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Der Israelit · 1884-08-04 · Heft 62 (4.8.1884) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 62 (4.8.1884)
Date
1884-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 63 XXV. Jahrgang. Herausgcgeben von 3*,'. Lehmann in Mainz. M o n t a g, d e n 4. Kl u g u st 5644 (1884). Tiefe Zeitung erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Marl, sür's Ausland I« Reichs Mark. Man abonnirt gan;.. jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle 'Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petit;cUe oder deren Raum. — Oesterreichischc Banknoten laut Emirs. — Directe .vranco;usendimg unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Marl oder 8 fl. österr., fürs Ausland ist Reichs Mark an die Expedition ~ franco Einfendcn. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Spruche der Bätcr. — Zeitungsnachrichten und tsorrespondciiieu. Deutschland: 3mal Berlin. Aus Westphaten. Hamburg. ESAin. — Oestcrr.-Nngar. Monarchie: Ans Siebenbürgen. - Frankreich: Paris. — England: London. — Feuilleton: Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorresponden;en: Deutschland: 2mal 'Berlin. Posen. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Vien. — Italien: Rom. — England: London. — Rustland. — Amerika: Rew-Aork. — Silben sltäthsel. — Inhalt der belletristischen Beilage: Aus Judäa. — Maurus Iokay (mit Illustration). — Reue Bücher. — Räthsel. Leitender M r t i k e l. Die Sprüche der Däter. XXVI. Mainz, den 1. August. Der dritte Ausspruch Hillels, der uns hier mitgetheilt wird, zeichnet sich ebensowohl durch seine Kürz: wie durch die Fülle seines Inhalts aus. Derselbe lautet: D b 'ti «in w:j? dhi 5« he 'wyb „Wenn nicht ich für mich, wer für mich? und wenn ich für mich selbst, was bin ich? liub wenn nicht jetzt, wann denn?" . Der große Weise hat in diesem kurzen Satze die wichtigen Grundsätze über das Verhalten des Menschen als Einzelwesen, über das Verhältnis; des Menschen zu seinen Mitmenschen, sowie über die beständige Ausnutzung der kurzen Spanne Zeit, die auf Erden zu leben uns vergönnt ist, gegeben. Der Mensch, jeder einzelne Mensch, ist gleichsam eine Welt im Kleinen, eine Welt für sich. Ihm ist der Trieb der Selbsterhaltung eingepflanzt. Schon in dem kleinen Kinde zeigt sich das Bestreben, die eigene Individualität hervorzukehren und das Leben den eigenen Trieben und Neigungen gemäß zu gestalten. Die Aufgabe der Erziehung istes, diese Trievc und Neigungen zu beschränken, wenn sie auf Schlimmes und Verkehrtes gerichtet sind, sie aber zu entwickeln und zu fördern, wenn sie sich bcm Guten nnd Rechten zuweuden. So groß nun auch der Einfluß ist, den Erziehung, Unterricht, Umgang und andere Verhältnisse auf den Menschen üben, so bleibt das eigentlich Bestimmende für den Menschen nichts Anders als der Mensch selbst. Das köstlichste Gut, welches die gütige Vorsehung jedem Menschen gleichsam in die Wiege gelegt hat, ist die Freiheit, die freie Selbstbestimmung, die Freiheit des Willens. Ihr gegenüber treten allen andern Brächte und Einflüsse zurück; daher die oft überraschende Erscheinung, daß die beste und sorgfältigste Erziehung keine günstigen Resultate liefert, daß manchmal die Kinder der besten und edelsten Eltern in erschreckender Weise ansarten; daß hingegen trotz schlechter Erziehung und arger Vernachlässigung die Kinder schlechter Eltern sich zu tüchtigen und edlen Menschen emporarbeiten, ja, daß manchmal aus einem und demselben Elternhause Kinder hervorgehen, die später

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