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Der Israelit · 1884-11-20 · Heft 92 (20.11.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 92 (20.11.1884)
Date
1884-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1511 die russischen Verfolgungen zwangen nun auch die fleißigen mit ihrer Handcarbeit sich ernährenden Juden, Handwerker aller Art, eilt neues Feld der Thätigkcit im Westen Europa'» oder in Amerika aufznsuchen. Der Bau oben bezeichneter Synagoge ist eine kräftige Widerlegung voll der Behauptung der Judenfeinde, daß die Inden zur Ergreifung der schweren Handwerke nicht fähig,, resp. nicht gewillt seien. London. Am 30. October starb dahier eine chrenwerthe christl. Frau, Namens Margaret!) Wiliams, im Alter von 81 Jahren. Dieselbe verbrachte ihre ganze Lebenszeit in Diensten voll jüdischen.Familien. Sie war stets so treu und anhänglich gewesen, daß drei auf einander folgende Generationen einer jüdischen Fanrilie ihre Dienste in Anspruch nahmen. „Da all das Geld, das ich besitze, von Israeliten herstammt,. sö soll es — das pflegte sie oft zu sagen — auch nach meinem Tod für jüdische Zwecke verwendet werden. Und sie hat ailch Wort gehalten; in ihrem Testaniente vermachte sie ihr ganzes Vermögen dem isr. Hospitale zu Norwood. Ihrem Leichenbegängnisse wohnten viele Israeliten, welche sie in chrem Leben wcrthschätzen lernten, bei. London, 14. November. Allgemeines Interesse erregte die am vergangenen Moiltag stattgehabte Erwählung des Herrn Israel Hart zum Major von Leicester. Er ist der erste Jude, der zum Oberhaupt des Magistrates in dieser Stadt ernannt wurde und besonders ist es hervorznhebeu, daß er von allen Parteien einstimmig zu dieser Würde erwählt wurde. Wie sich die Zeiten in Leicester geändert haben! Im Jahre 1230 erließ Simon de Montfort, Carl of Leicester , ein Edikt, durch welches alle Juden aus genannter Stadt für alle kommenden Zeiten vertrieben wurden. „Dies geschieht," heißt cs wörtlich in diesem Edikt, „zum Wohle meiner Seele mld zum Seelenheile meiller Vorgänger und - Nachfolger." Leicester hat durch die Aenderung seiner Gefühle gegen die Juden nur gewonnen, Herr Hart ist einer der populärsten Männer der Stadt. Diese verdankt ihm ein Gebäude für eine öffentliche Bibliothek und eine der schönsten öffentlichen Fontainen Englands. London, 14. Nov. In der jüngsten Sitzung der Schechita-Verwaltung (Schecliita-Board) wurde das Projekt, Koscher-Fleisch von Neu-Sceland zu importircn, besprochen und der Rcvd. Dr. Hermann Adler n äußerte, zur Ausführung dieses" Planes behilflich sein zu wollen und wenn dessen Verwirklichung näher kommen sollte, einen Aufseher dorthin zu senden. Wir können durchaus mit einer derartigen neuen Institution in keiner Weise über-' einstimmen. - Zweifelsohne würde Herr Dr. Adler die rituell erforderlichen Mittel gewissenhaft nach Religions- Vorschrift beschaffen, und sicherlich werden auch die dortigen Autoritäten bemüht sein, der Ausführung dieses Koscher-Fleisch-Exportes ein wachsames Auge zu widmen; — wer aber bürgt uns dafür, daß in so weiter Ferne eine genügende Aufsicht möglich ist? Würde der sonst sehr scharfblickende Dr. Hermann Adler seinem erfahrenen, ehrwürdigen Herrn Vater, der Chief-Rabbi v% von diesem Projekte Vortrag erstattet haben, so hätte er sicherlich die vielfachen Bedenken erwogen und die Idee einer solch' gewagten Transaction verworfen; hoffen wir, daß dieselbe niemals realisirt werden möge. — (Vor einigen Jahren wollte sich in Amerika eine Gesellschaft bilden zur Jmportirung streng koscheren, amerikanischen Büchscn-Fleisches nach Europa. Die Herren glaubten hierbei namentlich auch auf nichtjüdische Kundschaft rechnen zu dürfen,, da die jüdisch-rituelle Herstellung Garantie für gesundes Fleisch bieten würde. Die Herren Rabbinen Hirsch in Frankfurt a. M. und Dr. Lehmann in Mainz wurden ersucht, zu diesem Bchnfe Schächter und Aufseher nach Amerika zu senden. Beide Herren lehnten-ihre Mitwirkung ab, weil in so weiter Ferne eine der Wichtigkeit der Sache entsprechende Aufsicht unmöglich sei; in Folge dessen zerschlug sich die Angelegenheit. Red.) M a r o c c o. Tanger. In den letzten Wochen brachten wir mehrere Berichte über das Schicksal der Juden in Demnat, die aber kein klares Bild boten, weil sie sich in der Haupsache widersprachen und in Zweifel ließen, ob der gegen die Juden so grausame Gouverneur seiner gerechten Strafe entgegcusieht oder nicht. Neueren Nachrichten zufolge ist der Gouverneur noch in seinem Amte und wüthet um so schrecklicher gegen die Inden, weil sie cs gewagt haben, bei der Negierung gegen ihn Klage zu führen. Er wußte das dehnbare Gewissen der höchsten Beamte» dadurch zu bestechen, daß er denselben von dem den Juden gewaltsam entrissenen Vermögen einen nicht unbeträchtlichen Theil der Beute schickte. Die wenigen bisher in Demnat verbliebenen Juden haben aus Angst vor fernerer Verfolgung den Platz mit Hinterlassung all ihrer Habe verlassen, und

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