Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 75-76 (18.9.1884)
- Date
- 1884-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1248 strengungen gekostet, in den civilisirten Staaten das Princip der Gerechtigkeit und Billigkeit auch den Inden gegenüber zum Durchbruche zu bringen. Zuerst gelangte es vor etwas mehr als hundert Jahren in den vereinigten Staaten von Nordamerika zur Herrschaft. Frankreich folgte nach: doch kostete cs dort schon harte Kämpfe, wie wir das in einem der früheren Jahrgänge dieser Zeit,chrift ausführlich berichtet haben. Es währte viele Jahrzehnte, bis die übrigen Staaten Europas nachfolgten. Den höchsten Triumph feierte dieses heilige Princip auf dem europäischen Congresse, welcher im Jahre 1878 unter dem Vorsitze des Fürsten Bisinarck in Berlin abgehalten wurde. Damals wurde es ausgesprochen und anerkannt, das; alle civilisirten Staaten den Inden die sociale und politische Gleichberechtigung zugesteheu müßten. Bald folgte jedoch die Rcaction, und was damals als unbestrittener Grundsatz galt, sollte durch die sogenannte antisemitische Bewegung wieder in Frage gestellt werden. Freilich hat diese Bewegung die schon feststehenden, thatsüchlichen Verhältnisse nicht zu erschüttern vermocht; allein sie hat die Gemüther in Deutschland und Oesterreich in schmerzliche Aufregung versetzt; sie hat in Rnmänicn die Ausführung des vom Berliner Congresse ausgesprochenen Postulats verhindert, sie hat den Fortschritt im großen Czarenreiche in Rückschritt verwandelt; sie hat in Deutschland, Ungarn, und namentlich in Rußland zu bedauerlichen Ausschreitungen und Vergewaltigungen gegen unsere Glaubensgenossen geführt. Wir müssen auch darin das gütige Walten der göttlichen Vorsehung erkennen. In den civilisirten Ländern Europa's und Amerika'» hat sich seit Jahrzenteu ein Geist des Abfalls von Gott und seiner heiligen Lehre vieler unserer Brüder und Schwestern bemächtigt. Schon wurden unsere Glaubensgenossen in den östlichen Ländern Europa's von demselben Geiste der Sünde und des Unglaubens ergriffen. Die sogenannte Intelligenz in Ungarn, Rumänien, Galizien und Rußland meinte ihren geistigen Fortschritt durch den Genuß verbotener Speisen und durch die Entweihung des Sabbats documentiren zu sollen. Mehr als die Hälfte der Inden wohnt in den zuletzt genannten Ländern. Schon wurde auch dort die stndirende Jugend dem Jndenthum entfrcnidct. In jüngster Zeit ist es anders und besser geworden. Es ist uns heilige Pflicht, in Allem, was sich uns ereignet, das Walten der göttlichen Vorsehung zu erkennen. Im ersten Paragraphen des ersten Kapitels des ersten Theiles des Schulchan Aruch, unseres religiösen Gesetzbuches, ist es ausgesprochen, daß die Worte des königlichen Sängers #i w Ten 'T321?. „Ich stelle Gott mir stets vor Augen" einen großen Grundsatz der Gotteslehre in sich begreifen. 'n 'r--.Tcn 'IN? £ w iO '2 pir ns?2 '1122 72'1 '27 nctr . rw rmi? -p'on;nn .7irrr?7 "LD2 2irz?n „Ich stelle den Ewigen mir stets gegenüber; denn wenn Er zu meiner Rechten, werde ich niemals wanken. Deßhalb freut sich mein Herz, es jubelt meine Ehre; auch mein Körper wird kn Sicherheit wohnen. Tenn Du wirst nicht überlassen meine Seele der Gruft, wirst nicht gestatten, daß Deine Frommen Vernichtung schauen." (Psalm 16. V. 8, 9 u. 10.) Die Geschichte der Welt ist die Geschichte Israels. Die heilige Schrift beginnt ihre Erzählung nicht mit dein Tage, da Israel zum Volke geworden, sondern mit der Schöpfung des Weltalls. Schon zu jener Zeit, die um Jahrtausende der Existenz des jüdischen Volkes vorausging, wurde sein Jnsdaseintretcn vorbereitet. Adam, Seth, Noah, Sem, Eber, Abraham, Jizchak sind nur die vorbereitenden Stufen für Jakob, den Vater des israelitischen Volkes. Seitdem waren die Geschicke aller Culturvölker der Erde mit denen der israelitischen Nation aus das Engste verknüpft. Aegypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen, Römer, sowie die modernen Staaten unserer Zeit, konnten und können ihre Geschichte nur im Zusammenhänge mit Juden und Judenthum auffassen. Der Ausgangspunkt der Cultur der christlichen, wie der mohamedanischen Völker ist das Judenthum. Die Grundlage aller Civilisation sind die zehn durch Gott vom Sinai herab verkündeten Gebote. Und wir, die Gott so groß gemacht, denen der Allmächtige einen gewaltigen Einfluß auf die gesammte Menschheit gewährt hat, sollten bange», verzagen und verzweifeln? „Ich stelle mir Gott stets gegenüber, Er ist zu meiner Rechten, ich werde niemals wanken." Was bedeuten die kleinlichen Bestrebungen und Angriffe der Judenfeinde im Vergleiche mit dem Wirken und Walten der göttlichen Vorsehung? Was bedeuten die kleinlichen Bestrebungen derer, die den Abfall von Gott predigen und ins Werk setzen, gegenüber den weisen Plänen des atkmächttgen Gottes, der uns von Anbeginn au in seine Obhnt genommen und uns lenkt, leitet und führt bis ans Ende der Tage? '2? necr „Deßhalb freuet sich mein Herz." Was auch die Abtrünnigen ersinnen mögen, sie vermögen nicht den Frieden meines Herzens zu stören und die Freude an dem erhabenen Loose, das Gott uns zuerkannt, zu vernichte».