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Der Israelit · 1884-07-24 · Heft 59 (24.7.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 59 (24.7.1884)
Date
1884-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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978 den religiösen Bedürfnissen der Patienten entsprechenden Gottesdienstes und die rituelle Einrichtung der ganzen Anstalt zur Folge haben müßte. , Inzwischen wurden die vertagten Verhandlungen! über den Erwerb eines Grundstücks im November dess. I. von Neuem ausgenommen und ausgeführt. Aus den bereiten Beständen wurden sofort 17,400 M. angezahlt und der rückständige Nest des Kaufbetrages in Höhe von 21,000 M. als hypothekarische Schuld ins Grundbuch eingetragen. Schon am 26. Juli dess. Jahres konnte die Anstalt ihrer Bestimmung übergeben und am 28. durch die Nabb. Dr. Dr. Goldschmidt und Treuenfels feierlich eingeweiht werden. Bei Gelegenheit der Einweihung überwies Herr Oppenheim dem damaligen Bürgermeister Herrn Haken einen Betrag von 1500 Mark mit der Bestimmung, daß diese Summe als der erste ^Grundstock zum Bau eines christlichen Kurhospitals betrachtet werden möchte. Hiermit war aus der Mitte des Verwaltungsorgans des jüdischen Kurhospitals auch die erste Anregung zur Gründung eines christlichen Kurhospitals gegeben und die Geschichte beider Institute bleibt so unauflöslich an einander geknüpft. Die Anstalt ist jetzt mit 22 Betten im Betriebe und kann etwa 80 Personen ihre Wohlthaten zuwenden. Die Pfleglinge der Anstalt erhalten alles unentgeltlich, was zur See- und Soolbaoekur nöthig ist. Soolbäder werden in der Badeeinrichtnng der Anstalt genommen, deren Soolquelle im Mai 1874 in einer Tiefe von 54 Fuß erbohrt ist und einen Soolgchalt von 4,33% hat; für Seebäder werden von den städtischen Behörden von Fall zu Fall den Pfleglingen der Anstalt Freikarten-zur Verfügung gestellt. Die Anstalt genießt alle Benefizien von Seiten des Staates, die öffentlichen Krankenhäusern gesetzlich zustehen und ihre Pfleglinge haben die Vergünstigung, auf ein Militärbillet in der dritten Wagenklasse der Eisenbahn nach Colberg und zurück in ihre Heimath zu fahren. Nur notorisch arme und würdige Personen finden Aufnahme; namentlich werden die sog. verschämten Armen gern berücksichtigt. Sämmtliche Vorstandsmitglieder sind selbstverständlich unbesoldet und walten ihres Amtes mit Treue und Hingebung; ebenso Herr Sanitätsrath Dr. Hirschfeld, der dirigirender Arzt der Anstalt ist. Von mehreren Mitgliedern wird hervorgehoben, daß sie sich besonders um die Stiftung der Anstalt, wie um ihre Erhaltung und Entwicklung hohe Verdienste erworben haben. Schließlich ist noch zu bemerken, daß die Anstalt nur sehr geringe feste Einnahmen hatte aus dem Miethzins der unbenutzten und deshalb vermietheten Wohnräume, aus der Gartenpacht und den Zinsen der nicht zur Verwendung gekommenen und deshalb ausgeliehenen Kapitalien. Im Übrigen hatte sie keine andern Einnahmequellen, als die der freien Mildthätigkeit und dieselbe wurde ausschließlich durch den menschenfreundlichen Geist und das milde Herz edler Wohlthäter sowohl ins Leben gerufen, als bis heute erhalten. Wir wünschen der jungen, aufblühenden, so segensreich wirkenden Anstalt Wachsthum und Gedeihen, wir wünschen der strebsamen Verwaltung eine baldige Erfüllung ihrer Wünsche und Erreichung der hohen Ziele, die sie mit Muth und Kraft unausgesetzt verfolgt. Frankreich. KariS. Das Streben der französischen Kammern geht immermehr dahin, den Staat von der Kirche zu trennen, in erster Linie die den confessinellen Anstalren bisher gewährten Subventionen zu streichen. Die Ausführung dieser Absicht wird auch den Juden große Kosten verursachen. Der Staat hat nämlich bislang den größten Theil der Unterhaltungskosten des Rabbinerfeminars bestritten, so daß zur Ausbildung der Rabbiner das isr. Centralconsistorium nur wenig beizutragen hatte. Wenn übrigens im gegebenen Falle der Fortbestand dieser Institution den franz. Israeliten materielle Opfer auferlegt, so wird andererseits die jüdische Religion nur dadurch gewinnen; denn ohne Zweifel wird da» Interesse für den jüdischen Cuttus bei den fr-^nz. Glaubensgenoffen mehr als bisher erstarken, sobald sie für denselben in ihren Beutel greisen müssen. Wir zweifeln gar nicht daran, daß auch die franz. Juden für die Unterhaltung der Rabbinerseminars und anderer Anstalten ebenso opferbereit sein werden, wie die Israeliten in Deutschland, die von einer staatlichen Unterstützung ihrer Anstalten nichts wissen. Paris. Monatsbericht (Juni) der „All. Isr. Universelle". Die russischen Colonien Amerikas. Herr Dr. Wechsler, Rabbiner in St. Paul, hat soeben seinen siebenten Besuch in der russischen Colonie vonLainteck Woods, (Dakota) abgestattet. Er hat dort zehn Tage verbracht, um sich über die Lage der Anstalt, ihre Bedürfnisse, ihre Aussichten aus Gelingen, genau zu unterrichten und um unter die Colonisten die Hülfsgelder, welche verschiedene europäische Comitö's ihm jzur Disposition gestellt, zu vertheilen. Anbei einige Auszüge ans einem Rapport, welchen Dr. Wechsler über diese Colonie an das C.-Comitö gerichtet hat: Ich habe bei dieser Reise mindestens 8 Tausend Dollars ausgegeben, um den Colonisten alle Arten von Samen zu verschaffen, Rindvieh, eine größere Anzahl Ackerbaugeräthe und Lebensmittel aus länger als drei Monate. Ich habe einige Einwanderer, welche sich durchaus nicht für den Ackerbau eigneten und niemals Glück darin gehabt hätten, veranlaßt, die Colonie zu verlassen. Andererseits hat der Tod

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