Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 79-80 (2.10.1884)
- Date
- 1884-10-02
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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1328 dighera, und deshalb haben nur cs angemessen ge-, fnndcn, ein Abbild dieses berühmten Dorfes und seiner Umgebung zum Hüttenfcste unfern geehrten Lesern vorznfnhrcn. Der Zlnlergang der sogenanlen radieake» Deform in Budapest. Budapest, 24. Sept. Nehmen Sie, ich bitte Sie, geehrter Herr Nedacteur, den nachfolgenden, w a h r h e i t s g c t re n e n Bericht in den belletristischen Theil Ihrer geschütten Zeitschrift auf; er ist so schön; schöner als die Phantasie. eines Dichters ihn zu erfinden vermöchte. War ein Rabbinerlein in Nenpcst, Namens Albert Stereni (Stern), den seine Gemeinde davongejagt har.' Derselbe war nach zwei Seiten hin berühmt; er war der Schwiegersohn des bekannten Fasiel ans Groß-Koniza und ist der Vater eines — antisemitischen Schriftstellers^ der in den Zeitungen die wüthcndsteu Tiradcn gegen seine Stammesgenosfen losläßt. Dieser zweifache Ruhm jedoch genügte dem Herrn Exrabbiner nicht; er selbst wollte ein großer Reformator des IudenkhumS werden. Am zweiten Tage des jüngstverfloffenenNeujahrsfestessollte die constitnirende Bersamnilnng der „reformirten Synagoge" stattsinden. Ungefähr achtzig Herren, meistens Universitätshörer, junge Aerzte nud Advoeaten und auch einige Damen kamen zum „Eongreß". Der Präsident, Tr. Abraham lüompolti, eröffnete die Sitzung mit einer Rede, in welcher er den Entschluß anssprach, den zerfetzten Älantel des alten Iudcnthnms abzulegen. Bon allen Seiten des Landes seien bereits Zustimmungen eingegangen, und die vaterländische Presse habe das neue Reformwerk mit Begeisterung begrüßt. Hierauf wurde das Programm verlesen. Die Hailptpnnkte desselben sind' folgende: Abschaffung der Sabbat- und Festtage, mit Ausnahme des Neujahrsfestes und dcs^ Bersöhunngstages; am ersten Tage des „ehemaligen" PcßachfesteS sollen jedoch der historischen Erinnerung wegen, Mazzoth gegessen werden. Abschaffung der Ehalizah. Einführung einer neuen Form der Eheschließung. Die Beschneidnng wird dem Belieben der Eltern auheimgestellt. Alle anderen „Eeremouien" seien abgeschafft. Der Talmud, der Schnlchan Aruch und alle rabbinischen Schriften seien fortan ohne jede religiöse Autorität. Alle diese Abschaffungen rc., so erklärte Herr Stereni, beruheten auf dem Gesetze Mosis, woran nicht gerüttelt werden dürfe!!! Unter den Versammelte» befand sich Herr Max Sabolcsi,- Redacrenr der Pefther Indischen Zeitung. Derselbe erbat sich das Wort und erhielt es. Einen Augenblick schaute er wie prüfend auf die Versammlung; sichtlich überkam ihm der Gedanke, daß man, wenn man ihn gehört habe, über ihn herfallen, ihn durchprügeln und an die Luft setzen würde; allein, er überlegte nicht lange und sprach mit anerkennenswerthem Muthe wie folgt: „IhrResormprogramm, meine Herren, greift die Hanptgrundlagen der jüdischen Religion an, die Hanptsünlen, ans welchen die Religion Mosis beruht, und dabei erklärte der sehr geehrte Herr Rabbiner, daß die Gesetze Mosis nicht angetaftet werden dürfen! Jeder Punkt Ihres Programms stoßt einen Grundsatz des Mosaischen Gesetzes um, und daß der Herr Rabbiner Ihnen einrcden zu können vermeint, daß seine neue Religion mit der Religion Mosis überciustimme, beweist am Besten, wie sehr Sie nicht berufen sind, in Sachen der jüdischen Religion eine Meinung zu äußern, geschweige denn die Religion zu reformiren. Ich bedaure, daß der sehr geehrte Herr Rabbiner nicht den Much hat, cinzugestehen, daß er sich um die Gesetze Mosis ebensowenig kümmert, wie um den Talmud; ich bedaure, daß der Name unsres großen Lehrers Moses dadurch geschändet wird, daß der Herr Rabbiner seine Religion die Religion Mosis nennt." Tiefe Stille herrschte im Saale. Herr Stereni war leichenblaß geworden. Sichtlich verwirrt begann er zu reden. Er wolle, sagte er, alles über sich ergehen lassen; er wolle zum Märtyrer werden, er wolle die Juden belehren, wie sie ihre Kinder erziehen sollen im Geiste der wahren Religion. Er citirte zahlreiche, angebliche Aussprüche des Talmud und des Maimonides, die beweisen sollten, daß Sabbat, Peßach, Milah, Get, Ehalizah und Üiddnschin gar nicht zur Nelkgion Mosis gehörten. Als er geendet, nahm Herr Sabolcsi sofort das Wort: ' „Der Herr Rabbiner," sagte er, „rechnet jetzt ebenso wie früher ans Ihre Unwissenheit in, der. jüdischen Theologie; er citirt Stellen, die nicht existiren; andere verdreht er nnd gibt ihnen einen falschen Sin». Aber, angenommen, daß das, was er sagt, wirklich im Talmud stände, was könnte es ihul nützen? Verwirft er doch den Talmud ganz nnd gar und will nur das Gesetz Mosis gelten lasten. Nim denn, meine Herren, ich will Ihnen sofort 25 Stellen aus der Bibel anführcn, welche der neuen Religion schnurstracks zuwiderlanfcn. — Fühlen Sie denn nicht, meine Herren, daß das, was Sie hier treiben, nichts als