Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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SeUllge M Hr7 86 Ks Asraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, im Qct. Heute bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen von einer Thatsache zu berichten, die gewiß auch weitere Kreise interessiren dürste. Wie bereits in diesem gesch. Blatte mitgetheilt, hat die Vorstandschaft der hiesigen israel. Lehrerbildungs-Anstalt ein größeres Gebäude, da das stühere in seinen beschränkten Räumlichkeiten und seinem baulichen Zustande den Bedürfnissen nicht mehr entsprach, für die Anstalt käuflich erworben. Es war diese Aufgabe keine leichte; es mußte einestheils auf die finanziellen Verhältnisse der Anstalt, auf die Eindringlichkeit der nöthigen Geldmittel, anderntheils auf die vorhandenen Bedürfnisse nach größerer Räumlichkeit und besonders auf die Anforderungen, welche die Königs. Schulbehörde in pädagogischer und gesundheitlicher Beziehung für eine derartige Austalt stellt, Rücksicht genommen werden. Jahre vergingen bis man das Geeignete fand; bald war es die Lage, bald die Schwierigkeit des Umbaues, bald die Größe des Kaufpreises, welche sich dem Unternehmen entgegenstellten. Auch von einem Neubau mußte abgesehen werden, da es innerhalb der Stadt an Bauplätzen mangelt und öfters auch die behördliche Genehmigung hiezu zu bezweifeln war. Endlich bot sich in nächster Nähe eine günstige Gelegenheit und wurde rasch ergriffen und zur Ausführung gebracht; fast der Nabbinerwohnung gegenüber wurde ein solides, größeres, zur Einrichtung für eine solche Anstalt geeignetes Gebäude gefunden und für den Kaufpreis von 75000 M. erworben. Nachdem der Plan des Umbaues die Genehmigung der Baupolizei und der zustehenden Schulbehörde gefunden, wurde rasch ans Werk gegangen und am 20. d. hatten wir die Freude das Haus unter einer ebenso gelungenen als erhabenen Einweihungsfeier seiner hohen Bestimmung übergeben zu sehen. ‘ .. Das Programm zu dieser Feier lautete: 1) Choral («2?? ^i-i2); 2) Festgedicht, vorgetragen von einem Seminaristen; 3) Festrede des Vorstandes, Herrn Rabbiner Vamberger: 4) Gebet für Sr. Majestät den König; 5) Recitaüon des Psalm 30; 6) Rede des Herrn Dr. Dachauer; 7) Schluß-Choral (rpY?}n); 8) Besichtigung der Anstalt. Auf vorangegangene Einladung hatte sich eine zahlreiche Versammlung in dem festlich geschmückten Saale eingefunden: die Herren Vertreter der Kgl. Negierung, des Stadtmagistrats, der Schulbehörde, der Baubehörde, der Herr Bezirksarzt, die Herren Fachlehrer, der Cultns-Vorstand, eine große Anzahl Gemeinde-Mitglieder und Gönner und Verehrer der Anstalt. In feierlich würdiger Weise leitete der Chor, bestehend ans den Seminaristen und eingeübt und dirigirt von Herrn Cantor Lehmann, das Fest ein, trug auch der Seminarist das Festgedicht vor, und tiefbewegt ergriff nun Herr Rabbiner Bamberger das Wort zur Festrede. Mit dem Hinweis auf die Wichtigkeit des Lehrerberufes und einer solchen Bildungs-Anstalt begründete er die Bedeutung des Festes, dankte den erschienenen hohen , Gästen für die Theilnahme, dankte er Gott für das ' Gelingen des schönen Werkes, den Kgl. Behörden für das gütige.Wohlwollen, das sie demselben entgegenbrachten, dem verehrten Curatorinm für seine Mithilfe, den edlen Spendern für ihre opferwillige Beiträge und Allen, die dem Unternehmen hilfreiche Hand boten. Hierauf entwarf der Redner ein kurzes aber sehr lebhaftes Bild von der Entstehung, Entwickelung und den Erfolgen der Anstalt, wie sie aus einem allgemein und besonders auch behördlicherseits anerkanntsten Bedürfnisse hervorgegangen, wenn das Unternehmen durch das unbegrenzte Vertrauen, das man zu seinem Vater, dem unvergeßlichen, großen Manne hatte, allseitige Unterstützung fand, wie die Zahl der Schüler alljährlich, wuchs und sich das Bedürfniß nach größeren Räulnlichkeiten mehrte, daß die Anstalt nunmehr 150 Zöglinge zu tüchtigen Lehrern ausgebildet, die in Gemeinden und an höheren Anstalten segensreich wirken, und verglich endlich den dreimaligen Wohnungswechsel der Anstalt; vom gemietheten Lokale außerhalb der Stadt bis zu diesem stattlichen Gebäude, mit den drei Brunnen, welche Stammvater Jsaac gegraben und von denen der dritte rvoirn genannt wurde, denn er sprach: „Nun hat unS Raum verschafft der Ewige und wir werden ge-