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Der Israelit · 1884-09-08 · Heft 72 (8.9.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 72 (8.9.1884)
Date
1884-09-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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199 wissen will. Die Worte des Monarchen und die hohe Gnade, mit welcher er jedes einzelne Mitglied der jüdischen Deputation ansprach, was bei keiner andern Deputation der Fall war, ist ein Verdanunungsnrtheil jener schmachvollen Bewegung, welche zwischen den christl. und isr. Bürgern unseres Landes Zwiespalt und Haß ausstreut. Der Kaiser hatte übrigens während seines hiesigen Aufenthalts die Wahrnehmung machen können, daß die Juden zu dem intelligentesten und wichtigsten Theile der Bevölkerung zählen. So war z. B. die Deputation der Handelskammer von ihrem Präsidenten Franz Grünwald, die Deputation der Advokatenkammer von Dr. Alexander Haas vorgeführt worden. In der Deputation der Stadtbehörde waren ebenfalls 6 Juden. Besonders aber konnte dies der Kaiser erkennen, als er die große Spiritusfabrik der Gebrüder Neumann mit seinem Besuche beehrte. Der Kaiser hatte daselbst über eine Stunde verweilt und dein Eigenthümer der Fabrik seine höchste Zufriedenheit über das Etabligement ausgedrückt. Oedenbnrg, 27. August. In der heute ftattgefundenen Schlußverhandlung wurde der Maurergeselle Johann Schöll, der am 18. Juni die Fenster des hiesigen israelitischen Tempels unter Fluchen auf die Juden eingeworfcn und einen Wachmann thätlich mißhandelt hatte, zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Rußland. Petersburg. Den hiesigen israelitischen Bäckern ist der Verkauf von andern Backwerken außer Brot aufs strengste verboten worden. Die Motive dieser seltsamen Maßregel sind nicht bekannt. Die christl. Bäcker haben unter sich eine Summe Geldes zusammengelegt,- uni damit mehrere Agenten zu besolden, die die jüdischen Concurrenten beim Verkaufe ihrer Backwaaren zu überwachen beauftragt sind. In Petersburg ist man. im Begriffe eitle große Synagoge zu erbauen; die Grundsteinlegung soll deut Vernehmen nach im nächsten Monat stattfinden. — Die Schriften des famosen Ljutostansky, des ruffischen Rohlings, sind im ganzen Kaiserreich Rußland verboten worden. — Die Austreibung von Juden aus Dorfgemeinden hat wieder größere Dimensionen angenominen. Im District Tolz allein sind über 800 jüdische Familien von ihrer Heimath verjagt worden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Der letzte Band der Memoiren der Akademie der Wissenschaften bringt einen Bericht des Orientalisten Dr. Harkavy über die von ihm anfgefundenen neuen Texte des alten Testaments in hebräischer Sprache, welche auf Pergamentrollen geschrieben sind und auf die Propheten und Homographen, nicht aber, wie cs anfänglich hieß, ans den Pentateuch Bezug haben. Im Ganzen fand Dr. Harkavy öl Handschriften, wovon 31 schon entziffert sind. Auf Grund seiner Untersuchungen ist er zur Ansicht gelangt, daß die Handschriften dem zwölften Jahrhundert angehören und von einer jüdischen Secte auf der Inseln Cypern stammen. Tie diese Secte von den übrigen Juden unterscheidende Eigenthülichkcit bestand darin, daß sie bcii Samstag nicht vom Freitag Abend rechneten, sondern vom Samstag Morgen bis zum Morgen des folgenden Tages. Reisende, wie Benjamin von Tudela, Abraham Jbn-Esra und andere thun dieser Secte Erwähnung. Obgleich die anfgefundenen Handschriften gerade wegen verschiedenllicher Abweichungen von dem bekannten Bibeltexte interessant sind, so ist doch die Behauptung, namentlich der englischen Presse, diese Varianten veränderten den Sinn vieler Bibelstellen, nicht begründet. Das Interesse der Varianten liegt ausschließlich auf philologischem und archäologischem Gebiete. . Wilna. 500 Eisenbahuarbciter, meistens Russen, hatten die Inden in Woronowo namentlich am Sonntag mehrmals überfallen, ohne daß diesen Ausschreitungen irgendwie Einhalt gethan wurde. Endlich entschloß sich die Stadtbehörde dazu, in der ganzen Stadt den Ausschank von Spirituosen am Sonntag Nachmittag zu verbieten. Dies erregte unter den Arbeitern einen solchen Sturm, daß sie die katholische Kirche erstürmten und die Geistlichen insultirten. Frankreich. Paris. Am 12. August wurde die von Frau Karl Heine gestiftete neue „freie Apotheke" in Gegenwart einer großen Gesellschaft hoher Persönlichkeiten eröffnet. Diese'Institution hat 2 bis 3 Millionen Francs gekostet und wurde außerdem von Frau Heine so dotirt, daß sie ein jährliches Einkommen von 100,000 Francs hat. Sie liegt im Stadtviertel Plaisance, in der Nähe des Blindenasyls, welches ebenfalls von dieser edelmüthige» Wohlthäterin errichtet worden ist. En gl and. London. Die Erwartung, daß die Herren Samuel Montagu und Dr. Asher, welche gegenwärtig die russischen Colonieu in Eunada bereisen,

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