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Der Israelit · 1884-11-24 · Heft 93 (24.11.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 93 (24.11.1884)
Date
1884-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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aber solche, die irdischen Vortheil von ihr erwarten." Der junge Mann ging betrübt fort; ob er seither einen anderen Tauspathen gefunden hat, ist noch unbekannt.- - . . Wien, in. Nov. Der Führer der österreichischen Antisemiten ist bekanntlich Herr Ritter voll Schönerer. Derselbe versäumt keine Gelegenheit, sowohl im Reichstage wie in öffentlichen Versammlungen Juden und Jndenthmn zu jbeschimpfen und zu verleumden. Da Herr von Schönerer Antisemit ist, so finden auch die Christen jüdischer Abstammung keine Gnade vor seinen Augen. Im April dieses Jahres beschimpfte Herr von Schönerer das Andenken des vor zwei Jahren verstorbenen Finanzministers Carl von Giskra, der von Geburt Jude gewesen rvar. In Folge dessen forderte ihn der Sohn des Beschimpften, ein neunzehnjähriger Jüngling, zmn Duell; Herr von Schönerer wollte jedoch die Folgen seines Benehmens nicht tragen und zog es vor, um Verzeihung zu bitten und die gebrauchten Schimpfworte zurückzurufcn. Hierauf erschien im „Neuen Wiener Tagblatt" ein Artikel, in welchem cs unter Anderm heißt: „Ja, man kann mnthig sein gegen die Schwachen, grausam und hart, wo man keine Gegnerschaft zu fürchten hat, liimi ist aber dcmüthig und zum Rückzug bereit, sobald man sich bedroht sicht. Das Widerrufen ist doch eine schöne Erfindung!" Ciil anderer Satz lautet wie folgt: „MitlvahrerSelbstbeherrschung brachte es Herr von schönerer über sich, dem Duette aus dem Weg zu gehen, die Selbstanstrengnng sich zu einer Abbitte zu bequemen, er hat sie vollbracht, er bleibt, und er geht uns nicht verloren." Durch den erwähnten Artikel fühlte sich der antisemitische Ritter in seiner Ehre angegriffen und strengte gegen Herrn Morittz Sefs, Herausgeber und Chefredakteur, und gegen Sigmund Hahn, den verantwortlichen Redacteur des „Neuen Wiener Tagblattes", einen Preßprozeß an, der vorgestern und gestern vor dem Wiener Geschworenengerichte verhandelt worden ist. Was btefem Preßprozeß eine ganz besondere Bedeutung gibt, das sind die überraschenden Enthüllungen, welche während derVerhaudlung über Schöilerer gemacht wurden, urid welche der Welt wieder einmal beweisen, wie beschaffen manche Leute sind, die sich den Antisemitismus zur Aufgabe gemacht haben. — Der Angeklagte Herr Moritz Sefs, der sich in einer ausgezeichneten Rede selbst vertheidigte, sagte nämlich unter Anderem folgendes: „Herr von Schönerer muß es ganz gut wissen, auf was sich der Satz bezieht, man kann mnthig sein gegen die Schwachen, grausam uud^harl, wo man keine Gegnerschaft zu fürchten hat." ' Ja, wie soll man auch anders schreiben, wenn man es weiß, wenn man die Beweise dafür besitzt, daß ein Mann, der es für gut findet, entgegen dem ausdrücklichen Willen seines sterbenden Vaters, um hochachtbare Frauen ans ihrer Wohnung zu vertreiben — gewisse Damen in das betreffende Hgns aufnimmt und auf diese Weise thatsächlich jene Frauen — seine greise Mutter und Schwester — zwingt, ihre Heimäth zu verlassen. Dieser Mann, das wird durch Zeugnisse bewiesen werden, ist derselbe, der mich beschuldigt, seiner Ehre durch den eben citirten Satz zu nahe getreten zu sein. — Dieser Mann ist Herr von Schönerer. „Ja, mau kann rauchig sein gegen die Schwachen, grausam und hatr, wenn man keine Gegenerschaft zu fürchten hat. — Herr von Schönerer hat es gezeigt."" Bezüglich dieser ^Enthüllungen, welche das höchste Aufsehen erregten, wurde Advokat Dr. Peritz. der Vertreter der Mutter und.Schwester SchönererS, vernommen. Dieser machte unter großer Sensation folgende Angaben: „Der Vater^Schönerers hinterließ seinem Sohn das Hans in der Krugerstraße mit der Bedingung, daß die von Mutter und Schwester SchönererS im ersten und dritten Stocke inuegehabte Wohnung diesen fortbelassen werde. Nach dem Tode des Vaters vermiethcte Schönerer den zweiten und vierten Stock an Kupplerinnen mit Freudenmädchen; seine Schwester, die in einem solchen Hause nicht wohnen konnte, wendete sich an die Polizei, welche aber nichts thun konnte. Bald darauf starb die Mutter SchönererS, wodurch wieder ein Stockwerk frei, das Schönerer sofort wieder einer Kupplerin vermicthetc. Seine Schwester zog nun aus, und da alles Bitten bei ihrem Bruder fruchtlos blieb, klagte sie, weil durch derartige Bermiethung sämmtlicher verfügbarer Räume des Hauses ihr testamentarisch' vermachter Wohnnugsgcnnß unmöglich gemacht wurde. Dr.Peritz erzählt ferner, daß nach des Vaters Tode 48,000 Gulden aus der Kasse fehlten, welche sich Herr Schönerer unrechtmäßig angeeignct hat, weßwcgen die übrigen Erben einen Prozeß gegen ihnen anstrengten. Es wurden noch andere Angelegenheiten aus dein Leben Schmierers an den Tag gefördert, die jcdermau über den Eharactcr dieses Mannes belehren dürften und Herr Sefs hatte sehr recht, als er Herrn Schönerer dafür Dank sagte, daß er einen Prozeß gegen ihn angestrengt hat, denn niminchr wird mau im Klaren darüber sein, wer Schönerer ist. „Die Moral im Munde und die Knpplerei im

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