Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1884)
- Date
- 1884-08-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1041 schäftigung oblag. Dabei erzählte er ihr von den Sitten seines Landes, machte sie mit den Sprüchen und Volksliedern bekannt und unterhielt sie mit Erzählungen aus der Geschichte seines Volkes. Diese Stunden wurden ihr sehre angenehm und immer unentbehrlicher, je trauriger ihr sonstige Stellung im Hause wurde. Sie hörte nach und nach auf, stille Zuhörer!» zu sein und crzählte viel von ihrer Hcimath. Ja sic konnte in seiner Gegenwart auch manchmal Spuren ihrer früher» jugendlichen Heiterkeit vcrrathen. Er war auch heute zur Laube, sie abholen gekommen. , Träge floß die Zeit. Diuah begann sich Mutter zu fühlen und da sie zum erstenmal die Ueberzeugung hatte, da brach sie in heftiges Weinen aus. Sie hatte ihre Jugend einem Manne opfern müsien, der sie nicht liebte; er hatte sie nicht allein ihrer Heimath, ihrer holden Freiheit beraubt, er hatte die hoffende, blühende Jungfrau zur kunimervollen, unglücklichen Mutter gemacht. Sie liebte schon jetzt ihr ungeborcnes Kind, weil es ja das einzige war, was sie lieben durste. Sic gebar einen tobten Knaben. Als man ihr die Nachricht brachte, sagte sie leise, mit schwcrmüthigem Lächeln: „Armes Kind, cs lag ja unter meinem Herzen, dem kein Glück nahen soll!" AlsObed, Nachts von der Jagd hcimkehrend, das tobte Kind in den Armen seiner weinenden Mutter erblickte, fühlte er sich doch schmerzlich bewegt, aber ein anderes Ereigniß ließ ihn dieses vergessen. (Schuß folgt.) Mrruvus 'Tyr Mann, den die Ueberschrift nennt, dessen Bild (v auf der Titelseite dieser Beilage zu finden, ist geb. am 19. Februar 1825 in Komorn, studirte zuerst in seiner Vaterstadt, dann in Preßburg, Papa (zugleich mit Petös) und Kecskemet, erlangte 1846 das Advokatendiplom, beschäftigte sich jedoch ausschließlich mit Literatur und veröffentlichte noch in demselben Jahre seinen ersten Roman „Werktage," welcher bereits das bedeutende Talent des Dichters verrieth, 1847 übernahm er die Redaktton der Wochenschrift „Eletkepek" (Lebensbilder) und war seil 15. März 1848 einer der literarischen Stimmfiihrer der Freiheitsbewegung. Anfang 1849 floh er mit der ungar. Negierung nach Debrezin und redigirte daselbst die „Esti Zapok" (Abendblätter), in welchen er eine gemäßigte Politik befolgend, nebst der 1848er Verfassung die Erhaltung der Dynastie als Zweck des Freiheitskampfs bezeichnete. Seit 1849 mit der damaligen ersten tragischen Schauspielerin Ungarns, Rosa Labortalv,' vcrhcirathet, lebte er theils in Budapest, thcils in seinen Villen im Ofener Gebirg und in Fnred am Plattensee, unausgesetzt eine ftanncnswerthe Thätigkeit entfaltend. I. begründete seinen Ruhm hauptsächlich mit seinen Romanen, von welchen viele übersetzt wurden. Die hauptsächlichsten sind: „Die weiße Rose," „Die Türkenwclt in Ungarn," „Ein ungar. Nabob," „Ter Mann mit dem steinernen Herzen," „Schwarze Diamanten," „Wie man grau wird" rc. In jüngster Zeit zeichnete sich Jokay durch seine warme Fürsprache für unsere Glaubensgenossen in Ungarn aus, weshalb wir seinem Bilde einen Raum in diesen Blättern gönnten. ■•neue Wucher. (Eingegangen bis zum 28. Juli.) Das französische und reich ständische Staatskirchenrecht (christliche Kirchen und Israeliten) systematisch bearbeitet und verglichen mit den neuesten Gesetzen und der Rechtsprechung der deutschen Staaten von F. Geiget, kais. Regierungsrath a. D. zu Eolmar. Straßburg. Verlag von Karl I. Trübner. 1884. Moralische Betrachtungen über jeden der 54 Wochenabschnitte des Pentateuch nebst einem Anhang verschiedener Erklärungen und Midraschim. Durchweg in kunstlosem Reim bei völliger Blindheit in die Feder dictirt und zur Beherzigung für seine jüdischen Glanbensgenossen in seinem fünfundsiebenzigsten Lebensjahre herausgegeben von Gotlöb Brausch. Breslau 1884. Druck von S. Schottlaender. Statuten der Hilfskaffe für israelitische Eantoren und Eultusbeamte und deren Wittwen und Waisen in Deutschland. Berlin 1884. Druck von H. S. Hermann, Beuthstraße 8. Beiträge zur Studenten-, Frauen- und In den frage. Plaudereien von Franz Bänken. St. Petersburg. W. Ericksohn n. Eo. 1884. Aus dem jüdischen Leben. Novellen von B. Hause. Erster Band. Preis 4 Mark. Eisenach. Im Selbstverläge des Verfassers. Auch in Conunission in der I. Kauffmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. 1884. MemoriernndGesangbnch für israelitische Schulen. Zusannnengestellt und herausgegeben von B. Straßburger, Lehrer. Zweite ver-