Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1884)
- Date
- 1884-08-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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nur für den Fall einen Paß, daß sie sich verpflichten, nicht wieder über die Grenze zurückzukehren. Um nun wenigstens einen Theil der Noth zu heben, hat sich in Jassy ein Komite zu dem Zwecke gebildet, eine Anzahl jener in Noth gerathenen Menschen nach Amerika 511 schicken, und durch Vermittelung eines hiesigen Kaufmannes waren vor etwa 4 Wochen die ersten 150 dieser Auswanderer von hieraus expedirt worden. Nun existirt. aber bekanntlich in Amerika ein Gesetz, dem zufolge Blödsinnigen, unheilbar Kranken oder sonst Erwerbsunfähigen die Landung verweigert werden kann, und aufGrund dieses Gesetzes wurden von jenen Auswanderern nicht weniger als 50 znrückgewiesen. Dieselben sind soeben mit der „Wcstphalia" hier wieder eingetroffen und harren nun der Dinge, die da kommen sollen. Nach der Heimath zurück können sie nicht, auch wenn sie die Mittel dazu hätten, die sie thatsächlich nicht haben, eben infolge der erwähnten Klausel ihresPaffes, die ihnen die Rückkehr verwehrt. Was also soll mit ihnen werdend Die hiesige jüdische Gemeinde wird sich vielleicht ihrer annehmen und sie eine Strecke weiter befördern. Was aber dann wiederd Deutschland kann sie über die Grenze eines Nachbarlandes abschieben, wo der Armen natürlich wieder dasselbe Schicksal Harris so daß sie heimathlos, elend und gehetzt, nirgends Ruhe finden werden. Uns scheint, als wenn der Vorfall dringend zu einem diplomatischen Einschreiten veranlassen sollte, umsomehr, als auf Grund des Berliner Vertrages, welcher die Verhältnisse der Balkanstaaten bestimmte, den jüdischen Bewohnern die vollen Unterthanenrechte gewährt werden sollten, was natürlich nicht geschehen ist. Jedenfalls muß nach der einen oder der anderen Richtung hin etwas geschehen, um eincstheils jenen Verfolgten ihre Heimathsrechte zu sichern, andererseits aber die deutschen Staaten vor Ausgaben zu bewahren, die mit dem Hin-und Herschicken der beklagenswerthen Leute unabwendbar verbunden sind. Hamburg, 9. August. Die biegen ihrer Mittellosigkeit von Newyork zurückbeförderten rumänischen Auswanderer sind durch den „Verein zur Unterstützung von aus Rußland vertriebenen Juden" aus ihrer unangenehmen Lage befreit. Der außerordentlich rührige Verein, der vor einigen Tagen dem zehntausendsten russischen Ankömmling seine Unterstützung gewährte, hat vom Senat die Erlaubniß erwirkt, die rumänischen Juden von Bord holen zu lassen, und hat dieselben bis auf Weiteres in einzelnen Gasthäusern untergebracht. Aus Ostpreußen, im August. Im Anfang des Monats Juli wurden die jüdischen Einwohner des Kreises Wehlau durch folgenden Vorfall kn nicht geringe Aufregung versetzt. Im Dorfe Wattn! spielen zwei ca. 4 Jahr alte Kinder (Knaben) vordem , Zause der Ellern auf der Landstraße. Plötzlich kam einer der kleinen Knaben mit dem Geschrei zu den i Eltern zurück, daß ein durchfahrender Jude fein Brüderchen zu sich auf den Wagen genommen und davon gefahren sei. Sehr schnell verbreitete sich in dem Dorfe, wie in der ganzen Umgegend daS. Gerücht, raß Juden ein Christenkind geraubt, um es zu schlachten. Ein Einwohner des Dorfes setzte dem Kindesräuber nach, um ihm seine Beute zn entreißen. Bald war es ihm auch gelungen, den Wagen des Räubers einzuholen, als jedoch Letzterer bemerkte, daß er verfolgt werde und daß man chm auf den Fersen sei, hielt er den Wagen an, warf das Kind aus dem Wagen und stürmte im Galopp weiter. Der Verfolger, glücklich das Kind gerettet zu haben, gab sich tveiter keine Mühe, den Flüchtling einzuholen. Dieser batte sich inzwischen außer Sicht und in Sicherheit gebracht. Die Assaire ward jedoch der Polizei gemeldet und diese entfaltete eine rege Thätigkeit, um den Schuldigen zu ermitteln und dem Gerichte zur Bestrafung überweisen zu können. Es liefen vielfache Denunziattonen gegen die Juden ein, verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen. Judenfeinde hetzten währenddessen das Volk auf, es machte sich bereits eine Aufregung und Gährung bemerkbar und — wer weiß, welches Ende es genommen hätte, wenn es nicht den anerkennenswerthen Behmühungen eines Gensd'armen gelungen wäre, den wahren Schuldigen zu ermitteln. Derselbe war ein christlicher Brauer aus dem nächsten Dorfe. Er gestand seine Frevelthat auch bald unumwunden ein, und befragt, zu welchem Zwecke er das Kind geraubt, gab er zur Antwort, daß er sich nur einen Spaß habe machen wollen. Zu Bekannten jedoch soll er die Aeußerung gethan haben, daß er das Kind mit sich genommen, um die Juden zu verdächtigen, indem ihnen dies Verbrechen zur Last gelegt worden wäre. Die in Untersuchung befindlichen Juden wurden^ selbstverständlich sofort sreigelaffen, und der schuldige Brauer verbüßt nunmehr seine wohlverdiente Strafe. Frankreich. Paris, den 13. August. Das milttärifche Fachjonrnal „1/Armee ftan^aise“ schreibt in seiner Nummer vom 13. Juli anläßlich der in Algier stattgehabten Judenkrawalle: Vor 50 Jahren fanden im Elsaß Jndenkrawalle statt und man hielt damals die Juden fiir unfähig, die Waffen zn tragen. Um jene Zeit (1832) flüchtete eine stark mitgenom-