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Der Israelit · 1884-11-03 · Heft 87 (3.11.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 87 (3.11.1884)
Date
1884-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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In Fez (Marocco) starb im hohen Alter der Oberrabbiner Abu er. Derselbe stand in hohem Ansehen bei allen Theilen der' Bevölkerung. Nicht selten war es, daß Mohamedanerihre Streitigen zur Entscheidung vor ihn brachten, 'da ' sie zu ihm mehr Vertrauen/hatten, als zu.ihren eigenen geistlichen Führern. ,;j:; Tanger Den bisher Lingelangten Nachrichten entgegen wird die Entlassung und Bestrafung des Gouverneurs von Demnat dementkrt und sei für die daselbst wohnenden Israeliten das Schlimmste zu befürchten. Ans dem Leven eines orli-odoxen Hiaöviners. Skizze von vr. Sta . . . ' (Fortsetzung.) Der Erste, dem sie begegnete, war der Gerichtsvollzieher, der ihre Sachen im Aufträge ihrer Gläubiger mit Beschlag belegte. Sie zuckte geringschätzend mit den Schultern und eilte in das prunkvoll ausgestattete, aber mit Beschlag belegte Vudoir. Das Erste, worauf dort ihr Auge siel, war ein großmächtiges Aktenstück — das Scheidungsurtheil von ihrem-Gatten, dem Amtsrichter Stein. Wie von jähem Blitze getroffen, zuckte sie zusammen. Wovon jetzt leben? Ein selbstbewußtes Lächeln kräuselte sich um ihre Lippen. Besaß sie nicht Schönheit? Und hat diese Schönheit ihr nicht die Herrschaft über die Männerwelt gegeben? Mit graziösem Neigen des Nackens warf sie einen lächelnden Blick in den überm Kamin hängenden Spiegel und mit lautem Aufschrei fuhr sie zurück. Wie rasend lief sie zum zweiten, auch zum dritten Spiegel hin, aber vergebens — alle zeigten ihr die nackte Wahrheit. Erst jetzt, steten ihr die Worte Reichmanns ein, und sie verstand ihre Bedeutung. ......;c Verzweiflung bemächtigte sich ihrer/ Sie griff nach dem Dolche, der über ihrem Bett hing uitb wollte ihrem Leben ein Ende , machen. Da begegnete ihr Auge einem mit Silber beschlagenen Buche. Es war die Bibel in deutscher Ausgabe, ein.Geschenk, das ihr Neichmaun am Tage ihres Uebertritts zum Judenthume geschenkt, nnddas sie. aber bisher unberührt gelassen.' Jetzt zog es sie mit unwiderstehlicher Macht, den Inhalt des Buches zu prüfen, um dessentwillen sie ihre Schönheit, welche bei ihr mehr als ihr Leben galt, verloren. Sie ließ sich auf einen Stuhl nieder und blätterte in dem Buch. Da traten ihr die Worte des Königs Salomo entgegen: ' / . „Lügenhaft ist die Armuth, Thorheit die Schönheit, ein gottesfürchtiges Weib ist des Lobes werth!" Was war das? Eine solche Lehre hatte sie bisher noch niemals vernommen. Ihr galt bisher die Schönheit als der höchste Preis. Hatte man sie nicht von Jugend auf gelehrt, die größte Sorgfalt auf ihre körperlichen Vorzüge zu verwenden? . Der Dolch entsank ihrer Hand. ' Sie sing an in dem Buche zu lesen und je mehr sie las, desto mehr fesselte sie sein Inhalt/ Bald ward die Bibel ihre angenehmste Lectüre, ihre Trösterin in der Noth, ihre Nathgeberin lut Unglücke. Ihr Wissensdrang jagte sie unwider-. stehlich weiter, die Geheimnisse der Lehre zu erforschen. Sie begriff, daß die Bibel der Erklärung bedürfe, um sie dem ganzen Umfange nach zu verstehen. Eine lichtvolle, neue Welt eröffnete sich ihr und mit vollen Zügen genoß sie die Freuden, die ihr aus den reutcit Quellen entgegenströmten, nud so vergaß sie ihr Leid, ihr Elend. ' Bald nach ihrer Niederlage bei dem Banquker Neichmaun kam Doktor Stein, der Bruder, ihres geschiedenen Gatten. Sie wußte, daß er ein orthodoxer Rabbiner sei und war nicht wenig begierig, ihn kennen zu lernen; denn man hatte ihr sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen ein entsetzliches Bild von den Wächtern des ächten, unverfälschten Judenthuws entworfen und sie konnte sich eines leisen Grauens nicht erwehren. Wie überrascht war sie nun durch die Sanftmuth und die Milde, die die Richtschnur seines Characters waren. Er redete sie liebevoll an und bat sie so flehentlich, die ihr von Amtsrichter Stein ausgesetzte Summe auch ferner anzunehmen. Das that ihr so wohl, daß sie heiße Thränen vergoß. Bescheiden lehnte sie die Güte des Mannes, über den sie soviel Unheil gebracht, ab und bat den Doktor Stein, er möchte ihr doch manche ihr unverständlich gebliebenen Satzungen der jüdischen Religion erklären. Bereitwillig entsprach Doktor Stein ihrem Wunsche- und als er fortging, nahm er die lleberzeugung mit sich, daß

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