Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Werke hcrausgab, *nw: auf bcn Joreh Deah, späterauf den Ehoschcn Mischpot, die Predigtsammluug trm nryuub aubcrc. Während nun iu der ganzen Welt die damals sehr zahlreichen Talnmdgelehrten den immensen Geist, den großen Scharfsinn und die ungeheure Gelehrsamkeit des berühmten Nabbinen anftanntcn, mußte er selbst Schmerzliches erleben. Er wurde beschuldigt, ein heimlicher Anhänger der Irrlehren des falschen Messias Sabbatai Zcbi zu sein, was ihm großes Herzleid und viele Unannehmlichkeiten bereitete. Damals spaltete sich fast die ganze Jndcnheit in zwei Parteien, von denen die eine Gegner, die andere Anhänger und Bewunderer Rabbi Jonathans waren. Diese Streitigkeiten hatten viel Unheil im Gefolge- und haben dem Indenthum unendlich geschadet. Welche Ansdehnung dieselben annahmen, kann man daraus ersehen, daß sie.bis vor den König von Dänemark, Friedrich V. gebracht wurden, der zu Gunsten Rabbi Jonathans entschied. Ein königlicher Erlaß, welcher die Fortsetzung der Streitigkeit verbot, wurde in der Spanagoge zn Altona verlesen. Auch die große Synode der Länder der polnischen Krone, welche im Jahre 1753 in Jaroslaw abgchalten wurde, nahm für den Angegriffenen Partei und ließ die gegen ihn heransgcgebcnen Schmähschriften feierlich verbrennen. Rabbi Jonathan starb im Jahre 1764' in einem Alter von 74 Jahren Zwar hörten seine erbitterten Gegner auch nach seinem Tode nicht auf, sein Andenken zn verdunkeln; allein, -die Nachwelt versagte dem großen Geiste des Mannes und seiner immensen Gelehrsamkeit die gebührende Anerkennung nicht. Daß es auch in der Gegenwart Menschen gibt, die sich nicht scheuen, den großen Mann zu verlästern, hat Professor Grätz bewiesen, der in seinem Geschichtswerke in ganz gemeiner, parteiischer Weise das Andenken Rabbi Jonathans beschimpft. Unsere geehrten Leser mögen ans unserer Darstellung ersehen, wie wenig Glauben dem genannten Historiker beiznmessen ist. Pidjon Schebujim. Eine wahre Begebenheit. Mitgctheilt von F. ' I. Es war im zweiten Jahrzent dieses Jahrhunderts, nicht lange nach den großen Napoleonischen Kriegen. Prinz Friedrich von H. hatte sich in diesen vielfach ausgezeichnet und in hundert Schlachten unsterblichen Ruhm erworben. Jetzt herrschte Friede 1556 auf Erden, und der gewaltige Imperator lebte als Gefangener auf der durch ihn berühmt gewordenen, weltverlorenen Insel St. Helena. Prinz Friedrich weilte seit einigen Wochen in London zmn Besuche des englischen Königshofes, an dessen Spitze damals der Prinz-Regent, der spätere König Georg IV., stand. Prinz Friedrich saß beim Frühstücke, eifrig die Times studirend. Plötzlich warf er das Blatt hin und versank in tiefes Nachdenken. Mit großer Lebhaftigkeit trat ein Ercigniß aus seiner frühesten Jugend vor sein geistiges Auge. Er war cm wilder Junge gewesen, der sich nur ungern der Zucht des Hofmeisters fügte. Eines Tages hatte er heimlich ein junges, noch nicht zugerittenes R^ß bestiegen, das erst unlängst in den Marstall seines Vaters, des regierenden Fürsten von H., war eingestellt worden. Vergnügt galoppirte er znm Städtchen hinaus, über Stock und Stein; allein seine Kräfte reichten nicht ans; er konnte das Pferd nicht halten, das in rasendem Laufe dem nahen Gebirge zneilte. Dem jungen Prinzen war bald der Uebernmth vergangen, und mit Schrecken sah er, wie das Pferd einen: furchtbaren Abgründe zueilte; nur noch wenige Minuten, und Roß und Reiter mußten in der Tiefe zerschellen. Plötzlich stellte sich dem wilden Rosse ein starker Mann entgegen, der es mit nerviger Faust znm Stehen brachte. — „Wie kann ich Euch dankend" sagte der zitternde Prinz, „hier, nehmt meine Börse." — „„Glicht doch,"" sagte der Mann, das Geld znrückwcisend, „„Sie brauchen mir nicht zn danken, Durchlaucht. Was ich gethan, war einfach meine Pflicht. Vielleicht erweist einmal Jemand meinem einzigen Sohne, meinem Moses, der auch ein wilder Junge ist, einen ähnlichen Dienst. Uebrigeus bin ich Ihrem gnädigen Herrn Vater zu großem Danke verpflichtet. Seine Hoheit hat mir einen Gnaden-Schutzbrief verliehen, sonst hatte ich, als der zweite Sohn meines Vaters, nicht hcirathen dürfen."" — „Wie heißt Ihr?" — „„Ich heiße Abraham Hirschmann. Ich bin ein armer Hansirer, ich wohne in der Residenz; aber mein Geschäft führt mich täglich aufs Land."" „Ich werde Euch nicht vergessen." - Prinz Friedrich hatte sein Versprechen nicht gehalten; er war bald nachher als Fähndrich in die Armee eines benachbarten Fürsten eingetreten; der Krieg brach aus, und das kleine Abenteuer, so wie der Netter in der Noth, Abraham Hirschmann, wurden vergessen. Jrtzt war der Winz plötzlich daran erinnert worden. Er hatte in der Zeitung gelesen, daß ein Mann, Namens Moses Hirschmann ans H., wegen WechselWschrmg zum Tode verurtheilt sei und am andern Tage gehängt werden solle. Es unterlag keinem Zweifel, der zum