Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1884)
- Date
- 1884-11-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1513 Größe mit einem bleichen Gesichte, in welchem eine breite Schramme über die ganze. Stirne hinlief, vor sich. . „Was wollen Sie von mir?" fuhr ihn der Amtmann endlich barsch an. „Vor Allein," erwiderte der Fremde mit einem leichten, ironischen Lächeln, „die gute Lebensart, die jeder Mann von Bildung einem andern schuldig ist," und als der Amtmann Miene machte aufzufahrcn, legte der Reisende leicht seine Hand auf Arnsbergs Schulter und fuhr unbekümmert um den drohenden Zornesausbruch gleichmäßig fort, „dann, gefällige Auskunft, welche Richtung ich einzuschlagcn habe, um das Korps des Prinzen von Wüttemberg zu finden, ich bin ... . Pardon,“ unterbrach sich der Fremde, „ich spreche schlecht deutsch, ich weiß nicht, ob ich im Stande bin, mich Ihnen recht verständlich zu machen. Sprechen Sie vielleicht oder verstehen Sie russisch? Sie sind doch wahrscheinlich ein Böhme, und die slavischen Sprachen sind ja miteinander klangverwandt." „Sie befinden sich hier in einer rein deutschen Gegend," erwiderte der Amtmann umeine starke Nuance höflicher, „übrigens haben sich die russischen Truppen auch in böhmischen Gegenden nicht mit der Bevölkerung zu verständigen vermocht." „Also vielleicht französisch?" fuhr der Russe fort, und als Arnsberg bejahend nickte, fuhr jener geläufig französisch fort: „Ich überbringe dem Prinzen wichtige und unaufschiebbare Depeschen, die man eben nur mir, ich bin Graf Paul Demidow, anvertrauen mochte .... Sie werden es daher begreiflich finden, daß ich den russischen General so bald als möglich aufzufinden wünsche, und," der Russe lächelte, „daß es mir höchst unangenehm wäre, den Herren Franzosen in die Hände zu fallen." „Haben Sie verstanden, was der Russe gesprochen?" frug der Amtmann den Pfarrer leise. „Ich spreche und verstehe französisch," erwiderte der Pfarrer gleichfalls leise. „Also was glauben Sie, was ich thun soll?" „Wissen Sie denn, wo das Korps des Prinzen von Württemberg steht?" - „Woher denn?" rcplicirte der Amtmann ärgerlich, „ich bin ja kein Prophet.". . „Aber das wäre vielleicht zn erkunden, man müßte eben von Dorf zn Dorf schicken." „Sie haben Recht plötzlich Hielt Arnsberg inne, „aber Herr Pfarrer, ist es nicht möglich, daß dieser Fremde da gar nicht der Graf Demioow, vielleicht kein Russe, daß er ein Spion ist? Wäre es nicht angezeigt, ihn festzuhalten; Sie selbst, Herr Pfarrer, haben mich vor Kurzem nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht, daß es zahlreiche französische Spione gibt." -! Der Pfarrer wurde leichenblaß, begann an allen Gliedern zu zittern und warf einen furchtsamen Blick auf den Fremden, der in vornehmer Haltung die leise geführte Conversation der beiden Männer verfolgte. Die Sicherheit seines Benehmens imponirte dem geistlichen Herrn und er sprach: „Aber, Herr Oberamtmann, wenn der Fremde, wie dies ja sehr wahrscheinlich, in der That Graf Demidow ist, und dem russischen Feldherrn Depeschen zu überbringen hat, würden Sie eine furchtbare Verantwortung übernehmen, wenn Sie ihn davon abhalten, seinen Auftrag auszuführen. Die Depesche kann eine wichtige Disposition enthalten, von dieser kann das Schicksal einer entscheidcudeu Schlacht, von dieser das Resultat des Feldzuges, vielleicht die Zukunft Europas abhäugen," — der würdige Pfarrer wischte sich den Angstschweiß von der hohen Stirne — „ich wage es nicht, in einer so hochwichtige» Angelegenheit einen Rath zil ertheilen, eine Ansicht auszusprechen." Der Russe schien ungeduldig zu werden, mit vibrirenden Fußbewegungen schlug er auf den Boden, er warf stolz den Kopf zurück, das spöttische Lächeln war ans seinen: hübschen Gesichte verschwunden, seine Züge waren ernst, fast finster geworden. „Meine Herren, ich muß Sie recht sehr bitten," sprach er und seine Stimme klang jetzt befehlend, „Ihre Privatgespräche gefälligst auf eine passendere Zeit zu verschieben. Ich fahre in meinem eigenen Wagen, der dort auf der Straße steht," er deutete mit der Hand in diese Richtung, und Arnsberg und Elisander sahen in der That ein elegantes Gefährte auf der Chaussee, „und jeder Augenblick Verzug kann möglicher Weise der Sache der hohen Alliirten den größtmöglichen Schaden verursachen. Wenn Sie nicht wissen, wo der Prinz von Wüttemberg steht, oder mir ans irgend einem mir in dem Momente unerfindlichem Grunde dies verheimlichen wollen, so will ich mich keinen Moment länger aufhalteu, und auf's Gerathewohl den Weg auf der Chaussee verfolgen. Ich werde da wohl über kurz oder lang in ein Städtchen oder in ein Dorf kommen, dessen Bürgermeister oder Schulze mir vielleicht Näheres wird mittheilen können; adieu messieurs!“ - Graf Demidow lüftete den Hut und machte Miene fortzucilen., Arnsberg trat rasch an ihn heran, erfaßte seinen Arm nnb sprach allerdings französisch beginnend, aber da wo sein Wortschatz nicht ausreichte oder ihm die Bildung des fremd-