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Der Israelit · 1884-12-18 · Heft 100 (18.12.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 100 (18.12.1884)
Date
1884-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1653 Wenigstens Versucht/ eine > -solch e: -zu erlangend Ich weiß, es,' daß sehr Häufig -aus. allen.Theilen . der Monarchie klnterthanen:.gü? diesem Zwecke nach Wien kommen:- Der Kaiser hört rja-Jeden an.". '^Gnädiger.Herrin'i.Bor: Allem, war das Unglück noch nie mit gar so . furchtbarer Gewalt über uns hereingebrochen wie setzt.:—. und die äußerste Noth, der furchtbarste Druck bringt, den Menschen oft auf solche Gedanken, die ihm früher nie einfallen konnten ... . Ein Unglück, das ferner liegt, erscheint weniger entsetzlich, als wenn es nahe an uns herantritt. Gnädiger Herr, der neue grausame Oberamtmann ließ mich g e st e r n vorladen und erklärte mir: wenn ich ihm nicht bis kommenden Dienstag, also von heute in drei Tagen baare dreihundert Gulden zahle, würde er mein armes Weib von der Herrschaft jagen, uns trennen .... Ich besitze keine dreihundert Gulden — und Sie' selbst sagten, es gäbe kein Gesetz, das uns vor seinen bösen Absichten schützen könnte, — was sollte eine alte kränkliche Frau in ihrem Heimatsorte, wo sie Niemanden mehr hat, und sie Niemand mehr kennt, beginnen? Wovon sollte die Bedauernswerthe leben? Ihr einzig Kind könnte sie nicht unterstützen, es steht im Felde und trägt für den Kaiser sein Leben zu Märkte; und auch ich würde mich in Sehnsucht nach meiner treuen Lebensgefährtin verehren, zu Tode grämen .... und was sollte dann aus Lea, einem schönen, ganz verlassenen, schutzlosen Mädchen werden? Die furchtbare Peinlichkeit unserer Lage ließ mich erst jetzt plötzlich den Gedanken erfassen, daß wenn ich dem Kaiser diese schildern könnte, er sich meiner erbarmen würde." . „Wenn Er das glaubt, warum versucht Er es nicht noch jetzt,, sich an die. Milde des Kaisers zu wenden?" ... : . Blochner blickte mit einem' bittern vorwurfsvollen Lächeln auf.• „Gnädiger Herr! wenn Sie wüßten, wie mein armes , zerissenes Herz blutet, wie's in meinem armen'Hirn kocht, so würden Sie sich gewiß mit min armen, tiefgebeugten.Manne nicht einen solchen Scherz' erlauben Dienstag ist die; letzte Frist, wenn ich bis dorthin dem Amtmamm Arnsberg nicht dreihundert Gulden zahle, will er.ülein Weib. vertreiben. Glauben Sie, gnädiger Herr ,- daß es bis dorthin, oder glauben Sie, daß: es' überhaupt möglich ift,j daß ich zur Audienz Heim. Monarchen: gelange? Ich darf ja: ohne Paßnicht: die Herrschaft, der ich angehöre, verlassen;: der. Oberamtmanu wird mir ja die Neisedokumente -verweigern; und wenn ich es auch wagen wollte/dem unversöhnlichen Grimm des Oberamtmanns zu.trotzen, :.ohne^ oder gegen seinen, Willen heimlich die.'Herrschaft zu -verlassen; wie 'wäre:.cs'.idenkbar> daß'ich vor den Kaiser,--selbst wenn sichderselbe:in der Residenz befände,-gelangte; mid der.Kaiser; -befiudetl! sich,.- wie-: im:-Allgemeinen erzählt wird', bei der; Armee oder. lin deren-! Nähe; auch wenn ich wüßte,: wo. sich der Monarchjetzt befindet, ja, wenn, ich zu ihm. gelangte, -durste ich es wagen, ihm jetzt mein Leid zn klagen, jetzt in dem , Augenblicke, wo die Sorgen eines furchtbar schweren Krieges auf ihm lasten? Würde der Kaiser mich anhören, würde er, zu einer Zeit, wo'-ineiner Schlacht Tausende von Menschen als blutige Opfer fallen, sich um das Schicksal einer jüdischen Familie kümmern? Und, je länger ich darüber spreche/ , je länger, ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich meine Hoffnungslosigkeit! Bei dem lebendigenGotte, wenn ich durch ein Wunder Gottes in dem nächsten Momente 'vor dem Kaiser stände, dieser mich ruhig anhören, würde,. ich wüßte eigentlich n i ck) t , um w as ich ihn bitten sollte! Sollte e< um' meinetwillen ein Gesetz 'umstoßen? in seinen Augen bin ich ja, wie der böse Amtmann sagte, ein älterSünder, der in wilder Ehe lebt, mein braves Weib eine Unwürdige, mein Sohn ein unehlich Judenkind! .... In seinen Augen hat der Oberamtmann Recht, mein Weib wegzujagen, — wenn ich ihm nicht für seine Milde dreihundert Gulden zahle; — daß ich, mein Weib, mein Kind, meine Pflegetochter, stets alle unsere schweren Pflichten treu und redlich erfüllt, daß wir Alle nie irgend einem Menschen den geringsten Grund zur Beschwerde gegeben haben,, — das Alles zählte in seinen Augen nichts — gar nichts, ich könnte noch für meine Frechheit, schwer bestraft werden! Ah!" Blochner seufzte voll Bitterkeit schwer auf, „als wenn wir nicht schon schwer genug gestraft wären, dadurch — daß wir in diese Welt gefetzt wurden! Ja, gnädiger Herr> Sie haben vollkommen recht, meinen wahnwitzigen Einfall zu verhöhnen und zu verspotten!" w : y. „Ich habe Ihn nicht verhöhnt und verspottet,^ unterbrach ihn der Fremde, „ich kann Ihm - auch in vielen Dingen nicht unrecht geben; aber darin hat Er unrecht, wenn Er glaubt, wen» der Kaiser, nur will, so würde er schon ein Mittel finden, auch, der Kaiser hält sich an das Staatsgesetz; aber," führ der Fremde fort, „Eins ist mir unbegreiflich.-' Er ist ja, wie ich sehe, ein vernünftiger Mensch; bezüglich Seiner konnte Er, nachdem: Er schon den Fehler begangen, ohne behördliche Bewiltz ligüng eine: Ehe cinzugehen, nichts thun, Er müßte die: Folgen Seiner strafbaren Uebereilung tragen « — aber, bezüglich Seines Sohnes und Seiner Pflegetochter hätte Er vorsichtig sein, hätte die jungen

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