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Der Israelit · 1884-11-24 · Heft 93 (24.11.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 93 (24.11.1884)
Date
1884-11-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1520 russischen, wohl aber auf eine» österreichischen oder preußischen General stoße, — glauben Sie, daß Ihr Bauernlümmel von Kotemit richtigem Blick den richtigen Mann zu finden wüßte, dem er die Depesche übergeben solltet Das hängt ja von der Stellung des Korps, von der ganzen Konfiguration der Verhältnisse ab, die," der Russe reckte sich unwillkürlich selbstbewußt in die Höhe, „wohl ich aber nicht Ihr Bote, ein blindes, unfähiges Werkzeug, zu beurtheilen vermag." Es trat eine kleine Pause ein. Der Amtmann und der Pfarrer wechselten fragende Blicke, die Einwendungen jdes Reisenden schienen sehr beachteuswerth. Dieser schien auch in Gedanken versunken, endlich zuckte er wie von einer ihn plötzlich überkommenden Idee erfaßt empor. „Wenn Sie mir mißtrauen, Herr Oberamtmann, so können Sie mich ja in meinem Wagen begleiten, oder saer« vieu! .... daß dem Menschen zuweilen die besten Gedanken am spätesten einfallen, und ich mit dem ende, mit dem ich vernünftigerweise hätte beginnen sollen! Aber es fiel mir auch im Traume nicht ein, daß man mir nicht glauben, die Identität meiner Person bezweifeln wird .... ich bin das eben nicht gewöhnt. Das Einfachste, Herr Oberamtmann, ist, daß ich Sie in Ihre Wohnung begleite und Ihnen meine Dokumente vorweise .... das ist in wenigen Minuten geschehen und. wird die peinliche Verzögerung rasch' beenden .... Sic werden es begreifen, daß mir der Boden unter den Außen brennt." Dagegen ließ sich in der That nichts einwenden. Arnsberg verneigte sich als Zeichen der Zustimmung und schritt, nachdem er vor dem Pfarrer den Hut gelüftet, mit dem Fremden rasch dem Schlosse zu. „Der neue Amtmann ist mir nicht sympathisch," murmelte der Pfarrer, den Beiden nachblickend, „aber das muß man ihm lassen, ein sehr kluger, umsichtiger und energischer Mann ist er! Dem Russen gegenüber hat er sich prächtig benommen .allerdings," fügte er nach kurzem Bedenken hinzu, „das Eine ist mir unbegreiflich, warum hat Arnsberg ihn nicht sogleich nach seinen Legitimationspapieren gefragt? .... hm, auch der Klügste findet zuweilen in Momenten der Uebcrraschnng und der Aufregung nicht sofort das Nichtige!" Der Pfarrer schritt über die weite Wiese zu dem Wagen des russischen Grafen, der auf der Heerstraße hielt und machte den Versuch mit dem Kutscher ein Gesprächs anzuknüpfen, dieser schien aber ein Srockrnste, er seßte allen Fragen mit einem blöden Lächeln, beharrlich sein: „Nix deutsch" entgegen und auch als der Pfarrer, der von seinen Studien am Prager Seminar her, ein wenig böhmisch kannte, ihn in dieser Sprache anredete, schienen ihn wohl die Worte des klangverwandten Idioms anzuheimeln, denn er zwinkerte höchst vergnügt mit den Augen, aber den Pfarrer hatte er offenbar nicht verstanden, denn auch dieser wußte nicht eines der Worte zu enträthscln, die dem Kutscher jetzt ziemlich rasch von den Lippen flössen, und die er mit den verschiedenartigsten Bewegungen seiner Peitsche, die er in der Hand hielt, begleitete. Der Amtmann mußte die Dokumente des vornehmen Boten sehr eingehend und gewissenhaft geprüft und auch vollkommen befriedigend gefunden haben, denn erst nach Verlauf einer Stunde verließ der Russe mit dem Amtmanue das Schloß, und dieser begleitete jenen bis zu seinem Wagen, deutete mit der Hand, die Richtung an, in welcher er zunächst fahren sollte und stand jetzt mit abgezogenem Hute vor ihm. Der Russe setzte sich in den Wagen, der Kutscher berührte mit der Peitsche leicht den Rucken der kleinen, langmähnigen, russischen Pferde rief: „Pascholl!" und der Wagen flog mit Blitzesschnelle über die staubige Heerstraße. Zweites Kapitel. Es waren seit dem im ersten Kapitel Erzähltem einige Tage vergangen. Es gab zu jener Zeit allerdings gar keine raschen Verbindungen, keine Eisenbahnen, Telcgrapheulektungen und selbst der Postverkehr mit jenen Gegenden, in .welchem die Armeen coucentrirt waren, war aus Furcht, es könnte etwas von den Truppenbewegungen bekannt werden, unterbrochen worden; allein, wenn mau den Berichten der K rämer, Fuhrleute, Wanderburschen u. a. drgl. Personen, die ans den Grenzgegenden in das Innere des. Landes ziehend, Reuhof passirten, Glauben schenken mochte, , hatte die verbündete Armee schon sächsischen Boden betreten, war dem Feinde entgegengegangen und hätte man recht bald die Nachricht einer großen Schlacht, die „drüben in Sachsen" geschlagen würde, zu erwarten. Pfarrer Elisander schien recht gehabt, das Kriegsgewitter schien sich vorläufig in die Ferne gezogen zu haben und man hatte sich in Neuhof schon wieder den gewohnten Beschäftigungen überlassen. * Zur Zeit unserer Erzählung und noch mehr als ein Drittel Jahrhundert später, waren die Bauern in Böhmen die Unterthancn ihrer Grund- Herren, denen sie Frohudkeufte leisten mußten. Die

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