Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1884)
- Date
- 1884-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Aentrak - Argan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegcbell von Vi'. Lehman» in Maiuz. m m. XXV. Jahrgang. Montag, den 24. November 3643 (1884). IKF“ Bezugsbedingungen und Jnhaltsverzeichnitz befinden sich am Schlnfse deS HanptblatteS. "DL Leitender Artikel. Die KriSeuzöerechtignng des israek. Volkes, n. Mainz, 20. November. Für die Erkeimtniß des Wesens des israelitischen Volkes ist die Geschichte der Geburt der beiden Zwillingsbrüder, Jakob nnd Esaw, sehr lehrreich. Bei der Schöpfung des Weltalls war das Letzte, was Gott schuf, der Mensch, das vorzüglichste der durch Gotteswerderuf entstandenen Wesen. Zwei Welten vereint er in sich, „llnd es bildete der Ewige, Gott, den Menschen, Staub von der Erde, und Er hauchte ihm ein die lebendige Seele." (l.B. M., E. 2, V. 7.) Staub von der Erde, das ist der Ursprung des menschlichen Körpers, nnd ein Hauch Gottes, das ist die nienschliche Seele. Durch diesen Hauch Gottes erhebt sich der Mensch über alle anderen Geschöpfe. Der Geist, der göttliche Geist, der die Gedanken erzeugt und die Sprache bildet, ist der unschätzbare Vorzug des Menschen. Diese beiden Naturen liegen im steten Streit miteinander. Der Körper liebt das Irdische, Sinnliche; er strebt der Erde zu, von der er genommen. Der Geist aber strebt zu Gott empor, der ihn gegeben. Die Erkenntniß des Wahren, die Vollbringung des Guten, die Gestaltung des Schönen, das sind die hohen Aufgaben, die dem Menschengeiste geworden. — In diesem steten Kampfe war in der Jugendzeit des Menschengeschlechts stets das Irdische Sieger 72 np'2 di«. Adam, der erste Mensch, konnte nicht lange die ihm ertheilte Würde behaup-- ten; er übertrat Gottes Gebot und verfiel dem Loose alles Vergänglichen. Kajin, der zweite Mensch, befleckte mit Brudermord seine Hand. Im dritten Geschlecht, in den Tagen des Enosch, nahm der Götzendienst überhand, nnd im zehnten Geschlecht war die Menschheit bereits so verderbt, das; eine Besserung nicht stattfinden konnte. Sie mutzten alle hinweggerafft werden; nur Noach fand Gunst in den Angen des Ewigen. Er wurde der zweite Stammvater der Menschheit; aber auch seine Nachkommen verloren den Endzweck des menschlichen Daseins aus den Augen, bis unser Vater Abraham den einzigen Gott erkannte nnd Seinen Namen verkündete auf Erden. Von Abrahams Söhnen konnte nur einer, Jizchak, sich auf der Höhe der geistigen nnd sittlichen Vollkommenheit erhalten, nnd nun sollten die Zwillingsbrüder geboren werden, die Repräsentanten zweier entgegengesetzter Richtungen. Schon im Mntterschootze begann der Kampf iSsnn'i nmp2 d^Dm. Unsere Weisen erklären den eigen-, thümlichen, in der heiligen Schrift sonst nicht vorkommenden Ausdruck nimm als mm;iw7 und deuten ihn folgendermaßen: Wann Riwkah dort vorüberging, wo die altersgrauen Stammväter Scham nnd Eber die von Gott stannnenden Traditionen .lehrten, da strebte Jakob hervor; da aber, wo das Volk des Landes den Götzen diente, wollte Esaw. den Mutterschoos; verlassen. Die Mutter jedoch wußte nicht, daß es zwei Söhne waren, denen sie das Leben geben sollte; sic glaubte, es wäre nur einer, in welchem der beständige Kampf der beiden menschlichen Naturen fortwähreu wurde; da sprach sie: Wenn dem so ist, wozu bin ich da? Dann ist wieder der Zweck meines Daseins verfehlt. Und sie ging hin in das Haus, wo Scham nnd Eber lehrten, um durch den Mund der'