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Der Israelit · 1884-09-08 · Heft 72 (8.9.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 72 (8.9.1884)
Date
1884-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1190 heit litt, zu heilen. Dadurch erlangte er die Gunst des Kaisers, welcher sich bewegen ließ, die Hadrianischen Edicte anfzuheben. Als Rabbon Schimeon den Gamliel diese Freudenbotschaft in die Heimath brachte, zogen Ruhe und Frieden in die Herzen des Ucbcrrestes Israels ein, und die Weisen des Volkes durften sich wiederum ungestört der heiligen Beschäftigung mit der Gotteslehre hingeben. L'iz-i rifor p pi üV?irn tyi nc«n *?y‘. pn ü-d D^yn . c:npt:,2 iebet oY?ty ecism net* „Nabbon Schimeon den Gamliel sagte: Auf drei Dingen besteht die Welt: auf dem Recht, auf der Wahrheit und auf dem Frieden, wie es heißt: Wahrheit, Recht und Frieden errichtet in Euren Thoren (Secharia C. 8. V. 16). Nabbenu Jakob baal Hatturim beginnt den Theil seines großen Werkes, der die jüdischen Rechtsvorschriften enthält, ccii'cn pn -nee, mit diesem Ausspruche des Rabbon Schimeon ben Gamliel und erörtert zugleich die Frage, wie sich derselbe zu dem Ausspruche Schimeons, des Gerechten, verhält, in dem es heißt: Auf drei Dingen besteht die Welt: auf der Gottcslchre, auf dem Gottesdienst und auf der Hebung von Wohlthateu. — Es kann natürlich nicht davon die Rede sein, daß Rabbon Schimeon den Gamliel anderer Ansicht ist, als Schimeon der Gerechte, und daher führt Nabbenu Jakob die Erklärung des Nabbenu Jonah au, der einen Unterschied macht zwischen loiy und Q"p. Die Grundsüulen der Welt, die Ursachen, um dereuwillen Gott die Welt erschaffen hat, sind die Gotteslehre, der Gottesdienst und das Heben von Wohlthateu. Von der Thora heißt cs: 1211 rpc**n '::p 'i, die Thora spricht gleichsam: Ich bin die erste in der Schöpfung und um meinetwillen sind alle Geschöpfe erschaffen worden. Ebenso ist der Gottesdienst im heiligen Tempel einer der Endzwecke der Schöpfung, und ähnlich die Liebe, welche die Menschen gegenseitig bewähren sollen. — Die drei Dinge, die Rabbon Schimeon ben Gamliel erwähnt, sind die Grundfesten des Bestandes der gesellschaftlichen Ordnung. Ohne das Recht würde der Stärkere den Schwächeren unterdrücken und berauben, ohne die Wahrheit würde das Vertrauen schwinden und jeder Verkehr der Menschen untereinander unmöglich werden, und ohne den Frieden würde der Krieg Aller gegen Alle die nlcuschliche Gesellschaft sehr bald vernichten. Es sind demnach die drei Dinge Schimeons, des Gerechten, die Ursachen der Weltenfchöpfung, während die drei Dinge des Rabbon Schimeon ben Gamliel die Ursachen des Bestandes der Welt. sind. . Mit Recht erhebt Rabbi Joseph Karo kn seinem Commentare *)Di' rra gegen diese Erklärung den Einwand, daß, wen» um der drei Dinge Schimeons des Gerechten, willen die Welt ist erschaffen worden, diese auch zur Erhaltung der Welt vollkommen genügen; was stark genug ist, das Nichtseiende in's Dasein zu rufen, ist auch stark genug, das Seiende zu erhalten. Er versucht daher einen anderen Ausgleich. Schimeon, der Gerechte, lebte zur Zeit, als der heilige Tempel noch stand. Als nun dieser zerstört wurde, war die Zlbodah, der Opferdienst im heiligen Tempel, unmöglich geworden, auch die Thora ist in ihrer Vollkommenheit durch jenes traurige Ereiguiß beeinttächtigt, da wir von den 613 Gottesgeboten jetzt nur noch 270 zu beobachten vermögen; durch das Aufhören des jüdischen Staates ist auch das Ueben von Wohlthateu nicht in dem Maaße ausführbar wie ehedem. Es muffen jetzt andere Säulen da sein, auf denen das Weltall ruhet, und diese sind die Gerechtigkeit, die Wahrheit und der Friede. Auch gegen diese Erklärung läßt sich Manches einwenden; denn auch die Gerechtigkeit, die Wahrheit und der Friede werden erst dann in ihrer Vollkommenheit der Welt zu Theil werden, wenn Gott die Zerstreuten Israels wiederum sammelt und Sein heiliges Haus aufs Neue erbauet. Es scheint uns daher die au die Grundidee Karo» sich anschließende Darlegung des Rabbi Samuel de Oseda zutreffender zu sein. Derselbe sagt, daß die drei Dinge des Rabbon Schimeon ben Gamliel einzig den Ersatz für den uns jetzt fehlenden Opferdienst im heiligen Tempel bieten. Das Heiligthnm ist zerstört, der Opferdienst unmöglich — wieso gcräth die Welt nicht ins Wankenda doch die eine Säule fehlt, die sie stützt? Die Opfer, welche die heilige Schrift vorschreibt, lassen sich in drei große Klaffen eintheilen: 1. nw rncirN'i Sund- und Schnldopfer, 2. rvcui ctu Gelübde und freiwillige Gaben, 3. o'ofe Friedensopfer. So Jemand ein Vergehen begangen hatte, mußte er ein Sünd- oder Schuldopfer darbringen, und seine Sünde wurde verliehen und feine Schuld vergeben; ein Ersatz dafür ist die Gerechtigkeit, welche die Vergehen bestraft und so den Schuldigen Sühne und Vergebung bringt. — Die Gelübde und freiwilligen Gaben beruhen ans dem Prinzipe der Wahrhaftigkeit. „Den Ausspruch Deiner Lippen sollst Du beobachten und so thun, wie Du gelobt hast dem Ewigen, Deinem Gotte." — „Besser ist, daß Du nicht gelobest, als daß Du gelobest und nicht erfüllest." — Die Friedensopfer sind ein Symbol des Friedens zwischen Israel und feinem

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