Stunde in englischer Sprache unentgeltlich unterrichtet werden, hingegen verpflichtet sind, eine Stunde lang die Predigt eines Missionärs anzuhören und christliche Hymnen zu singen. Der Correspendent stellt die Frage, ob denn, um der Missionsgesellschaft das Handwerk zu legen, es nicht möglich wäre, daß an bestimmten Abenden diesen Kindern fremder Glaubensgenossen in den jüdischen Schulen ein Gratis-Unterricht in englischer Sprache ertheilt werde. . London. Innerhalb des Vorstandes der portugiesischen Gemeinde herrscht wegen der Besetzung der. schon seit Jahren vacanten Oberrabbinerstelle (Chacham) Zwiespalt. Die Majorität beabsichtigt den Rabbiner Alessandro de Fano in Regio (Italien) mit einem Jahresgehalt von 600 L. anzustellen. Die Minorität ist dem entgegen, weil einerseits diese Summe die Kräfte der Gemeinde übersteige und andererseits nicht hinreichend sei, um dem künftigen Chacham eine ünavhängige Stellung zu garantiren. f -5 '■**• •’ ‘ ■* *■' Rußland. . . . rr-'..':..’- . - v ' *Petersburg, 8. Dezember. Morgen beginnt die Verhandlung des Prozesses wegen der schon mehrfach erwähnten Ernwrdung der vierzehnjährigen Tochter eines jüdischen Pfandleihers, Sarah Beckers, deren Mörder die Untersuchung nicht seststellen konnte. Des Mordes verdächtig erschien anfangs der Besitzer der Leihkasse, in welcher der Vater der Ernwrdeten als Verwalter diente, : ein ehemaliger Polizei-Revier Aufseher, Oberstlieutenant a.D:Mrolwwktfch. Durch Zeugenaussagen war erwiesen, daß er dem kaum erwachsenen Mädchen mit- Anträgen nachstellte, und die Lage der Leiche ließ annehmen, daß ein Anschlag auf die Unschuld des Mädchens, da es Widerstand leistete, zu dessen unbeabsichtigten Ernwrdung durch Erwürgen führte. Mironowitsch wurde verhaftet, und die Untersuchung begann die Anklage gegen ihn vorzubereiten. Plötzlich erscheint eine etwa 26 Jahre alte Lehrerin, Katharina Ssemenowa, und gesteht ein, den Mord begangen zu haben.. Verschiedene Widersprüche in den Aussagen der Ssemenowa, die falschen Details, welche sie über die Mordscene berichtete, sowie die durch anonyme Briefe bestärkte Vermuthung, die Selbstanklägerin sei von Mironowitsch erkauft, erschüttern den Glauben an ihre Aussagen. Da sie in früherer Zeit an temporärer Geistesstörung litt, wird sie ärztlicher Beobachtung übergeben. Die Ssemenowa befand sich zur Zeit ihrer Selbstanklage in den schlimmsten Verhältnissen. Ihr Geliebter, ein Lieutenant Bezak hatte den Dienst verlassen, seine Frau und Kinde darbten, und die verschiedenen Diebstähle, welch Katharina Ssemenowa in seinem Interesse ausführü reichten nicht hin, ihn seiner bedrängten Lage z entreißen. Da — so versichert sie — sei ihr de Gedanke ausgestiegen, durch ein größeres Verbrecher ihrem Geliebten zu helfen, um, wenn auch nirr kurz«. Zeit, ungestört mit ihm leben zu können. Zu Anfang dieses Jahres zog Katharina Ssemenowa ihre Aussagen zurück und versicherte, zu dem Morde in gar keiner Beziehung zu stehen. Die. Verwicklungen dieses Prozesses verdankt die Justiz der Unvorsichtigkeit des Untersuchungsrichters, der den Thatbestand ausnahm. In der Hand der Leiche Sara Beckers wurde eine Büschel Haare .gefunden, welche, in Papier gewickelt, der Untersüchüngsrkchter aus das Fensterbrett legte. Als er das Papier an sich nehmen wollte, waren die Haare bis aus Eines verschwunden, das weder für .die'Haarfarbe des Mörders noch für dessen Geschlecht einen Anhaltspunkt bietet. Mironowitsch trägt sein ergrautes Haar, möglicherweise erst'seit dem Tage nach dem Morde, kurz geschoren, Ferner, ist zu bemerken,, .daß zur Zeit des Verschwindens der, Haare Mironowitsch . .auf. dem Schauplatz^. des Verbrechens anwesend ' ° '' PetiörsVÄgt^"'i2.'' 'DezeuÄer: Der ^Prozeß gegen Mironowitsch. gestaltet sich zu einem km höchsten Grade spannenden Gerichtsdrama, dessen geheimnißvolle und dunkle Verwicklungen den Zweifel wecken, ob die Wahrheit überhaupt an den Tag