Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 79-80 (2.10.1884)
- Date
- 1884-10-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1304 gig ist. — Eine Suckah, unter einer anderen errichtet, ist untauglich, und so weist die Suckah auf die Einheit Gottes hin. Nicht unter einem Baume oder unter einem Dache darf die Suckah erbaut werden; das Laubdach derselben muß vielmehr unter freiem Bimmel sich befinden, auf daß wir bezeugen, daß wir lins lediglich dem Schüße unseres Gottes anvertrauen. So ist also die Festhütte ein Symbol des dauernden Gottesschutzes und der Hingebung au Gott. Daher verlangt Gott, daß dereinst die ganze Menschheit das Hütteufest feiert von jenem Tage au, da auf dem ganzen Erdenruude die Einheit Gottes die vollste Anerkennung gefunden haben wird. Unsere Weisen nennen die Suckah eine rra» n*?p, ein leicht zu erfüllendes Gebot. Das Sichbergen unter den Fittigen der göttlichen Majestät ist gar leicht und bedarf weder der Vorbereitung noch der Anstrengung. . et: j'ncn?V2 rvoi mu» if>p ms» rvh np „Und warum nennt man sie ein leichtes Gebot? Weil dabei kein Geldmangel ist." Unsere Erfahrung scheint diesem Ausspruche des Talmuds zu widersprechen. Namentlich in großen Städten ist die Herstellung der Suckah mit nicht geringen Schwierigkeiten und meistens mit großen Kosten verknüpft. Daher wollen wir versuchen, jenen Ausspruch in anderer Weise zu deuten. — Ter Mangel an Geld ist eine gar weit verbreitete Krankheit. Nicht nur der Arme, der für jeden kommenden Tag sorgen muß, klagt über Mangel an Geld, sondern auch der Wohlhabende, nur zu oft auch der Reiche. Das Streben nach Besitz, die Sucht, sein Vermögen zu vermehren, liegt derart in der Natur des Menschen, daß es tuit der Größe des Besitzes wächst und stets an Ausdehnung zu-. nimmt. „Je mehr er hat, je mehr er will, „Nie sck)weigen seine Wünsche still." Wer aber leidet nicht an dieser allgemein verbreiteten Krankheit, wer wird sich niemals über Mangel an Geld beklagen? Nur Derjenige, der fest auf seinen Gott vertrant, der da spricht: 'i -idh« 8? 'zm. „Gott ist mein Hirt, mir wird es nie an etwas mangeln." Ein solcher Mensch wird immer zufrieden sein; mag ihm Gott viel oder wenig beschiedeu haben; er bangt nicht für die Zukunft, er weiß, daß sein Erlöser lebt, der treue Hirte, der für seine Heerde sorgt. Der Mensch aber, der sich nicht weiß unter Gottes Schutz, der hat immer o'r^ncn, beut mangelt bald dies, bald das, und je reicher er wird, desto mehr möchte er erwerben, destev mehr muß er entbehren. Nur der ist reich, der sich freut mit dein Loose, das Gott ihm beschiedeu. In der Suckah gibt es demnach für Denjenigen, der dieses Gebot recht erfüllt und richtig auffaßt, keinen Mangel. Der allmächtige Gott, der Herr des Weltalls, ist sein Beschützer und Ernährer, und dieses Bewußtsein ist der größte Reichthnm, den der Mensch erlangeg kann^ —, t 1 Zeitungsnachrichten und Corrcspondeuze». Deutschland. Roßdorf bei Darmstadt. Eine» Act der Toleranz kann ich Ihnen von unserem hiesigen Bürgermeister miltheilen. Die Einquartirung kam nämlich gerade zu 2^2 Qi' in unser Städtchen und ordnete deßhalb unser Herr Bürgermeister an, daß sämmtlicheu hiesigen Juden Einquartirung nicht znzntheilen sei. Frankfurt a. M., 24. Sept. In den dahier erscheinenden „Populär-Wissenschaftlichen Mouatsblättcrn" ergeht sich deren Redakteur, Dr. Adolf Brüll, Lehrer au der Realschule der israelitischen Gemeinde dahier, seit einiger Zeit mit wahrem Fanatismus gegen das orthodoxe Judenthum. Bei jeder Gelegenheit fährt er über die Orthodoxie und ' ihre Vertreter her, und jede noch so geheiligte nnd ehrwürdige, religiöse Vorschrift wird von chm ins Lächerliche gezogen. Er,spottet nicht nur über Diejenigen, die heute noch von i'2-Wein und ir?:- Käse sprechen, sondern auch über die, welche sich in unserer Zeit noch mit der Bereitung von Weizenmehl für ms» abgeben. Bald gießt er die Schale seines Zornes aus über Jemand, der heutzutage noch so wenig aufgeklärt ist, daß er an einen Rabbiner, die in den Allgen des Herrn Dr. Brüll so lächerliche Anfrage stellt, ob inan Eaviar essen dürfe, bald glaubt er, es als ein Curiosum von culturhistorischem Interesse ansehen zu dürfen, wenn in einem jüdischen Blatte eine Erfindung bekannt gemacht wird, dllrch welche man mit Leichtigkeit den Bart abnehlnen kann, ohne das bibliche Verbot des lyro zu übertreten, oder eine Einrichtung anempfohlen wird, durch welche es ermöglicht ist, die Speise am Sabbat warm zu halten, ohne denselben durch die Arbeit des Kochens zu entweihen. .. . Der Verdruß des Mannes läßt sich ja psychologisch erklären, denn daß gerade dieser Herr Brüll, der sich doch redlich Mühe gibt, durch Wort und Schrift den echt-jüdischen Geist auszutilge», es mir