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Der Israelit · 1884-11-24 · Heft 93 (24.11.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 93 (24.11.1884)
Date
1884-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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vor die Kaufläden der Israeliten. Had-jel Djilali verlangte, daß ihm die Summe verabfolgt würde, und versprach, die Läden von seinen Soldaten getreulich bewachen zu lauen. Bald fehlten den israelitischen Kauffeutrn sowohl Waare wie Geld; sie beschwerten sich beim Caid und baten um Erlaubnis;, das; einige unter ihnen mit den Soldaten die Wache beziehen dürften. Der Caid ließ sie schlagen, indem er sic beschuldigte, selbst die Diebstähle begangen zu haben. Allmählich wurden eine Menge .Kaufleute durch diese wiederholten Unterschleife ruinirt, und es uiußten mit Ende eines Jahres 71 Kaufläden geschlossen werden. Da die Lage sich verschlimmerte, wandte man sich von neuem an den Caid, der nichts besseres zu thnn wußte, als die Kläger zu bestrafen, indem er zehn junge Leute aus den besten israelitischen Familien zu Demuat ins Gefängnis; werfen ließ. Einer dieser jungen Leute, welcher auch zu den Abgesandten gehörte, gibt einige Details über seine Festnahme. Zehn Soldaten, sagt er, traten eines Morgens in das Geschaftslokal seines Vaters, schlugen ihn windelweich, warfen ihn auf die Straße, wo er andere junge Leute vorfand, die ähnlich wie er behandelt worden waren. Die Soldaten trieben sie vor sich her wie das Rindvieh, und halbtodt, blntbedcckt kamen sie vor den Gouverneur. Dieser — ohne ein einziges Wort au sie zu richten — lies; sie von den Soldaten hinwerfen und mit Stockschlägcn traktiren. Der Zeuge fügt hinzu, daß er ohnmächtig liegen blieb; als er anfing sich zu erholen, versuchte er autzustehen, worauf ihn vier Soldaten bei den Armen und Beinen packten, indessen Andere ihn mit Lederriemen hieben. Er wurde ein zweites Mal ohnmächtig nud von den Soldaten bei Seite geworfen. Als er seiner Sinne wieder mächtig war, wurde er gewahr, daß er ein eisernes Halsband trage, sowie Ketten an den Füßen, welche ihrerseits derart mit dem Halsband verbunden, das; er in gebückter Stellung verharren mußte. Dieselbe Behandlung war den anderen jungen Leuten zu Theil geworden und sie waren alle zehn in einem Kerker versammelt, schreiend vor Schmerz, blutend im Delirium, ohne einen Tropfen Wasser, um ihren brennenden Durst zu löschen. Erst am nächsten Tage wurde es ihren Verwandten gestattet, ihnen Wasser und Lebensmittel zu bringen. Erst »ach drei Monaten erlangten die Eltern des Zeugen vom Gouverneur gegen eine große Summe Geldes, die Freigebung ihres Sohnes. Andere Mitglieder der Delegation erzählten ähnliche Thatsacheu, welche von der unerhörten Grausamkeit des Eaid gegen die unglücklichen Juden Demnats zeugten. Eines Tages wurde ein junges jüdisches Mädchen, Freha genannt, das ihren Lebensunterhalt und denjenigen ihrer jungen Geschwister verdiente, indem sie — von Haus zu Haus gehend Waaren verkaufte, welche ihr zu die'>m Zwecke von einigen Händlern anvertraut waren, beschuldigt, Gegenstände zu verkaufen, welche einem Mauren gestohlen worden. Sie wurde von vier Soldaten gepackt, uiedergeworfen und geschlagen; sie wird ihr'Leben hindurch an den Folgen jener Mißhandlung zu leiden haben. Man dachte nicht einen Augenblick daran, denjenigen Araber zu Verantwortung zu ziehen, der sie mit dem Verkauf dieser Waaren beauftragt hatte! Noch andere Fälle von Grausamkeit und Erpressung erzählten die Dclegirten, doch wäre es zu lang, dieselben hier anfzuzählen. Auch in anderen Gegenden von Marocco kommen viele Fälle von Gewaltthaten, Verfolgung, Ruhestörungen, und — was noch ernster ist — von Attentaten gegen europäische Staatsangehörige und Schützlinge vor. So wurde in Arzimur bei Mazagan ein französischer Israelit ohne Grund festgenommcn, eingesperrt und mit Stöcken geschlagen: bis jetzt hat die Negierung weder Frankreich noch, der Familie Satisfaction gegeben. In Fez wurde kürzlich ein achtzigjähriger Israelit, der in guten Verhältnissen lebte und sich des^ besten Rufes erfreute, umgebracht. An den Thoren von Fez wurde er hingemordet und dieses Verbrechen, welches des Diebstahls wegen verübt wurde, ist nicht geahndet worden. Der.Localbehörde fiel es gar nicht ein, die Mörder festzunehmen. In derselben Stadt wurde vor kurzem gegen die Inden eine Maßregel getroffen, welche große Aufregung hervorries. Seit der Ankunft des Sultans in der Hauptstadt hat der Gouverneur allen Israeliten — seien es Eingeborene oder Schützlinge fremder Mächte — verboten, Schuhwerk zu tragen. Die Protestationen eines Israeliten — französischen Schützlings — wurden vom Gouverneur mit Stolz abgewiesen. Ein unter portugiesischem Schuß stehender Israelit, welcher die Straßen mit Schuhen betreten, wurde von den Arabern verfolgt und fast gesteinigt. Er beeilte sich, sich feines Schuhwerks zu entledigen, um dem sicheren Tode zu entgehen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich bei einem Israeliten, amerikanischem Schützling. Er wurde in der Nähe seines Ladens von einer So'ldaten- Patrouille angefallen, die ihn niedcrgemacht haben würden, hätte er seine Schuhe nicht augenblicklich abgelegt. Ein Dritter ging in Schnhwerk außer

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