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Der Israelit · 1884-09-25 · Heft 77-78 (25.9.1884) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 77-78 (25.9.1884)
Date
1884-09-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXV. .Jahrgang. Zmeile Beilage jtt Nr. 77 & 78 des Israelit. Inhalt der zweiten Beilage (Nachtrag): Zeitungsnachrichten und l-sorrespondcnzcn: Deutschland: Wnrzbnrg. Mannheim. 2mal Berlin. — Schweiz: Langenthal.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. 3>nal Budapest. — Italien: Turin. — Rußland: Kischenew. Samuschtsch. — Amerika. — Feuilleton: Die Kunst und Gewerbeschule zu Straßburg i. (5ls. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. Die Anmeldungen und Aufnahmsprüfungen für die Lateinschule und das Gymnasium finden hier alljährlich vom 25. bis 30. September statt. Jll diesem Jahre fällt der 27. September auf einen Sabbat und der 29. auf-iiv^ dv. Wegen dieses Umstandes ordnete das Stndieurektorat auf Antrag des israelitischen Religions- Lehrers am Gynlnasium für die Israeliten, welche die Aujnahmsprüfung mitmachen wollen, eine besondere schriftliche Prüfung an, damit dieselben an diesen beiden Tagen all der Ausübung ihrer religiösen Pflichten nicht gehindert seien. — Das Studienrektorat geht eben von dem richtigen und gerechten Princkp aus, daß das Gymnasium eine Staatsallstalt sei, an welcher alle Unterthanen ohne Unterschied der Konfession und ohne Beschränkung der Gewissensfreiheit parücipiren können. Bei dieser Gelegenheit muß ich eines Falles erwähnen, der sich vor ungefähr 3 Jahren an dem hiesigen Gymnasium ereignete: Die Abiturientenprüfung faitb damals an einem Samstag statt, und unter den Abiturienten befand sich ein Jsraelite, der zwar in früheren Jahren am Sabbat geschrieben hatte, aber dieses in der Oberklaffe des Gynnlasiums auf Veranlassung des Religionslehrers unterließ. — Es war für denselben nicht schwer, zu seiner früheren Gewohnheit zurückzukehren, und in der That fand sich derselbe auch schon zum Schreiben bereit, der Rektor hielt ihn davon zurück mit der Bemerkung: Sie haben während des ganzen Jahres am Samstag nicht geschrieben, also dürfen Sie auch heute nicht schreiben! — Zugleich telegraphirte der Herr Studienrektor an das Mnisteriuin nach München: Unter den Abiturienten befindet sich ein Jsraelite, der am Sanistag nicht schreiben darf, was soll geschehen? Die Antwort lautete: „Man solle für ihn besondere Aufgaben machen, die er am Montag 'auszuarbeiten hätte." Mannheim. Wie man den heiligen r.3irn »kt hier zu feiern pflegt, darüber giebt uns eine Notiz der „Neuen Badischen Laudeszektung" vom 20. September Auskunft. Dieselbe lautet: Der Syuagogen-Chor wird morgen früh neun Uhr in der Synagoge unter Leitung seines Dirigenten Herrn Musikdirektor Hänlcin den 61. Psalm für gemischten Chor, Sopran und Harfensolo mit Orgelbeglcitung von Overthür zur Aufführung bringen. Den Sopran-Solo hat Frau Matter, welche schon öfters durch ihren seelenvollen Gesang entzückte, in freundlichster Weise übernommen. Für das Harfensolo ist Herr Moser, Mitglied des Großherzvgl. Hoftheater-Orchcsters in Karlsruhe gewonnen. Commentar überflüssig. Berlin, 19. Sept. Es scheint doch, als ob ein Theil der Berliner Konservativen es unter seiner Würde hält, für die Kandidatur des Herrn Stöcker einzutreten. Wenigstens läßt das ein Vorgang schließen, der vorgestern in einer antisemitischen Versammlung stattfand, in. den Berichten der konservativen Blätter aber verschwiegen wird. In dieser Versammlung thcilte nämlich, nachdem der wieder auf der Bildfläche erschienene Dr. Henrici einen Vortrag gehalten hatte, der Verleger des „Deutschen Tageblatts", Herr Luckhardt, einer der Führer der konservativen Bewegung, Folgendes mit: Es sei ein einflußreicher konservativer Herr zu ihm gekommen und habe ihm erklärt, daß eine Anzahl Konservativerim 2. Wahlkreise sich nicht, entschließen könnten, für Stöcker zu stimmen, wohl aber über einige Tausend Stimmen verfugen würden," wenn statt des Herrn Stöcker Graf Moltke aufgestellt würde. Die antisemitische Versammlung beschloß natürlich, an der Kandidatur Stöcker festznhalten. Bezeichnend für die Werthschätzung, die sich der Herr

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