Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1884)
- Date
- 1884-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. J\:S 93. Zentral - Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, d e n 2«. November 5«45 (1884). y's Bezugsbedingungen und Jnhaltsverzeichniß befinden sich am Schluffe des Hauptblattes. Leitender Artikel. Die E-Wenzöerechligmtg des israek. Volkes. Mainz, 18. November. „Und es stießen sich die Kinder .in ihrem Innern, und sie sprach: Wenn dem so ist, wozu bin ich da? Und sie ging, zu befragen den Ewigen." (1. B. M. C. 25, V. 22.) An diese Worte der heiligen Schrift wurden -wir lebhaft erinnert, als wir dieser Tage den Brief des Herrn Ferdinand Gregorovins in dem von uns mehrfach erwähnten Buche „Briefe berühmter christlicher Zeitgenossen über die Jndenftage" lasen. Derselbe schreibt: „Indem ich stets der Ansicht war, daß die Aufgabe des Judenvolkes vollendet gewesen sei, als dasselbe ans der Reihe der Nationen getilgt wurde, habe ich cnltnrgeschichtliche Zeugnisse für die Nothwendigkeit der Fortdauer des Judenthums ausgesucht, und mich gefragt, ob für die Hebräer noch nach ihrem Untergange als Volk irgend eine bedeutende Mission im Dienste der Menschheit zu erweisen sei. Ich weiß es nicht, und ich bin rathlos. Denn Ihre Behauptung, daß did Fortdauer des Judenthums nothwendig oder heilsam gewesen sei, weil dasselbe während der dunklen Jahrhunderte, der Materialisirung der christlichen Idee gegenüber, das Bewußtsein des reinen Monotheismus wach erhielt, scheint mir-von der Geschichte nicht bestätigt zu sein." Insofern müssen wir Herrn Gregorovins Recht geben, daß nämlich die schaale Ansicht des Herrn Singer die Existenzberechtigung des Judenthums nach der Zerstörung des jüdischen Staates nicht erklärt. Wenn, wie Herr Singer behauptet, Diejenigen, welche für die Inden noch eine große Zukunft erwarten, nur eine kleine Anzahl von Träumern sind, dann wäre unsere Aufgabe auf Erden längst erfüllt und ein beispielloses Martyrium in der Dauer von mehr als achtzehn Jahrhunderten wäre ein vergebliches gewesen. Allein schon der Psalmist ist dieser Ansicht in wundervoller Weise eutgcgengetretcn. Die Hoffenden und Harrenden in Israel mögen immerhin den Richtjnden so wie den abgefalleuen Juden als Träumer erscheinen. „Wann der Ewige zurückführt die Weggeführten Zions, dann sind wir gewesen gleich Träumenden. Dann wird mit Lachen sich füllen unser Mund und unsere Zunge mit Jubel. Dann werden sie sprechen unter den Völkern: Großes hat der Ewige mit diesen vollbracht." ' Als unsere Mutter Riwkah von furchtbaren Schmerzen gequält die Frage aufwarf: „Wenn dein so ist, warum bin ich da?" da ging sie hin, den Ewigen zu befragen. Auch wir wollen zur Beantwortung der Frage nach unserer Existenzberechtigung im Worte Gottes uns Rath erholen. .. ' In Bezug auf die Zukunft Israels undse.W Stellung zn seinen Brüdern gibt nns die in Rede stehende Erzählung der heiligen Schrift genügenden Aufschluß. „Und es flehte Jizchak zum Ewigen wegen seiner Frau, denn sie war unfruchtbar, und es ließ sich von ihm erflehen der Ewige, und es ward schwanger Riwkah, seine Frau." Der Zustand Riwkah's war keine Folge bloß natürlicher