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Der Israelit · 1884-10-30 · Heft 86 (30.10.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 86 (30.10.1884)
Date
1884-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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141? <Htei*u wäre ich sicherlich der schrecklichen Krankheit erlegen. Möge Gott es Ihnen lohnen, Fräulein Ottilie, möge Er Sie recht glücklich werden lassen!"" Ottiliens Augen entstürzten heiße Thränen. Sie eilte in ihr Zimmer, um sich so recht auszuweinen. Ach, es stand ja nur zu fest, das; er sie nicht liebte, daß sein Herz noch immer an der Treulosen hing, die diesen edlen Mann, diesen seltenen Charakter so tief hatte kränken können. Für sie selbst aber fühlte er nichts als Dankbarkeit, in ihr sah er nur die tteue Pflegerin. Und jetzt werde er bald genesen und das Haus ihrer Eltern verlassen. Wie wird sie das Leben erttagen können ohne ihn? So saß sie da, immerfort weinend. Nach einer Sttmde etwa kam die Mutter, welche sie überall gesucht hatte. „Um Gott, Ottilie," rief Frau Seeseld, als sie ihre Tochter weinen sah, „was ist Dir?" Ottilie sprang auf und hängte sich an den Hals der Mutter. „„Geliebte Mutter,"" sagte sie schluchzend, „„ich bin sehr,, sehr unglücklich."" „Was fehlt Dir, mein süßes Kind? Vertraue mir Deinen Kummer." „„Er liebt mich nichts" „Wer?" „„Ludwig."" „Und Du?" „„Ich liebe ihn unaussprechlich. Jetzt wird er bald unser Haus verlassen. Ich weiß nicht, wie ich ohne ihn werde leben können."" „Er hat sein Verhältniß zu Fräulein Frank gelöst." „„Aber er liebt sie noch immer."" „Ein Mann von Charakter, wie Ludwig Bär, kann nicht sofort von einem Gefühle zum andern überspringen. Er wäre Deiner Achtung und Liebe nicht werth, wenn er so leichten Sinnes wäre. Habe Geduld, mein Töchterchen. Du weißt, ich bin eine scharfe Beobachterin. Glaube mir, Du bist dem Herzen dieses edlen Mannes theurer als er selbst es weiß. Mau muß ihm Zeit lassen, Wochen, Monde, vielleicht ein Jahr. Das aber weiß ich mit Bestimmtheit: er wird kommen und um Dich werben." Das junge Mädchen schüttelte das Haupt. „„Was soll ich chm sein?"" fragte sie. „„Ich bin keine blendende Schönheit wie Dorothea Frank, nicht so geistvoll, nicht so gebildet wie sie. Wird Derjenige, welcher die. vollaufgeblühte, stolze Centifolie sein eigen nennen durfte, ein einfaches Feldblümchen beachten?"" „Du unterschätzest Dich, mein geliebtes Kind," sagte Frau Seeseld, mit glücklichem Lächeln ihre Tochter bettachtend. „Du hast ein reines, gutes, edles Herz, das mehr werth ist als die stolze Schönheit und der geistsprühende Witz jenes oberflächlichen Mädchens, und Ludwig Bär ist der Mann, der den Werth eines edlen Frauenherzens zu schätzen weiß. Wohl hat er sich durch die äußeren Vorzüge Dorotyea's hinreißen lassen, allein die furchtbaren Leiden, die er erduldet, haben seinen Blick geschärft. Ich bin fest überzeugt, daß die Zeit kommen wird, da er erkennt, welch ein reicher Schatz ihm in Deiner Liebe sich bietet. Bleibe nur unbefangen im Verkehre mit ihm, und wenn er jetzt fortgeht — er wird schon zurückkehren."- - „„Geliebte Mutter, Du hast mich gettöstet. Und solltest Du Dich geirrt haben, so werde ich lernen zu entsagen."" — Auch Ludwigs Schwestern kamen, um seine Verzeihung zu erbitten, die er ihnen großmüthig gewährte. Nach vierzehn Tagen war Ludwig vollkommen genesen, so daß er in sein Haus zurückkchren und sein Geschäft wieder eröffnen konnte. Alles ging wieder seinen gewöhnlichen Gang. Ferdinand und Dorothea heiratheten und lebten in der ersten Zeit ihrer Ehe sehr glücklich. Aber bald stellte es sich heraus, daß ihre Charaktere nicht zu einander paßten. Dorothea war launenhaft, gebieterisch, herrschsüchtig, und Ferdinand, der ihr in allen Dingen nachgab, wurde ihr Sclave, den sie förmlich tyrannisirte. Bald fand sie keinen Gefallen mehr an ihm, und sie gestand ihm offen, daß sie sich in ihm getäuscht habe; er sei kein Mann; er besitze keinen Charakter. Da raffte sich Ferdinand auf und suchte den Launen seiner Gattin Widerstand zu leisten. Dadurch wurde es aber noch schlimmer; täglich gab es Zank und Hader. „O," rief dann Dorothea weinend, „wäre ich nur Ludwig treu geblieben! Er liebt mich heute noch, sonst würde er nicht ledig bleiben!" Ein Jahr war seit der Rückkehr Ludwigs verflossen. Er hatte für seine Schwestern passende Partieen gefunden und diese waren ihren Männern nach auswärts gefolgt. Ludwig fühlte sich recht verlassen und einsam.. „Ach," sprach er, als er eines Tages allein beim Mittagsmahle saß, „wenn ich nur vergessen könnte! Sie ist die Frau eines Andern, und kein Wunsch nach ihrem Besitz steigt in mir ans. Und dennoch .... Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen; aber ich muß nur zn oft an sie denken.

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