Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1884)
- Date
- 1884-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ließ sich nur der. bürgerlich Gemeldete in den alten Lehnstuhls Ler sich schön'seit>tnem' Jahrhundert, tir dem Besitze, der Fanulie? befand', hiueinfallen, .wahren^-er Offizier stehen Meb.. . . '''! ‘ Die Blochner'sche Familie lvär Gescheiden in eine- , Zimmerecke zurückgetreten, und es herrschte tiefe Stille;im Zimmer.. ,.,,? .? / Der Civilist war offenbar mit sehr ernsten Gedanken beschäftigt, er hielt den Kops in. die hohle Hand gestützt. Endlich zuckte er plötzlich aus seinen Träumereien empor, zog die Uhr aus der Westentasche, sah auf dieselbe und rief: „Schon fünf Uhr! . . . fatale Unterbrechung! ich kann es nicht erwarten, au unser Reiseziel zu gelangen. Ich habe befohlen, daß jede einlaufende Nachricht mir sofort mit, dem besten Reiter nachgesendet werde, und erwarte diese, wie Sie, . lieber Kutscher«, sich leicht vorstellen können, mit geradezu aufreibender Ungeduld .... aber das muß. ich schon sagen, trotz meiner großen Aufregung verspüre ich doch einen kapitalen Hunger * . Die Natur fordert halt unter allen Umständen ihr Recht , .Ich habe seit dem Frühstück keinen Bissen in den Mund genommen, wer weiß, wann wir in Lau» ankommen, und ob dort eine Mahlzeit vorbereitet sein wird." - ' n Lea war ein kluges Mädchen, sie flüsterte ihrem Pflegevater etwas in's Ohr, dieser trat einen Schritt vor und sprach : „Gnädiger Herr! ich habe nur wenig im Hause, . . . . ein Stück kaltes Rindfleisch; auch muß ich bemerken, daß wir Juden ain Sabbate keine Speisen bereiten dürfen und daher auch dieses Fleisch schon gestern zubereitet wurde. Ich weiß nicht, ob ich es wagen darf, es Ihnen ergebenst anzubieten .... Wenn Sie es gütigst verkosten wollten, würden Sie vielleicht doch finden, daß man im Nothfall auch damit den Hunger stillen kann."; Der Fremde, der bisher die Anwesenden gar keines Blickes gewürdigt, sah etwas zerstreut auf; — aber bevor er sich noch zu einer Antwort entschließen konnte, hatte die flinke Lea rasch einen Teller mit kaltem Fleisch und zwei kleine Barches?) aus dem Kasten' genommen, unter tiefem Erröthen. mit einem amnnthigenKnixe auf.den Tisch borden' unerwarteten Gast gestellt chld'sflrüch:^''.,' - : . . „Wir bedauern, daß wir-, mit nichts Anderem, mit nichts Besserem dienen können, aber das können Sie glauben, lieber Herr, es wird aus gutem Herze» geboten." : ■.;i i‘ :r.»4rr/, rr'L .nV 3) Geflochtene Westenbrobe. ..r-.? Nieder sah' -er' fremde Herr überrascht auf, die bescheidene Haltung des schönen Mädchens schien einen guten Eindruck ans ihn zu machen; es wußte die Worte zierlich zu setzen, bewies gute Geistesanlagen und auch einen gewissen Bildungsgrad, den man damals in den Hütten enies böhmischen Dorfes nicht zu finden pflegte; — er blickte, äuch neugierig aus den'Tisch.. '' ' „Das Gebäck 'da' Hab' ich 'mein Leötäg/' nicht gesehen," meinte er; „wie'nennt'man das?" - ' ' „Wir Juden nennen dieses Gebäck Barches; es wird auf Samstag gebacken und der Hausherr spricht, über dasselbe, bevor er etwas genießt!. einen Segensprnch," entgegnete Lea! '''; ., „Na, wir wollen's halt versuchen!' beb Hunger ist -er .beste Koch." Der Fremde kostete zuerst'Mit etwas mißtrauischer Miene das kalte Fleisch/ allein da er dann tapfer zngriff, schien es' zu schmecken. .. . „Ist das kluge, saubere Madel, sein einzig Kind?" richtete er nach kurzer Pause das Wort ün Blöchner. . „Lea, ist meine Pflegetochter," erwiderte dieser, „aber ich lieb' sie, als wäre sie meine eigene. Sie war ein elternloses, zweijähriges Kind, als wir sie zu uns nahmen; sie ist die Großnichte meiner' .../ eine brennende Schamröthe überflog seine bleichen, abgehärmten Zuge, er wagte es nicht, sein .treues Weib vor dem fremden vornehmen Herrn alö seine Gattin zu bezeichnen; er brach vlötzlich ab und dentete schweigend auf. Eva!. „Eigene Kinder hat Er nicht?" „Ich habe einen Sohn, er dient dem Kaiser, er ist Korporal beim Dragonerregiment Erzherzog Johann!" '' „Wie heißt denn Sein Sohn?" ' ' „David Auritz, gnädiger. Herr!" „Wie lange dient Sein Sohn?" ,. . „Seit 1809, vier einhalb Jahre." ' - Ein Mutterherz ist ein gar eigenthümliches Ding, die Mutterliebe verleiht auch der Furchtsamsten Löwenmuth. Die alte Frau hatte vor dem Fremden, vor dem ein Offizier/ — vielleicht Hoheit Ranges — in ehrerbietiger Stellung stand, den höchst denkbaren Respekt, und hatte sich scheu in den Hintergrund gedrückt; aber jetzt zupfte sie ihr altes, zerfranstes Busentuch. zurecht, trat einige. Schritte vorwärts und sprach, während ihr Gesicht vor Mutterstolz erglühte?iv. „Unser Sohn war auch dabei, als Napoleon vom Erzherzog. Karl, bei Aspern geschlagen wurde." . ,,C'r Sof ‘ auch au der entscheidenden Attaque theilgenöütmen," ergänzte Lea gewissenhaft den Be-