Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1884)
- Date
- 1884-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449500--21340-2510922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1648 Eroberer haben im Laufe der Zeit aufgehört-zu sein; 'der jüdische Stamm "aber-- ist' kräftig, ^blüht und - wird gedeihen,' so lange die Himmelr sichübcr der Erde wölben. m \m\h\nvii\**j v.\r. Welch eine unermeßliche Kraftfülle liegt doch in diesem kleinen Stamme, solange er der alten Wahrheit treu bleibt! Seit' der Zeit,' da Israels Sohne und Töchter gezwungen waren, das ursprüngliche Heimathland zu verlassen, mußten sie unablässig 4n die Ferne wandern, eine neue Heimath zu suchen. Kaum war in irgend einem Lande der Welt die Barbarei gewichen, um der beginnenden Eivilisätiou Raum zu geben, so siedelten sich auch einzelne, wenige Juden dort an. Als die Urwälder Germaniens, in denen wilde Menschen mit Bären, Wölfen und Auerochsen den Kampf um ein armseliges Dasein geführt hatten, gefällt und die ersten Städte gegründet wurden, so währte es nicht lange, bis sich kleine Judengemeinden darin bildeten. Wo immer zehn Juden zusanunenkamen, da gründeten sie eine religiöse Gemeinschaft, sorgten für ein gemeinsames Gotteshaus, für einen bcsondern Begräbnißplatz, für den Unterricht der Kinder in der Religion der Väter. Von der andern Seite geschah Alles, was geschehen konnte, um sie niederzuhalten, zu unterdrücken, zu vernichten. Allein vergeblich war ein solches Bemühen. Der allmächtige Hirt, der Israel weidet, hat die Vernichtung Seines Volkes nicht zugelassen. Hundertmal hat sich im Geschicke Israels die Geschichte Josephs wiederholt. Znm Sclaven verkauft, wurde Joseph in die Fremde gestoßen, ein armer, verlassener Jüngling. Wiewohl er Niemandem etwas zu Leide gethan, wurde er auf die schändlichste Weise verläumdet und in ein unterirdisches Verließ geworfen, um dort der Vergessenheit anhekmzufallcn. Eine lange Reihe von Jahren schmachtete er in dem unterirdischen Kerker; aber das Vertrauen zu seinem Netter und Erlöser, zu seinem Vater im Himmel, verließ ihn nicht. Und dieses Vertrauen wurde nicht getäuscht. Aus der Gruft wurde der Lebendigbegrabene emporgczdgen, um dem Lande, in welchem er so viel gelitten, ein Helfer und Netter zu werden. Und wie ergewesen im väterlichen Hause, erzogen in der Furcht Gottes und der Liebe zu Ihm, so war'-er geblieben-' da er als Sclave dieneN.müßte-die Sünde - mit Entrüstung zurückweisend- ' so wärmer geblieben im Gefängnisse, so trat er vor den Königsthron,'nicht sich, sondern Gott sein Können und Wissen-zuschrcibeud. Als er dann berufen: wurde, die höchsten Stufen menschlicher Erhebung zu : ersteigenbewahrte er sich die Liebe zu Gott und die Furcht vor Gott, noch in seiner letzten Lebenssktnde den Seinen die HeimkeW! in das' Land! der Väter verkündend. äinjriOfs** rrW .nwnivir, n: 'utämma - Wie Joseph wurde' unch Israel kn die' Fremde gestoßengeknechtet, verläumdetzu den Todtengeworfen viel hundert Mal, ' Jmmw wieder rmd wieder hat Gott die Fesseln gesprengt, die Grüfte geöffnet, vom Tode errettet, Wo immer uns.die Freiheit der Bewegung gegönnt wurde, sind Israels Söhne ihren ehemaligen Unterdrückern zum Segen geworden, haben mit aller, Kraft das Wohl des Vaterlands zu fördern gesucht, haben Theil genommen an allen guten und edlen Bestrebungen, haben die alte Treue bewahrt uuserm Vater im Himmel und Seinen heiligen Gesetzen. In England, in Frankreich, in Deutschland, in Oesterreich, in Italien und in alten andern Ländern, in denen Juden wohnen, gehören sie zu den besten Staatsbürgern, zu den treusten Unterthanen. Durch ihren Fleiß, ihre Sparsamkeit, ihre Nüchternheit, ihren Unternehmungsgeist befördern sie die Industrie und den Handel und dadurch den Wohlstand des Landes; sie nehmen den regsten Antheil an allen wissenschaftlichen Bestrebungen und vermehren so den Ruhln des Vaterlandes. Als Spanien die Juden vertrieb, versank es in Apathie und ward allmählich seiner hohen Stellung im Nathe der Völker Europa's verlustig; als die deutschen Städte Nürnberg, Augsburg, Ulm, Lübeck und andere die Juden aus ihren Mauern verbannten, verknöcherten sie, erstarrten sie und vermochten den Glanz ihres Ruhmes nicht aufrecht zu erhalten. Als Hamburg, Amsterdam, Haag und andere Städte den Juden gestatteten, sich dort anzusiedeln, blühten diese Städte enipor und wurden groß und bedeutend. Wie Gott das Haus des Laban segnete um Jakobs willen, wie Gott das Haus des Potiphar segnete um Josephs willen, so segnet Gott noch heute die Völker und Staaten, die Seinem Volke freundlich gesinnt, die Israel Friede und Sicherheit gewähren. ,7...: ..; Gortsetzüng folgte' Zeitungsnachrichten und Cvrrespöndenzen. n t s * a'Ä Oft .iJjUKiU rri!lfform »,•:*: i;u : f:. ■'s 'Ans Minden (Westphalen).^ In nnsermLande, wo leider recht trauriges religiöse Zustände herrschen, haben wir^ gewiß hmreichenden: Grund, über die Haudlungsweisennserer Zrächbärgemeinde Wert her, Freude zu' elnpsindelü?! Bisher besuchten nämlich die dortigen israelitischen Schüler die christliche Elemeu-