Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-09-04 · Heft 71 (4.9.1884) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 71 (4.9.1884)
Date
1884-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449474--20780-2510326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1188 Daselbst ist auch die Monatsschrift des Vereins zu beziehen: „DerThier-und Menschenfreund". Dieselbe orientirt am besten über alle mit der Vivisektion zusanunenhängende Fragen und kostet nur 2 Mark per Jahr. In einer Zeit wie die unsrige, in der man sich nicht entblödet den Juden das Schächten von Ochsen zum Vorwurf zu machen, erscheint es geboten, immer wieder darauf hknzuweisen, daß es die Religion des Judenthums war, welche zuerst das Wort gesprochen „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes", unter welcher Devise sich alle zum Schutz der Thiere veranstalteten Bestrebungen noch heute zusammenfinden. Doppelt und dreifach gebotene Pflicht erscheint es aber, daß diesen Verdächtigungen gegenüber die Bekenner des Judenthums den Sinn für Thierschutz, der in ihrem Herzen lebt, die Betätigung desselben, wie sie das Religionsgesetz vorschreibt, nicht nur durch die That, sondern auch durch Anschluß an Bestrebungen wie die bczcichneten, bekunden. Wie aus verschiedenen Anzeigen, sowie auch aus dem weiter unten folgenden Brief hervorgeht, ist» unter unseren nichtjüdischen Mitbürgern in der That vielfach die Meinung verbreitet, als stünden Israeliten der leidenden Thierwelt nicht mit der Theilnahme gegenüber, die heute in so rühmlicher und erfreulicher Weise gepflegt und gefördert wird. Eine solche Meinung konnte recht verhängnißvoll werden, wenn ihr nicht mit Entschiedenheit entgegengetreten und der Nachweis erbracht wird, daß die denkenden Israeliten wohl jenem sogenannten Thierschutz abhold sind, der unter thierfreundlicher Flagge judenfeindliche Zwecke verfolgt, aber nicht jenem wirklichen, wie ihn der internationale Verein ailstrebt, und sicher auch erreichen wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Strelno, (Prov. Posen), 20. August. Sonntag am 17. d. M. war in hiesiger Stadt eine seltene Freude wahrzunehmen. Der hiesige Rabbiner, Herr I. Stern und dessen Ehefrau Caroline, geb. Pulvermann, feierten nämlich ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar 75 und dessen Ehefrau 70 Jahre alt, erfreuen sich beide der besten Gesundheit. Herr Rabbiner Stern, welcher seit 42 Jahren als Seelsorger fnngirt und seine hiesigen Gemeindemitglieder seit 33 Jahren in Frieden uub Eintracht auf dem Boden der religiösen Vorschrift zu leiten bemüht ist, mehrere wohlthätige Anstalten wie «enp *ron D'b'in -np'2 «izm, sowie owiy CTsfta «i2n und o'iDn «i2n gegründet, hat sich in jeder Beziehung die Achtung und Verehrung seiner Gemeindemitglieder, wie auch die seiner chr. Mitbürger erworben. Sechs Kinder des Jubelpaares aus Berlin, sowie Enkel und andere Verwandten und Freunde aus der Ferne hatten sich zu der Feier eingefunden. Des Morgens brachte die jüdische Schule deni Jubelpaar ein Ständchen. Hierauf erschienen der Synagogen-Vorstand und die Repräsen- Lanten-Versanrmlung, solvie die Vorstände aller vom Jubilar gegründeten SScrcinc und überreichten eine Adresse, wobei der Synagogen-Vorsteher eine Ansprache hielt, auf welche der Jubilar in gerührter Stimmung eine Danksagung erwiderte. Nachmittags statteten der Magistrat und die Stadtverordneten, eine Vertretung der evangelischen Schule ihre Beglückwünschungen ab, und Abends fand in der Behausung des Jubelpaares ein Festessen statt, welches der Jubilar mit einen! ergreifenden Bortrage eroffnete. — Gott erhalte noch lange dieses Paar kräftig und munter und möge es unserm Rabbiner noch lange vergönnt sein, in unserer Gemeinde segensreich zu wirken. Israel Bach, Religionslehrer. Rußland. Petersburg, 24. August. Wie dem „Woschod" geschrieben wird, macht sich unter der jüdischen Bevölkerung von Schpola im Gouvernement Kiew in den letzten Jahren das Streben bemerkbar, bei Feldarbeiten Beschäftigung zn finden. In Folge der Nüchternheit, Arbeitsliebe und Ausdauer der Juden beginnt man sie bereit anderen Arbeitern vorzuziehen. Allein auf dem bei Schpola belegenen Landgute Skoterewo arbeiten in diesem Sommer einige dreißig Juden und verrichten säst alle Feldarbeiten zur vollsten Zufriedenheit desGutsverwalters gegen einen Tagelohn von 75 Kopeken. larocco. Obwohl sich die Lage der Juden kn Maroeco imGanzen gebessert hat, so sind sie doch noch hie und davon Seiten des Lokal-Gouverneurs einer willkürlichen Behandlung ausgesetzt, die in ihrer Amtstätigkeit unverantwortlich sind und zuweilen dem Sultan und seinen Ministern Trotz bieten. In dieser im* glücklichen Situation sind die Juden von Demnat,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.