Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. M 94* Der Israelit. ■ "■ . ';:' Ein ’ ‘ ■ *;; 'V Genlrat - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, d e n 27. November 5S4S (1884). Bezugsbedingungen und Inhaltsverzeichnis befinden sich am Schluffe des HauptblatteS. "Wz Leitender Artikel. Are ßristenzöerechtiglmg des israet. Volkes. iii. Mainz, 24. November. In der ersten Hälfte des Mittelalters existirte am Fuße des Kaukasus ein großes, mächtiges Volk, die Ehazare». Einer ihrer Könige fühlte sich durch die heidnische Religion derselben nicht befriedigt und beschloß, die anderen Religionen zu prüfen. Zuerst ließ er einen christlichen Gelehrten rufen, der ihm die Grnndlehren des Ehristenthums auseinandersetzte. Hierauf wandte er sich an einem Mohamcdaner, um von ihm Belehrung in Bezug auf den Jslain zu erhalten. Zu feinem Erstaunen bemerkte er, daß die herrschenden Religionen auf dem so sehr verachteten Judenthume beruhen, dessen Bekenner in Niedrigkeit lebten und durch Unterdrückung und Verfolgung so viel zu leiden hatten. Deßhalb hatte der König auch nicht daran gedacht, sich mit der Religion der Juden zu beschäftigen. Als er aber sah, daß sowohl das Christenthum, wie der Islam aus dem Judenthume hervorgegangen seien, wurde er begierig, die gemeinsame Grundlage der beiden herrschenden Religionen, die Religion Israels, kennen zu lernen. Erließ einen jüdischen Gelehrten kommen, und das Ende war, daß der König zum Judenthume übertrat und der Stammvater einer Reihe jüdischer Könige wurde. Wenn, wie Herr Gregorovkus behauptet, die Aufgabe des jüdischen Volkes mit der Entstehung des Ehristenthums vollendet gewesen wäre, so hätte die Religion Mohameds nichts erstehen können und die mehrere Hundert Millionen zählenden Bekenner des Islam würden noch heute im Götzendienste beharren, der ja auch noch in der Gegenwart die Mehrzahl der Bewohner unserer Erde gefangen hält. Auch diesen nach vielen Hunderten von Millionen zählenden Menschen wird einst die Sonne-der Wahrheit aufgehen; kommen wird der Tag, an welchem Gotteserkenntnißdie ganze Erde erfüllen wird, wie die Wasser das Meer bedecken, und der gesammten Menschheit wird das Heil, der Friede, die Wohlfahrt durch Vermittelung des jüdischen Volkes werden. Herr Gregorovius schreibt: „Jeder Denkende wird das Urtheil bestätigen, daß die Mission des jüdische» Volkes eine der erhabensten in der Weltgeschichte gewesen ist. Man könnte ans dieser manche Nation, sogar von großem Leben, sich hinwcgdenken, ohne daß deßhalb im Zusammenhänge des geschichtlichen Organismus eine zn gewaltsame Störung sich ergeben würde; aber man kann die. Juden ebensowenig als die Griechen nnd Römer hinwegnehmcn, ohne eine der Grundlagen des Cntwickclungsprozesses der Welt anfzuheben. Diese drei Völker haben einen Bezug aus die Menschheit. Sie sind kosmopoUlisch im höchsten Sinne des Wortes. Tenn die Juden haben der Welt die monotheistische Religion, die Griechen ihr die humane Bildung, die Römer das bürgerliche Recht gegeben. Das älteste kosmopolitische Volk der Erde ist das hebräische. Seine räthselhaste That, lange vor Sokrates. Seneca und Epictet, vor Alexander, Paulus und Marc Anrel, war die Entdeckung der Einheit des physischen und moralischen Kosmos, mit einem Worte des Monotheismus. Die mosaische Genesis hat den höchsten methaphysischen Begriff vom Menschen anfgestellt, nämlich, daß er daS Ebenbild Gottes oder der Sohn Gottes sei. Alle Menschen haben demnach an dieser Ebenbildlichkeit Thcil, nnd daraus fließt die Anerkennung der Menschenwürde überhaupt, wie der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Nachkommen Adams."' Schon vor mehr als siebenzehnhundert Jahren hat ein großer Lehrer des jüdischen Volkes, Rabbi Elieser ben Horkinas, die Idee von der Mission der bedeutenderen Völker ausgesprochen.