Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-07-28 · Heft 60 (28.7.1884) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 60 (28.7.1884)
Date
1884-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449463--20552-2510087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1001 Judenschaft unter der thätigen und einsichtsvollen Leitung ihres Oberrabiners Moses*) Eiger ergriffenen Maßregeln zur Vorbeugung, sowie zur Heilung der Krankheit gestellt hat und beauftrage Sie, dem genannten Oberrabbiner mein Wohlgefallen und meine Zuftiedenheit mit dem von ihm und der Judenschaft in der Stadt Posen beobachteten nachahmungsvollen Verfahren auszudrücken. Berlin, 5. September 1831. (Gez. Friedrich Wilhelm). In einem Schreiben von ‘i'pv an R. Moses Hochheimer in Anspach, Onkel meiner Mutter s. A. erwähnt derselbe noch, daß man Morgens nicht nüchtern bleibe und warmes Waffer zuerst ttinke. Betreff der erwähnten Senfkörner, die man schlucken soll, schreibt er, daß in dem alten -»so die Anzahl der Senfkörner nicht angegeben sei, auch stehe nichts-davon, daß man das "Stückchen Brod mit Knoblauch einreiben, sondern nur rösten und 9 Tage in der Tasche tragen solle, jedoch müsse man cs täglich aufs neue rösten. Ich möchte schließlich noch daraus aufmerksam machen, daß man mit dem Genüsse der Senfkörner vorsichtig sein muß, da leicht durch zu reichlichen Genuß die Eingeweide -zu sehr gereizt werden könnten; daher der Rath der Aerzte zuvor eingeholt werden muß. Dr. H. Sänger. Berlin. Das „Berl. Tagbl." schreibt: Der Deutsche Antisemiten-Bund versendet folgendes Circular: „Durch Führerbeschluß vom 14. d. M. ist der Schuhmachermeister F. Masche, Friedrichsbergerstraße Nr. 7 wohnhaft (Sektion 23), wegen wiederholter böswilliger Uebertretung des § 12 unseres Statuts aus dem Bunde öffentlich ausgeschlossen worden. Berlin, den 15. Juli 1884. Der Vorstand des D. A. B" Der Paragraph 12 lautet: „.Die Ausscheidung erfolgt.öffentlich, wenn ein Mitglied sich vertrauensbrüchig erwiesen, oder durch niedere Jnttiguen, böswillige Verleumdungen oder Ungehorsam gegen die Beschlüffe der Plenarversammlungen das Jntereffe des Bundes geschädigt hat...." Wenn wir nicht irren, so erzählt der B. B. C. geheimnißvoll. gab den ersten Anstoß zu dem Zerwürfniß, daß Herr Masche seine Aufnahme in den Antisemiten-Bund nur bewirkte, um innerhalb desselben langsam Propaganda für die Sozialdeinokratte zu machen. Denn er ist ein eifriger Sozialist, .war *) Anm. de» Corresp.: muß wohl Aübah Eiger heißen. (R. A. E. schrieb sich Jakob MoseS Eiger; eZ ist daher nur der erste Name .Jakob" weggelaflen. Red.) schon aus Berlin ausgewiesen, darf jetzt aber wieder hier wohnen und hat, wenn wir's recht verstehen, auch Fühlung mit der politischen Polizei. Während der letzten Stadtverordneten-Wahlen erhielt er und zwei andere, ebenfalls in den Antisemitenbund aufgenommene Sozialdemokraten — ein gewisser, gestern I begrabener, Gerstenberg nnd ein Mann Namens Strohmeyer — so lautet ja wohl der Name — 26 Tage lang je 10 Mark täglich, um in persönlicher Agitation für den Bürgcrkandidaten Wüllenweber gegen den Fortschrittler zu agitiren. Diese 780 Mark — es wurden am Abend immer die zehn Mark ausbezahlt — verwandten die drei „antisemitischen" Agitatoren nun dazu, sich recht gute Tage zu verschaffen und im Uebrigen im Geheimen gegen Wüllenweber und für den Sozialisten Herold zu agitiren. Dreiundzwanzig Tage lang thaten sie es heimlich. Dann kam die Geschichte dem Herrn Pickenbach zu Ohren, und da Masche fürchtete, daß die Bombe noch vor der Wahl explodiren könne, so verstand er es sehr geschickt, für sich und seine beiden Freunde die neunzig Mark für die drei Agitationstage sich vorher bezahlen zu lassen. Indessen hat man ihm diesen kleinen Scherz wohl verziehen, und man dürfte dazu gute Gründe dazu gehabt haben. Denn Herr Masche soll ein Mann mit sehr scharfem Auge sein, der viel, sehr viel zu sehen und zu beobachten versteht und in der Benutzung der zu seiner Kenntniß gekommenen Dinge durchaus nicht scrupulös zu sein scheint. Liebe ist es also jedenfalls nicht, die ihn fast ein ganzes Jahr nach jener famosen Agitationsgeschichte immer noch zu den leitenden Männern der Antisemiten zu gehören erlaubte. Wir.sprachen von dem scharfen Auge des Herrn Masche. Er besitzt nämlich nur ein Auge. Das andere ist ihm unter sehr seltsamen Umständen verloren gegangen. Die Geschichte von der vorzeitig explodirten Patrone, die ihn um sein Auge brachte — es war vor etwa zwei Jahren und in der Friedrichstraße — würde dem ganzen antisemitischen Schwindel schon damals ein Ende gemacht haben, wenn sie nicht liebend zugedeckt worden wäre. Wir kommen auf diese überaus interessante Geschichte zu geeigneter Zeit einmal zurück. Jedenfalls scheint uns, daß das Ausscheiden des Herrn Masche aus dem Antisemiten-Bunde noch sehr viel Staub aufwirbeln wird. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 22. Juli. Der Staatsanwalt von Sambor hat sich mit einer Gerichts-Commission nach Boryslaw begeben, um die Untersuchung wegen der dort vorgefallenen Excesse gegen die Juden einzuleiten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.