Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-08-25 · Heft 68 (25.8.1884) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 68 (25.8.1884)
Date
1884-08-25
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449471--20730-2510273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 171 — «das ich mir als eine Stadt roll Trümmerhaufen vorgestellt? Ich sehe nur schöne Häuser und liebliche^Gärten. Wahrlich, Jerusalem fängt an, sich aus dem Staube zu erheben und Juden sind es, •die es wieder aufbauen!“ Es verhält sich wirklich so! Jerusalem fangt an, den Wittwensch leier ein wenig vom Gesichte zu entfernen. Die Stadt sieht ihre Kinder wieder allmählich zu sich zurückkehren und ihre 'Trümmer aufbauen, die Mutter freut sich, sie zeigt den neuankommenden Kindern ein freundliches Gesicht, wenn ihr Herz auch von Kummer schwer beladen ist. Seit dreissig Jahren haben die Juden ausserhalb der Mauern des alten Jerusalems einen ganz neuen Stadttheil aufgeführt. Bis vor dreissig Jahren wagte es kein Mensch, ausserhalb der ■Stadt zu wohnen, die Unsicherheit für Eigenthum und Leben war zu gross. Und so blieb die nächste Umgebung von Jerusalem traurig und Öde, bis im Jahre 5615 Sir Moses Montefiore und seine ■Gemahlin nach Jerusalem kamen. Sir Moses hatte über die von dem verstorbenen Juden Turo für die Armen Jerusalems hinterlassenen Gelder zu verfügen und er entschloss sich, ihnen bessere Wohnungen damit zu verschaffen. Er kaufte auf der Westseite Jerusalems, auf einem nach dem Thale Hinom hin liegenden Hügel ein Stück Land, liess es mit einer Mauer umgeben und zwei Häuser darauf erbauen. Als nach zwei Jahren Sir Moses wiederkam, weihte er die inzwischen vollendeten Häuser ein und ordnete an, dass eine Windmühle errichtet werde, da ihm einige Leute, gesagt hatten, dass eine solche von grossem Vorheile sein und den Preis des Mahlens auf die Hälfte herabbringen würde. Die Sache kostete viel Geld, da alle Gerät he von England gebracht werden mussten. Montefiore' bestimmte nun die beiden Häuser für den Betrieb der Windmühle, wies auch dem Aufseher über die Mühle und die Bearbeitung der dazu gehörigen Aecker eine Wohnung darin an und liess weitere Wohnhäuser errichten, und zwar waren deren schon 21 im Jahre 5620; man nannte diese Wohnungen („Ruhige Wohnungen“). Das waren die ersten ausserhalb der Stadtmauer gebauten Häuser. Montefiore, der überhaupt der Erste seines Zeitaltres war, der ein überaus warmes Interesse für das heilige Land .zeigte, gebührt auch das Verdienst, der Erste zum Wiederaufbau Jerusalems beigetragen zu haben. Anfangs wollte Niemand in diesen neu errichteten Häusern ausserhalb der Stadt wohnen; die Furcht vor Dieben und Räubern war zu gross. Man liess das Loos entscheiden, wer die Wohnungen zu beziehen habe; Montefiore tiberliess ihnen diese umsonst, ja er gab sogar noch Geld dazu, und heute noch schickt er jährlich eine bestimmte Summe darfür nach Jerusalem. Im Jahre 5626 kam -er abermals und liess weitere vierzig Häuser aufführen. Als die Leute in Jerusalem sahen, dass ihre Furcht unbegründet war und dass die „ruhigen Wohnungen“ wirklich ruhigwaren, ward in ihnen allmählich das Verlangen rege, sich ausserhalb der Mauern und der engen Stadttheile anzusiedeln. Fünf Männer, die Herren Bin sch Salant, Ir el Mosch eh, Lob Horwitz, Josua J oliv und Michael Kohen kauften ein Grundstück an der nach Jaffa führenden Strasse und zahlten für jede Quadratelle S5 Pfennige (jetzt hat eine Elle einen Werth von etwa 35 Groschen). Doch konnten sie aus Mangel an Geld keine Häuser bauen; sie gruben deshalb nur einen Brunnen daselbst, bis sich im Jahre 5629 noch zwei weitere Männer ihnen beigesellten: Josef Riwlin und Chajim Levi. Diese sieben fingen nun an Häuser zu bauen und nannten sie "NS2V Bald fanden sich auch noch Andere, die neben ihnen sich ankauften und bauten, so dass heute etwa 200 Häuser an diesem Platze stehen, in denen ungefähr 400 Familien wohnen. In der Stadt selbst war durch den fortwährenden Zuzug aschkenasisclier und sephardischer Juden die Wohnungsnoth sehr gross geworden und der Miethpreis hatte sich um’s Fünffach gesteigert. »Die nichtjüdischen Hausbesitzer hatten gute Zeiten und wollten nichts davon hören, ihre Hauser in der Stadt zu verkaufen. Oft mussten zwei oder drei jüdische Familien in ganz Ideinen Räumen zusammengepfercht wohnen, Krankheiten nahmen überhand und der Wunsch nach geräumigeren Wohnungen ausserhalb der Stadt ward immer grösser. Oft fanden Gemeindeversammlungen statt, zu berathen wie dem Uebel zu steuern sei, bis endlich Herr Jose t Riwlin auf einen glücklichen und heilbringenden Gedanken kam. . Er gab ihnen, den Rath,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.