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Der Israelit · 1884-10-13 · Heft 81 (13.10.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 81 (13.10.1884)
Date
1884-10-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1337 urtheilung des Benehmens der Schwestern und deren Liebhaber, des Freundes und dessen Braut. Nur darüber entspann sich eine lebhafte Debatte, -wer von diesen sechs Personen am schlechtesten gehandelt habe. „Am meisten," sagte Herr Wicsenmeier, „sind die beiden schlechten Kerls zu vernrtheilen, die ohne Scheu, ohne Scham sofort erklärten, daß sie die beiden Mädchen nur ihres Geldes halber nehmen wollten." „Nein," sagte Herr Benzipger, „das Benehmen der Leiden Schwestern war noch abscheulicher. So soll man einen Bruder empfangen und ihm Vorwürfe machen, daß er nicht gestorben ist. Das überschreitet alle Grenzen." „Ich finde," nahm Herr Lennep das Wort, „das Benehmen dieses Ferdinand Kopp noch viel schändlicher. Das ist ein Verrath an der Freundschaft, wie er nicht schlimmer gedacht werden kann." „Doch, meine Herren," belehrte die Anderen Herr Domaier, „der Verrath an der Liebe, dessen sich das Fräulein Frank hat schuldig gemacht, ist das allerschlimmste." „Nehmen Sie sich in Acht, meine Herren," sagte Herr Fnchsheimer, der Gelehrte der Gesellschaft, „daß man aus Ihren Urtheilen nicht ans Ihre Charaktere schließe, wie dies einst bei einem ähnlichen Ereignisse der weise König Salomo gethan." „Ach, erzählen Sie, Herr Fnchsheimer, erzählen Sie!" erscholl es von allen Seiten. Und Herr Fnchsheimer erzählte: „Einst, so berichten die Weisen im Midrasch, hatten drei Freunde zusammen eine Geschäftsreise gemacht und gemeinschaftlich viel Geld erworben. Als sie heimkehrten, es war an einem Freitage, konnten sievor Sabbat die Stadt nicht erreichen. Da beschlossen sie, das Geld zu vergraben, um es beim Ansgange des Sabbats zu holen und zn theilcn. 'Sie thaten also und gingen dann gemeinsam in die Stadt. Aber Einer von ihnen, dessen Herz von Habsucht erfüllt war, ging noch in der Sabbatnacht hinaus aufs Feld, grub den Schab aus, und verbarg ihn an einem andern Orte. Dian kann sich den Schrecken vorstellen, da nach Ausgang des Sabbats das Geld nicht gefunden wurde. Einer beschuldigte den Andern; aber keiner wollte den Raub begangen haben. Sie gingen zu Salomo, von dem man wußte, daß seine Weisheit ohne gleichen war auf Erden und daß er die schwierigsten, verwickeltsten Dinge -richtig zu lösen verstand. - Kommt morgen wieder, sagte der weise König, nachdem sie ihr Anliegen vorgebracht. Und als sie am andern Tage erschienen, sprach Salomo .- Ich kann über den Fall nicht entscheiden. Da ich aber sehe, daß ihr kluge Männer seid, Kauflente, die weit in der Welt umhergekommen sind, so bitte ich um Euren Rath in einer Angelegenheit, die der König von Arßi meiner Beurtheilnng unterbreitet hat. Ein Knabe und ein Mädchen waren zusammen ausgewachsen, hatten sich lieb gewonnen und sich ewige Treue gelobt. Ta zog der Jüngling fort nach einer andern Stadt. Jahre vergingen, und das Mädchen machte die Bekanntschaft eines andern Jünglings, der ihr in Liebe zngethan war. Als dieser um sie warb, sagte sie: Gern möchte ich Dir angehören; allein ich bin durch einen Schwur der Treue an den Freund meiner Kindheit, Elzaphan, der jetzt in Uscha wohnt, gebunden. — Wohlan, sprach der Jüngling, ich will nach Uscha reisen, und Elzapha» ersuchen, Dich frei zn geben von Deinem Schwur. Ich bin reich, mtb auf ein reiches Lösegcld kommt es mir nicht an. — Mein Bruder und ich, sagte das Mädchen, wir wollen Dich begleiten. — Und sie nahmen Gold und Kostbarkeiten in Menge und reisten nach Uscha. Als sie zn Elzaphau kamen und ihm Alles erzählt hatten, sagte dieser: Ich habe meinen Schwur der Treue gehalten. Wenn Du aber diesen Jüngling mehr liebst als mich, so gebe ich Dich frei; ein Löscgeld verlange ich nicht. Vergnügt traten das Brautpaar und der Bruder der Braut die Heimreise an. Der Weg führte sie durch einen Wald, in welchem eine Ränbcrschaar sie überfiel, sie ausplünderte und gefangen nahm. Der Anführer der Räuber beanspruchte das schöne Mädchen als seinen Beutcantheil. Da warf sie sich ihm zu Füßen und sprach: O, mein Herr, höre doch, wie es uns ergangen, und daß wir, nur um keinen Treubruch zu begehen, diese Reise unternommen haben. Und sie erzählte ihm Alles und sprach: Siehe, wir sind noch jung und haben verstanden, unsere Leidenschaften zu beherrschen; Du aber bist ein alter Mann; Dir ziemt es um so mehr, Deine Begierde zn bezähmen. Versündige Dich nicht an mir! Laß uns frei; das Geld und die Kostbarkeiten magst Du behalten. — Und der Ränbcrhanptmann erbarmte sich des Mädchens, ließ sie und ihre Angehörigen in Frieden ziehen und befahl seinen Leuten, ihnen alles Geraubte zurückzugcbcn. — Und nun ist die Frage, wer von diesen Leuten am edelsten gehandelt habe: Ob die Jungfrau, welche ihren Schwur nicht brechen wollte, oder Elzaphan, der seine Liebe geopfert und keinen Ersatz dafür genommen, oder der Anführer der Räuber, der das Mädchen geschont und ihrem Bräutigam das geraubte : Gut zurückerstattet hat. Sagt um-, ich bitte Euch, Eure Meinung.

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