Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1884)
- Date
- 1884-11-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449488--21099-2510669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXV Jahrgang. >iz, Leitender Artikel. Die Wonlesiorc-Keicr in den verschiedenen Ländern und Städten. III. Mainz, den 3. November. Friedbcrg, (Hessen), 31. Oct. Zu Ehren des hundertsten Geburtstages vtir MontcfioreS wurde auch in hiesiger Synagoge ein Festgottesdienst abgrhalten und dem hochverehrten Jubilar eine kunstvoll ansgcführte Glückwunsch-Adresse von hiesiger Gemeinde durch de» Vorstand übersandt. Mittelst»«. (Nntersranken), 8. Eheschwa». Nachdem in diesem gcsch. Blatte ausgcstclUcn Programme sand heute Nachmittag für die Montcsiore-Feier Festgottesdienst in der hiesigen Synagoge statt. Die Festrede hielt Herr Lehrer Strupft, in welcher er Sir Moses Montesiorc mit Abraham verglich, der die schützende Hcimath verlassen, die Beschwerden der Reise nicht scheute, hinanvzog und Altäre für Gott erbaute und so ein Segen sür die Menschheit wurde. — Indem Redner noch die hervorragendsten Thatcn des edlen Jubilars hervorhob, wies er am Schlüsse seiner Rede daraufhin, dast dieser seltene Mann stets den Grundsatz bewahrte 2'?n rven T?rnn den Wandel in Gottes Wege». Mit dem Gebete: der Allmächtige möge diesem Edlen noch viele Jahre hinjufügen, schlost die würdige und erhebende Feier. OelS in Schlesien. Gestern Abends 5 Uhr versammelten sich die hiesigen Gcnteindcmitglicdcr in der Synagoge zur Begehung der Fcstseier des hrrndertjährigen Geburtstages Montcfiores, die nach dem Programm des Herrn Ober-Rabb. Dr. Adler angcordnet war. Bei voller Belcuchtnng, wie sie nur an den hohen Festabenden stattfindct, prangte das Gotteshaus in Fciertagsschmnck. Auch die Mitglieder hatten das Festgewand angelegt und cs mart'irtc sich sichtbar, dast die Erschienenen sich noch viel s-stlichcr gestimmt und gehoben fühlten, als die äusteren Fornren zu bekunden vermochten. Die Photographie des Gefeierten, die das vertheiltc Festprogramm enthielt, wurde nicht nur in Ehrfurcht betrachtet, diente vielmehr als Studium um den Gcsichtszngcn alle f^die Liebe und Güte zu entnehmen, die dem Jubilar so umsangrcich eigen sind. Mit dem Bcrllingcn',dcr letzten GcsangStönc eröffnet« der hier seit zwei Jahren wirkende Rabbiner Dr. Ehodowski seinen PoArag anknüpfend an Vers 2, ttap. 12 des 1. B. M. und beleuchtete in seinem wohldllrchdachtrn, inhaltsreichen Vortrag das Leben, Wirken und die Grostthaten, die der edle Jubilar in philantropischer Weise seinen GlanbenSbrüdern, wie allen Religionsgesellschafte», während seines von Gott begnadigten langen Lebens zugcwcndet und trotz der hohen Jahre noch immer bestrebt bleibt, das Kohl seiner Mitmenschen zu fordern, selbst mit Gefährdung seines körperlichen Zustandes. Die eigene Stimmung noch erhöhet durch den mächtigen (Eindruck der Predigt bestimmte die Anwesenden, ihren Gefühlen sür den Gefeierten durch Drahtvcrmittlung sofort Altsdrnck zil geben. Das abgcsandte Telegramm lautet: Sir MoseS Montcsiore, Ramsgatc, England. Die Synagogengemeinde zu Dels in Schlesien übersendet Ihnen hochverehrter Jubilar, dem unermüdlichen Verfechter jüdischer und allgemein menschlicher Interessen zum Eintritt ins zweite Säculum ihren tiesmpfundcncn Glückwunsch. Ein gemüthlichcü Abcndbrod vereinigten die Mitglieder wieder, wobei eine ergiebige Sammlung zum Fonds einer bereits ins Leben getretener WohllhaligkeitSstistung stattfand. Anknüpfend. an das Tagesereignist, wurde darauf getoastet, den Hochgefeierten anch^bci der Erziehung unserer .uinder als Muster im Auge zn'bchaltcn, damit nufere Jugend bei eben so strenger Religiosität. die von aller Welt gehuldiglc^Richtung deS Vorbildes sich aneigne. Straßburg, Wcstpr., 28. Octobcr. Das Leben in der hiesigen Gemeinde ist stelS ein solch csn-und gleichförmiges, daß zn einem Bericht über dasselbe nur selten Veranlassung geboten wird. Auch meiner heutigen Mittheilung, dast auch hier der hundertste Geburtstag Sir Moses Montefiores feierlich begangen wurde, ciuhält gcivist nichts, wodurch unsere Gemeinde eine besondere Ausnahme von anderen Gemeinden in Israel gemacht haben dürste. Doch eine Ausnahme zeigte sich dieser Tage in der Synagoge. Es kann chch kein Mitglied der hiesigen Gemeinde erinnern, das; an ci,lcm Wochentage die Synagoge von Männern und Frauen, Jünglingen und Jungfrauen so stark srequentirt war, wie dies Sonntag den 26. c. der Fall gewesen. Aus gar manchem Munde hörte man den Wunsch äußern: Atöchten wir doch recht oft solche Feste zu feiern haben, es würde alsdann manches kalte Herz doch erwärmt werden und die Visiten, tvelchc den; Gottcshansc abgcstattct werden, würden sich doch öfters, als cs so gewöhnlich der Fall ist, wiederholen. Ja, es war wirklich eine erhebende Feier. Festlich war die in den Männernnd Frauenränincn dicht besetzte Synagoge erleuchtet und die Bedeutung des Tages machte ans attcnr Anwesenden Augen leuchten nnd strahlen. In entsprechend schöner, melodischer Weise trug unser Eantor Jospxl die Festpsalmen vor und hinreißend und ergreifend sprach unser Rabbiner Dr. Stiebet über die Bedeutung des TagcS. In einer höchst interessanten Parallele wies der Redner nach, wie Tugendgröste, die Eyaraclerstärkc und die Humanität eines Mofcheh rabbenn in den Erben Moses Montesiore's sich wiederspiegeln. Ganz besonders darin gleichender Jubelgreis unserem einstigen Lehrer Moscheh, hob der Redner hervor, dast auch Jener gleich Diesem niemals seiner bedrängten und gekränkten Bruder ’ sich schämte, niemals bei geknechteten und bedrückte» Brüder vergast, niemals sich sür zu hoch erachtete hinznziehen zu seine» Brüdern, um. ihren Druck und ihr Leiden kennen zu. lernen nnd ihre Erlösung aus^denselben herbrizusühren. . Am Schlüsse der einstündigen Rede wurde vor geöffneter Lade das Gebet für den Ehrengreis andachtsvoll gesprochen und mit Absingung des 150. Psalmes die Feier geschlossen. Da4 Andenken an diese Feier wird sicherlich eine nnvcrwischliche bleiben. Möge der gefeierte Menschenfreund Israel und der Menschheit noch lange in Glück und Wohlergehen erhalten bleiben. H. W. Neupest, 8. Eheschwan. Auch in unserer Gemeinde hat der Ansrnf dctz Herrn Dr. Adler in London Anklang gefnnden und wurde gestern Abends ein solenner Fest-