Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1884)
- Date
- 1884-12-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449497--21292-2510871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1605 feiner Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen, kein, anderes Existenzmittel finde und die nächtliche Zeit die einzige sei, die ihm Lei seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stehe, wenn er seine Studien überhaupt mit Erfolg fortsetzen wolle. Da der Bittsteller gleichzeitig glänzende Zeugnisse der oben genannten Professoren eingereicht hat, so ist die Deputation ans seinen Wunsch eingegangen, und der betreffende Studiosus betheiligt sich jetzt allnächtlich an der Straßcnreinigung zu Berlin. Frankfurt a. M., 3. December. Das Rothschild'sche Hans in der Judengasse, deren Hauser eben abgebrochen werden, wird vollständig vor dem Untergange bewahrt bleiben. Wie Herr Cornill in der Jahresversammlung des Vereins für das historische Museum mittheilte, hat nämlich die Familie ihr Stammhaus nebst dem anstoßenden, welches unter gleichem Dache steht, angekanft: sie will diese Häuser um 1 Meter zurücksetzen lassen, damit sie in die neue Straßenfluchtlinie fallen, und wenn sie so wieder hergestellt sind, die Nothschildstiftung hineinverlegen. Was sich noch von alten Möbeln im Fanlilienbesitz befinde, würde dann hier gleichfalls vereinigt werden. Auch das Eckhaus am Eingang der Gasse, in welchem sich eine Wirthschast befand, bemüht man sich, zu erhalten. Dagegen befindet sich das Geburtshaus Ludwig Börne's bereits im Abbruch begriffen. Alles, was irgendwie des Aufbewahrens Werth war, ist nebst der am Hanse allgebrachten Gedenktafel dem historischen Museum einverleibt worden. Köln, 26. Nov. Freifrau Abraham v. Oppenheim überwies wiederum der hiesigen Anstalt für taubstumme Kinder eine Spende von 3000 M. Schwei z. Basel. Eine Commission hat sich dahier vor einiger Zeit gebildet, unl ein Unterstützungslverk zu Gunsten isr. Handwerker zu gründen. Kleine Summen werden denselben in der Form eines Darlehens gegeben, tut Nothfalle auch geschenkt. Es geschieht dies weniger, um dem Elend in diesen Kreisen zu steuern, als um die Arbeit zu ermuthigen und bei der armen Bevölkerung den Sinn für das Handwerk zu stärken. ’;v / Oe st e r r - ltn ga r.^Al o n^a r ch ie, Wie«. Der Vorstcind der hiesigen Cultüsgemeinde hat an Stelle des Herrn L. Kompert sein Mitglied Herrn Dr. Ludwig Fürth, Doeent an der Wiener Universität, in den n.-o. Landesschülräth gewählt. Der Neugewählte wird sich den akademisch! hochgebildeten Männern, die den n.-ö. Landesschnl-' rath bilden, ebenbürtig allschließen und die Eultüsgegemeinde in. würdiger Weise vertreten. ' Budapest, 19. Nov. Es vergeht kaum eine Nacht, in welcher nicht den Juden in Nyiregyhüza die Fenster ungeschlagen werden, lind dies geschieht unter den Augen des dortigen Stadthauptmannes Kereknethy, der im Geheimen mit den antisemitische» Rädelsführern fraternisirt. Die Lage der ungarischen Inden in den kleineren Ortschaften ist geradezu unhaltbar geworden. Die Aermsten sind vollends der Willkür der halbwilden Ortsrichter und Notare ausgeliefert. Aber nicht allein die persönliche Sicherheit, sondern auch die materielle Lage der jüdischen Landbewohner ist auf das Tiefste gefährdet. Der Kleinhandel ist in's Stocken gerathen, denn der Jude ist bemüht, jede Berührung zu vermeiden, durch welche irgendwelche Differenzen entstehen könnten. Leider ist es gar nicht abznsehen, wann diese peinliche Situation ein Ende nehmen wird. Die Antisemitenpartei ist bemüht, das Feuer der Leidenschaften durch allerlei gesetzliche und ungesetzliche Mittel zu schüren und terrorisirt selbst jene Elemente, die feilten Gefallen an den infainen Hetzereien finden. Dies Alles macht auf den Beobachter den Eindruck, als ob man die öffentliche Meinung unter dem Mantel des Antisemitismus zu anarchistischen Zwecken vorbereiten wollte. Die Negierung sieht nun schon das Kritische der Lage ein, und ist fest entschlossen, der Agitation Schranken zu setzen. Wie ich von verläßlicher Seite höre, wird die ungarische Negierung nicht allein das maßlose Treiben der antisemitischen Presse, sondern auch der Agitation im Parlament dadurch verhindern, daß jene Reden, die ,,zum Fenster hinaus" gesprochen werden, ohne Cenfur in den Zeitungen nicht veröffentlicht werden dürfen. Ob diese Mittel das Nebel beheben werde»,: ist noch sehr fraglich. So lange ans unseren ge-- sellschaftlichen Kreisen der heutige reaktionäre Geist nicht schwindet, kann an eine radikale Umgestaltung der Lage ernstlich kaum gedacht werden. >. (Oest. W.) Pesth, 29. Nov. Bei der Stichwahl in Nyi-. regyhaza unterlag der Antisemit Hudak mit 431 Stimmen dem Liberalen Pechy, Sohn des Unterhauspräsidenten, der 465 Stimmen erhielt. ''' '! ' - - - ..Mi/;.. | .-r;-: Serbien. -;>o<v■ i*r- Belgrad. Der König von Serbien hätAerm Leonardi Carpi, Generalinspeetor der serbischen Bah-