Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 79-80 (2.10.1884)
- Date
- 1884-10-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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5 1 i:J $ 2 "$-"Vr ii .>,'. 7.5 u WA». r*pA»VUVIvU . .,---, Ü J t '.'. -. . i : V u;; Zeitnugsnachrlchten und Correspoudenzeu. - r ' ,!, : 'D e u't-f'ch l a tt d. Berlin, 24. Sept. In der überaus stark besuchten Versammlung des liberalen Potsdamerthor- Vezirksvereins, zu welcher der Zutritt ohne Kontrole Jedermann freistand, sprach am Dienstag Abend der Reichstagsabgeordnete Dr. Philipps über die bevorstehenden Wahlen. Er begann seinen Vortrag mit dein Ausdruck des Bedauerns darüber, das; er diesmal nicht so freudigen Herzens über die Wahlen sprechen könne, weil er nicht einem Gegner gegenüberstehe, der überzengüngstreu seine abweichende Meinung vertrete, sondern einem . Gegner, welcher als die Ausgeburt des Klassen- und Racenhasses zu betrachten sei, der seit einer Reihe von Jahren wie ein Pfahl in nnserm Fleische stecke. Er bedauerte ferner, das; die konservative Partei die Urheber der Jndenfrage benutze und daß sogar Herr v. Köller, den er als einen anständigen Mann kenne, sich habe bereit finden lassen, neben Stöcker als Kandidat des C. C. 0. (Konservativen Central - CömitL) anszutreteu; er könne nur sagen: es thut mir von Herzen weh, wenn ich Dich in der Gesellschaft seh' (Beifall), obcnein da Herr v. Köller auf einen verlornen Posten qestellt - > Mmmchr ging der Redner ans die Thätigkeit Stöckers näher'ein. Stöcker, sagte er, arbeitet dem Anarchismus und dem Nihilismus weit zweckentsprechender-vor) als alle die Arbeiter, welche aus ihren Familien herausgerissen und aus Berlin ausgewiesen worden sind. (Beifall.) Stöcker ist nicht blos ein Antisemit, fordern auch ein Christlichsocialcr, und als solcher paßt er noch weniger in die konservative Partei hinein. Die christlichsociale Partei hat ein Programm aufgestellt, von dem Stöcker der Vater, Wagner der Geburtshelfer, die Mutter aber unbekannt ist, öbivohl man auf eine socialdemokratische Mutterschaft schließen kann. Mit diesem Programm (dessen Hauptpunkte der Redner näher erörterte) konservative Politik treiben zu wollen, ist ein sehr dreistes Unterfangen, und diejenigen, die so handeln, befinden sich nicht in Uebereinstimmnng mit der Ueberzengnng ehrlicher Konservativen. Hier - y.xr~--—--—-- in Berlin mögen die Antisemiten getrost die konservativen Fahne in die Tasche stecken, sie täuschen damit Niemand mehr, hier lautet die Frage : Für oder gegen die Judenhetze? und da kommt es denn darauf an, sich klar zu machen, was eigentlich die Antisemiten wollen? Sehr Wenige sind so ehrlich, mit der Sprache heraus zu rucken. Stöcker hat einmal gesagt: Die Judenfrage ist keine Naceufrage, wer sich taufen läßt, ist unser Bruder. Wenn aber die Judenhetze nichts weiter als ein Fischzug nach dem Beispiel des Apostels Petrus sein soll, so sind die Maschen des Netzes sehr ungeschickt geknüpft, den bis jetzt haben sich weiter keine Fische gefangen^ als Nathan Schlesinger und Elias Cohn. (Große Heiterkeit.) Stöcker hat bald cingesehen, daß es mit der Religionsfrage nichts ist, und deshalb wechselt er frivol die Farbe wie ein Chamäleon, indem er die Judcnhetze bald eine religiöse, bald eine social-ethische, bald eine Racenfrage nennt. - Höchst befremdlich ist cs, daß Stöcker in gesetzgeberischer Beziehung so überaus bescheiden ist; er hat wohl gefunden, das; es leichter ist, die Leidenschaften wachzurnfen, als die Bewegung des Volksinstinkts auf das Niveau staatlicher Gesetzgebung zu heben. (Beifall.) Er hat weiter, nichts verlangt, als eine Berufsstatistik. — Glaubt etwa Herr Stöcker, fuhr der Redner fort, daß, wenn die bösen Leidenschaften und der unklare Haß wachgerufen sind, wenn das Hep! Hep! durch die Straßen schallt, die entfesselte Menge ans seine Berufsstatistik warten wird? (Beifall.) Jedes seiner Worte athmet einen Haß, vor dem selbst ein Most bewundernd stille steht. (Stürmischer Beifall.) Er hat die Naceufrage wach gerufen, von der er selbst einmal behauptete, daß sie nur mit dem Massenmorde der Juden enden werde. Man darf nur sehen, wie in unserer Stadt der Unfriede den Verkehr selbst bis in die Familie hinein vergiftet hat. (Beifall.) Stöcker spielt, wenn man von den Folgen der Hetzerei spricht, immer den Erstaunten, ebenso sein lieber Bruder Wagner, der ihm, Hach seiner eigenen r Erklärung, in der Jndenfrage schon über ist, aber .im Kreise.der Seinen rühmt er sich, das; Berlin der Ausgangspunkt der Bewegung sei, während er andererseits im Abgeordnetenhause die Folgen von sich abweist. Finge Stöcker einmal an, abznwickeln, er