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Der Israelit · 1884-08-14 · Heft 65 (14.8.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 65 (14.8.1884)
Date
1884-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1079 Ketzer als Kunstwerk betrachten läßt, so wurde er allmählich durch meine Theilnahme immer wärmer. Ich vergaß Hunger und Müdigkeit und lebte so ganz unter den heldenhaften Märtyrern, daß es fast drei Uhr wurde, ehe ich wegkam, und draußen fühlte ich mich vor Hunger und Aufregung so taumelnd und matt, daß ich glaubte, ich käme nicht weiter, und Droschken gibt es hier nicht. O, wie armselig erschien ich mir da! Was haben diese Männer erduldet und wurden nicht müde! Was ist die antike Vaterlandsliebe gegen die Religionsliebe und Opfermuth? Und diese heischte ein Heldenthnm in der Stille und Verborgenheit, und da winkte dem Tapfern kein Siegeseinzug, kein Lorbeer, kein Ruhm unter seinen Landsgenossen oder gar Beute — still, glanzlos, nur der Sache hingegeben, nur dem Gotte in dxr Seele folgend." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pretzburg. Am 27. Juli fand an der Mädchenschule der hies. orthodoxen Gemeinde eine erhebende Feier statt: die Lehrerin Frau Minna Ehrenfeld, welche diesem ihrem'Berufe 45 Jahre lang in treuer Pflichterfüllung und mit seltener Hingebung angehörte und sich auch in Folge ihres liebreichen Umganges mit der ihr anverttauten Jugend und ihrer hervorragenden Leistungen die Liebe und Achtung in der Gemeinde zu erwerben wußte, ttat nun in den wohlverdienten Ruhestand. Aus biefem Anlasse brachten ihr ihre ehemaligen und gegenwärtigen Schülerinnen eine Ovatton dar. Nach Schluß der Prüfung wurde die Gefeierte in den schön decomien Prüfungssaal geführt, worauf die Schuljugend die Feier mtt Absingung des „Szozat" einleitete. Hierauf hielt die Lehrerin Amalie Ehrenfeld eine Ansprache an die Jubelgreisin, in welcher sie die Verdienste der Gefeierten, besonders bereit Freundlichkeit und liebevolles Entgegenkommen den College» nnd Kolleginnen gegenüber hervorhob, ebenso ihre Verdienste um das Prosperiren dieser Schule und in rührenden Worten von der scheidenden Lehren« Abschied nahm. Diese Ansprache war so ergreifend, daß alle Anwesenden zu Thränen gerührt waren. Hierauf sprach Jndusttielehrerin Frl. Sutter und überreichte der Scheidenden ein sinnreiches Andenken. Nun trat Frl. Mathilde Stern, geprüfte Lehrerin vor und dankte in herzlichen Worten in ihrem und im Namen aller Schülerinnen für die Bemühungen während dieser langen mühevollen Laufbahn. Im Namen der Schuljugend sprach eine Schülerin und überreichte ein Andenken. Die Dircctrice der hiesigen Staatspräparandie Josefa Uhrl überreichte ein Bouqnet und küßte die greise Kollegin, Frau Catharine Gstattner spendete ebenfalls ein Riesenbau- ' quet mit der Widmung: „In dankbarer Verehrung!" Auch ein „Mitglied der Schulcommission" sprach die Gefeierte an. Die Feier beschloß ein Lied. Cs folgte auch eine rührende, aufregende Scene: Jung und Alt drängte sich an die Greisin heran, um ihr die Hände zu küssen und sie zu beglückwünschen. Möge sie sich recht lange des wohlverdienten Ruhestandes erfreuen. R u m ä n i e n. Bukarest, 10. August. Das „Pays" com- - mentirt die Interpellation Worms im englischen Untcrhause über die den Juden Rumäniens in Folge des Hansirgesetzes geschaffene Lage und sagt, das fragliche Gesetz sei für Alle erlassen worden, ohne Unterschied, ob Nationale, Fremde oder Inden. Es sei nur in dem Falle wirklich prohibitiv, wenn durch das Hausiren ein Betrug verursacht werden könnte, statnire aber legitime Ausnahmen für Gegenstände des dringenden Bedürfnisses, welche von dem Ministerium im Einvernehmen mit den Gemeindennnd Bezirksräthen bezeichnet und nach wie vor ohne Autorisation znm Hausirhandel zngelassen werden. Das Gesetz unterwerfe weiters die Zwischenhändler einer Anzahl weiser Bestimmungen, um sträfliche Manöver zu verhüten, welche den Credit Rumäniens ruinirten. Das Gesetz sei demnach eine formelle Garantie für den europäischen Handel; alle Handeltreibenden, ausländische wie nationale, hätten dasselbe beifälligst anfgenommen. Nur etliche Israeliten protestirten dagegen. Das Blatt bemerkt weiters, daß im Gegensätze zu den Ausführungen Worms' die Inden in Rumänien nicht verfolgt werden; es liege in Niemandes Interesse, am allerwenigsten in jenem der Inden, die antisemitische Frage in Rumänien anfznwerfen, dasvollkommen ruhig geblieben sei, als in einem großen Thcile Europas eine rührige Agitation gegen sie stattfand. (Alle Nachrichten, die bisher aus Rumänien über das neue Hausirgesetz eingelangt sind, widersprechen den obigen Angaben des „Paysl" Red.)

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