Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-08-11 · Heft 64 (11.8.1884) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 64 (11.8.1884)
Date
1884-08-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449467--20646-2510185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1069 welche es zum Volke Gottes machte. Der Tag, au welchem die Juden Christen würden, wäre ein unseliger (nfefaste); und die Lücke, welche dieser Abfall machen würde, könnte nie ausgefüllt werden. Die Juden müssen für immer das bleiben, was sie sind, ihren Glauben beibehaltend, der mehr denn drei Jahrtausende für sich hat und den die Zeit nicht alterircn konnte. Es würde dem menschlichen Geiste ein unvergleichliches Muster fehlen; und dieses Verschwinden wäre heute um so trauriger, als die Gottesidee, wenigstens vorübergehend, in vielen Geistern, die sich für aufgeklärt und gelehrt halten, bis zum Verschwinden abgeschwächt ist. Das menschliche Gewissen bedarf für ewig der lebendigen Protestation Israels und der unerschütterlichen Stütze, die es dort gegen seine eigenen Schwächen und gegen die Zweifel, welche das Christenthum bedrohen, findet. Im Namen der Philosophie, theile ich Ihnen meine Meinung mit. Sie ist nicht neu in mir und ich habe sie inehr als einmal öffentlich ausgesprochen. Was die gegenwärtige Verfolgung betrifft, so müssen sie die Juden mit Muth ertragen, sowie sie bereits so viele andere, nicht minder grausame, erduldet haben. Diese schändlichen Barbareien werden vergehen, und es wird ein Tag kommen, an welchem die Jsraeliten überall das sein werden, was sie in Frankreich sind, Bürger wie die andern; — ein Tag, da sie mit ihren Mitbürgern leben werden, wie Katholiken und Prostetanten untereinander leben; unter allgemeinen Gesetzen, die sie trotz der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses gleichmäßig schützen." Frankreich. Paris, im August. Wie mir ans Algier telegraphisch mitgctheilt wird, fand die vorige Woche zwischen den Redakteuren der wegen der dortigen Judenhetze feindlich gegenüber stehenden 2 Hanptjournale ein Duell statt, bei welchem der Redakteur des „Radikal" (jndenfeindlich gesinnt) schwerverwundet wurde. E. M. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Verein „Esrath-Hanidochim" versendet soeben einen Bericht, der die Mitthcilungen enthält, welche in der jüngsten, am ersten Tamus stattgehabten Generalversammlung gemacht wurden. Seit der letzten, sieben Wochen vorher abgehaltencn Versammlung fanden sich 84 Bittsteller ein, von denen 66 unterstützt wurden, 45 mit Geldbeiträgen, 21 mit Darlehen. Verausgabt wurden 1780 Piaster fiir Unterstützung sephardischer Lehrlinge und 1423 Piaster für aschkenasische. Im Ganzen wurden bis jetzt 72 Handwerkerlehrlinge unterstützt, nämlich 19 Schuhmacher, 17 Tischler, 8 Schneider, T Tcppichnäher, 5 Schmiede, 3 Schriftsetzer, 3 Spengler, 3 Buchbinder, 2 Silberschmiede, 2 Uhrmacher, 1 Schächter, 1 Graveur, 1 Steinhauer. 28 Personen, die in Missions-Instituten untergebracht waren, wurden im Laufe der jüngsten sieben Wochen denselben entzogen und dafür 1577 * 1 2 3 4 5 * 7/4 Piaster bezahlt. Ferner wurden 45 Dürftigen verschiedener Art Unterstützung im Betrage von 573'/. Piaster gewährt. Die Summe der in der jüngsten Periode für Darlehen ausgegcbcuen Gelder beträgt 4150'/, Piaster. 1311 Piaster für verschiedene andere Auslagen dazu gerechnet, ergibt sich eine Ausgabe im Betrage von 10815 '/* Piaster, incl. der' bereits früher verausgabten 36723'/z Piaster, im Ganzen, seit dem Bestehen des Vereins, eine Ausgabensumme von 45539 Piaster. Der Verein besteht gegenwärtig aus 338 Mitgliedern, wozu noch 13 immerwährende Mitglieder und 4 Vereinsgründcr zu rechnen sind. Die wöchentlichen Beiträge ergeben die Summe von 264 Piaster. Zusammen# wurden an Mitgliedcrbeiträgen und Spenden bis heute 4861 la/8 Piaster eingenommen. In der Generalversammlung wurde auch beschlossen, daß ein Lehrer engagirt werden soll, der eine Stunde oder zwei Stunden täglich die von dem Verein unterstützten Lehrlinge im Schreiben Und Rechnen unterrichten soll. Ein Herr, der bisher die aschkenasischen Lehrlinge zu überwachen hatte, wird beauftragt, in Zukunft auch die scphardischcn Lehrlinge zu' beaufsichtigen, und erhält dafür eine weitere Vergütung. — Da das bisherige Lokal bei der Ausdehnung ’ die der Verein genommen hat, nicht mehr ausreichend ist, wird ein größeres Vcrcinslokal gemicthet, wo auch der Unterricht an die Lehrlinge crthcilt werden kann und wo sich gleichzeitig eine Synagoge befindet und die jungen Leute am Sabbat und an den Festtagen sich versammeln können, um religiöse Vortrüge, die für sic gehalten werden, auzuhören. Auflösung des Silbcu-Räthsels in Nr. 62: 1) Scharlach 2) AbranteS 3) Bau 4) Bcdford 5) Arad (5) Tuademi 7) Habaklik Sabbath — Kiddusch. Auflösung des Räthscls in der „Belletristischen Beilage" zu Nr. 62: Erlöser und nta Verbannung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.