Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 84 (23.10.1884)
- Date
- 1884-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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iS :; * / 1385 Arzt hoffte das Beste. Jede» Tag war Dorothea gekommen, um dem Kranken ihren. Entschluß mitzucheilen; aber der Arzt hatte ihr nicht gestattet, Las Krankenzimmer zu betteten. Endlich wurde ihr die Erlaichniß gegeben. Schüchtern trat sie ein. „Ludwig," sagte sie leise, „kannst Du mir verzeihend" Wchmüthig blickte der Angeredete sie an. „„Dorothea,"" sagte er, „„Du hast mir sehr wehe gethan."" „Jetzt aber," sagte Dorothea, „bin ich gekommen, um Alles wieder gut zu machen. Wirst Du mir verzeihen können, willst Du gestatten, daß ich mich wieder als Deine Braut betrachte d" „„Und Ferdinand?"" „Wir haben uns getrennt fiir immer." „„Aus»freien Stückend"" „Gewiß; wir haben gethan, was Recht und Pflicht zu thun gebieten." Ludwig lächelte schmerzlich. „„Recht und Pflicht,"" sprach er seufzend, „„aber nicht die Liebe. Du liebst Ferdinand mehr als mich. Du warst froh und glücklich, als ich fiir verschollen galt, mich vergeffen zu dürfen."" „Nicht doch, Ludwig; ich habe tief und aufrichtig getrauert, als die schlimmen Nachrichten kamen, die Deinen Tod als unzweifelhaft erscheinen ließen. Erst den dringenden Bitten meiner Eltern habe ich uachgegeben, che ich nach langer Weigerung Ferdinands Werbung annahm. Ich glaubte in Deinem Sirme zu Handeln, wenn ich Deinem besten Freunde meine Hand reiche. Hatte ich eine Ahnung gehabt, daß Du lebst und wicherkehrst, ich hätte Dir unverbrüchlich die Treue bewahrt." „„Jetzt aber liebst Du Ferdinand mehr als rnich."" „Ich werde Ferdinand vergeffen, JJinb aufs Ileue .Dich lieben lernen." „„Wo befindet sich Ferdinand jetzt?"" „Er ist als Theilhaber in das Geschäft meines Vaters eingettetcn. Gern möchte er in die weite Ferne ziehen; allein er ist meinem Vater unentbehrlich geworden, und dieser läßt ihn nicht fort. Ferdinand sicht ein, daß er ihn nicht verlassen darf und bleibt, wenn auch mit schwerem Herzen." Ludwig antwortete nicht; er schloß die Augen. Tiefe Wchmnth lagerte auf seinem Angesichte. „Fräulein Frank," sagte der einttetcnde Arzt leise, „ich muß Sie dringend bitten, den Kranken jetzt zu verlassen." „Nur ein freundliches Wort," flüsterte Dorothea dem AM zn, „möchte ich noch von ihm hören!" . . - - - - „„Ich darf es nicht dulden, daß Sie den Kranken noch einmal anreden. Sie sehen, wie erschöpft er ist. Sie müssen sich sofort und ohne Abschied entfernen."" _ Als Ludwig die Augen wieder aufschlüg, war Dorothea fortgegangen. Sein suchender Blick begegnete dann beut des Arztes, und dieser sprach: „Ich habe sie sortgeschickt. Sie dürfen sich noch nicht so sehr anstrengen. Bei fortschreitender Genesung werden Sie die Dame bald wieder empfangen dürfen." ' >: "• „„Lieber Doctor, ich möchte meinen Freund Ferdinand Kopp sprechen, aber bald."" „Nicht heute." „„Doch, sobald als möglich. Glauben Sie mir, Doctor, es wird meiner Genesung förderlich sein, wenn ich mit ihm bald ins Reine komme."" Der Doctor gab nach; ein Bote wurde ausgeschickt, Ferdinand herbeizurufen. „Mein theurer, geliebter Freund," sagte er, als er das Krankenzimmer bcttat, „ich habe mich schwer an Dir versündigt." „„Sprich nicht mehr davon,"" sagte Ludwig. „„Ich verzeihe Dir voll und ganz, wenn Du nur versprichst, meine Fragen aufrichtig und ohne Rückhalt zu beantworten. Du liebst Dorothea?"" ' „Mehr als mein Leben; ich habe sie schon geliebt, hoffnungslos, geliebt, ehe Du jene unglückliche Reise antratest. Jetzt habe ich überwunden. Dorothea wird Deine Frau werden, nnd Du wirst glücklich sein; ich aber werde mein ganzes Leben vertrauern." „„Dorothea liebt Dich,- mehr als sie mich jemals geliebt hat!"" . ... „Sie wird Dich aufs Nene lieben lernen nnd mich vergeffen." „„Uno. Du willst hier in M. bleiben?"" - „Herr Frank läßt mich nicht ziehen. Gern zöge ich weit fort bis an das andere Ende der Wett." „„Wieso kam es, daß Dorothea Dich so lieb gewann?"" „Ich that Alles, was sie wünschte, Herr nnd Frau Frank brachten mir ihr Wohlwollen im reichsten Maße entgegen und wurden mir gewichtige Fürsprecher bei ihrer Tochter." „„Du hast ihnen Deine religiösen Grundsätze geopfert!"" ' . ... , , ' ' , Ferdinand fdjipicö,.:K! „„Ferdinandnahm Ludwig wieder das Wort, „„ich habe Dorothea mit unaussprechlicher Liebe in mein Herz geschlossen; aber ich will keine