Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-11-20 · Heft 92 (20.11.1884) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 92 (20.11.1884)
Date
1884-11-20
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449492--21190-2510764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wovon die Colouisten das Meiste schon in einen schönen Culturzustand gebracht haben; Gerstej "Weizen, Reben u. s. w., nebst Küchenpflanzen, bilden den Hauptbestandtheil der Gewächse. Dreiundzwanzig Wohnhäuser mit Ställen und anderen Rebengebäuden sind von den Colonisten selbst errichtet worden; eine hinreichende Menge guten Wassers erhalten sie aus zwei von ihnen gegrabenen Brunnen. Die Lage der Colonie ist eine gute. Sie befindet sich rechts von der Hauptstrasse, die von Jaffa nach Jerusalem fuhrt, 2'Stunden von Jaffa und ebensoweit von Ramleh. Ein ziemlich guter Fahrweg verbindet die Colonie mit der Hauptstrasse und ermöglicht den Verkehr zwischen der Colonie und dem Meere. Die wohlbekannte Anstalt mp£„ liegt in nur geringer Entfernung auf der Seite nach Jaffa hin, die Colonie "iTpn ni12» einige Meilen nordöstlich. Dem Herrn Hirsch in rPpö» ist von Herrn Baron v. Rothschild aus Paris die Aufsicht über die Colonie übertragen worden. Der Herr Baron hat die Unterhaltung der Colonie übernommen, und verdient hierdurch das höchste Lob. Das grosse Hinderniss, welches jeden unmittelbaren Erfolg der Colonie unmöglich machte, war der Mangel an baarem Gelds, so ' dass die Colonisten ganz und gar auf den Ertrag des Bodens angewiesen waren. Man kann sich leicht vorstellen, wie gering dieser Ertrag auf einem so kleinen Raume im zweiten Jahre gewesen sein mag. Und doch sollten hundertfünfunddreissig Personen davon leben! Die Lento geriethen in Roth und wären ohne Hilfe von Aussen sicher zu Grunde gegangen. Herr Baron Edmond von Rothschild erkannte d'e Sachlage und griff in praktischer Weise zu den richtigen Mitteln. Nachdem ihm die gesetzlichen Rechte an der Besitzung übertragen waran, verpflichtete er sich, den Leuten einen regelmässigen Lohn zukommen zu lassen, wodurch es ihnen nunmehr möglich ist, sich in allerdings knapper Weise zu erhalten, aber jedenfalls konnte für sie bei ihren zerrütteten Verhältnissen nichts Besseres geschehen. Solchergestalt ist das Werk „des edlen Baron ein zweifach ‘anerkennenswerthes: Er hilft seinen armen Stammesgenossen und ermöglicht es, dass die Colonie als solche erhalten bleibt, die, trotz der gegenwärtigen schlechten Verhältnisse, den Keim grosser Erfolge in sich birgt. Ein Erfolg kann auf zweierlei Art .erlangt werden: Erstens durch die Auswanderung einiger Colonisten. Als die Colonie zuerst gegründet wurde, waren Viele mit Bauen beschäftigt. Das Bauen ist nun zu Eude und die Colonisten haben keine andere Beschäftigung, als ein wenig Arbeit auf dem Felde. Das gegenwärtige Besitzthum kann nur die Hälfte der vorhandenen arbeitsfähigen Mitglieder vollständig beschäftigen. Ist der Boden aber erst einmal bearbeitet und cultivirt, so verlangt er noch weniger Arbeitskräfte. Wir werden demnach auf die zweite Methode geführt, — nämlich die überflüssigen Arbeitskräfte mitArbeit zu versorgen. Für Einrichtung einer uenachbartenColonie könnten diese er- > fabrenen Bauleute bei der Erbauung von Häusern und anderen Gebäuden gut verwendet werden; vielleicht ist es noch besser, das jetzige Besitzthum der Colonisten um ein gutes Stück zu vergrößern. Die Colonisten halten letzteren Plan für den besseren, und aus zwei Ursachen muss man ihnen beistimmen. Da nämlich die Colonie ziemlich genügend mit Wohnungen versehen ist, so hätte man nicht nÖtliig, die Regierung erst um die Erlaubniss zur Errichtung neuer Häuser zu bitten, was bei einer ganz neuen Colonie nicht zu umgehen wäre. Ausserdem aber ist das angrenzende Land, das zur Beschäftigung der Colonisten hinreichend ist, zu einem massigen Preise zu haben. Die Colonisten rathen, dieses Land gänzlich zur Zucht von Schafen und Ziegen zu benutzen. Man versichert uns, nicht nur seitens der Colonisten, sondern auch von Eingeborenen, dass auf diese Weise ein einträgliches Geschäft nicht nur mit den benachbarten Districten angefangen‘werden kann, sondern auch mit Egypten, dessen Märkte im Bereiche der Colonie liegen. Eine Auslage von vielleicht weniger als tausend Pfund Sterling wäre genügend, die angrenzenden Ländereien anzukaufeu und sie mit einer hinlänglichen Anzahl Schafe und Ziegen zn versehen. Die Colonisten können nichts für sich thun, wo ein Kapital sogleich verlangt wird; sie sind^hierin gänzlich auf Hilfe von Aussen angewiesen, augenblicklich sogar für ihre gewöhnlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.