Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1884)
- Date
- 1884-11-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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xgv. Jahrgang, -M*. 1 n*,J- Leitender Artikel. Weber Erziehung. ' " Bon Dr. H. Sänger. n. . Es gibt wohl wenige Eltern, die nicht den Kindermund lehren, sobald er nur sprechen kann, ein Abendgebet 3« sagen, worin das .And den lieben Vater im Himmel bittet, seinen Schlaf zu behüten, es selbst, sowie die guten Eltern wieder gesund erwachen zu lassen. Es ist ein inst'mctives Gefühl in der Eltcrnbrnst, auch wenn sie sonst im Leben eine Vorsehung zu leugnen vorgeben, das;, da sie selbst das Kind während der Nacht nicht bewachen und beschützen können, sie es dem Schutze des Höchsten empfehlen. Und deßhalb lehren sie cs, seiiw Bitte .um diesen Schutz vor nächtlichen Gefahren, die sie für sich selbst und für ihr Kiud nicht mehr aussprechen, selbst zu Gott zu richten. Möglich auch, das; noch die Eoucessiou eines Morgengebetcs, als Dank für den gesunden Schlaf ,md den Schutz, cingeränmt wird. Weiter aber geht im Allgemeinen die häusliche religiöse Erziehung nicht, und selbst in sogenannten frommen Häusern wird dieselbe sehr stiefmütterlich gehaudhabt. Das! Einzige, was man der jüdisch-religiösen Erziehung heute allgemein noch einräumt ist derNeligiousunterricht, den der Staat fordert. Und dem entsprechend ist auch dieser ganze Unterricht nichts weiter als eine äußere Form. Herz und Gemüth mld Verstand werden dabei nicht berührt. Er ist meistens ilicht berechnet und liicht bestimnit für's Leben, sondern nur um dem Gesetze, welches dazu verpflichtet, zu genügen. Und so wollen die meisten Eltern es haben. Denn religiöse Ander zu haben einst gesetzestrene religiöse Inden in ihren Kindern heranwachsen zu sehen, „davor bclvahrc mich der Himmel!" sprechen sie in ihres Herzens Einfalt, ohne die Blasphemie in ihren Worten zu erblicken. Kann man sich auch heutzutage, am Ende des hochgebildeten 19. Jahrhunderts, " ins Zeitalter der Vernunft und der Herrschaft des Mellscheugeistes über die Natur, kann man sich auch etwas Schrccklicheres denken, als einen Menschen, der auf Schritt' und Tritt sich von religiösen Observanzen bestimmen laßt, dessen Geist von allen Seiten in Fesseln ge-, legt ist, der sich nicht getraut, irgend etwas-zu unternehmen, weil er befürchtet, Gott sei nicht damit einverstanden, der nicht denkt, sondern mir gehorcht, wie ein Sclave!! Welch ein Horrenr wäre es, sich ein Kind zu denken, das da Morgens sich den er* glückenden Schlaf raubt, um sein — Gebet zu ver-- richten! das da keinen Kaffee trinkt, ohne erst GM dafür zu danken, daß Er es tvieder frisch und munter hat erlvachen lassen! das da Gott bittet -—und gar noch in diesem uliverställdlkchen Hebräisch — es den Tag über zn schützen und zu behüten — denn das steht mit noch vielen anderen ähnlichen unzeitgemäßen Dingen in diesen hebräischen Gebeten, wovon man sich nöthigenfalls durch Ueocrsctznngcn überzeugen kann —! das dabei lederne Riemen um Arm und Kopf windet und in unästhetischer-Weise seine „Zizith" unter seinen Kleidern hervorzieht, einen Segen dazu spricht! das da, ehe es sich zu. Tisch setzt, erst noch die Hände wäscht - ist doch wohl nicht auch unästhetisch? — wieder einen Segensspruch vor der Mahlzeit spricht und wenn es gesättigt ist „benscht" d. h. nochmals einen Scgensspruch sagt, darin Gott für die Speise dankt und damit Glück und Segen ans seiner Ellern Haupt erfleht! das diese und noch viele andere unverständliche veraltete Eeremonien übt! das, wenn es zum Jüngling hcrangewachsen „bessere Gesellschaft, „feinere" Kreise meidet, weil es nicht mitcffcn will- „verbotene Speisen;" — „wie lächerlich! — das am Samstag und den jüdischen Festtagen in der . Schule nicht schreiben will und lieber schlechte Eensuren mit nach Hanse bringt, nebenbei noch sich von seinen Lehrern und Mitschülern verspotten läßt und sich so recht als „Jude" zeigt! das am Sams-- tag und Feiertage in keinem Geschäfte arbeiten will, lieber die beste Stelle ausschlägt und so seine Zukunft' gefährdet: Rein, so etwas Verrücktes an seinem . Kindern erleben zu müssen — schon der Gedanke daran ist schrecklich! Das dürfen unsere Kindes nicht. lernen/ so nicht werden! Das ist auch gar '.üjcht.M^ dische Religion! Das hat sich überlebt! Das gehört" in die Rumpelkammer des Mittelalters! ^kui, der Religionsunterricht der „gebildeten",'„feineren" jü-