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Der Israelit · 1884-07-21 · Heft 58 (21.7.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 58 (21.7.1884)
Date
1884-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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969 Nähe und der Ferne berichtet, bringt nur äußerst selten eine Kunde aus unserem Rabbinatsbezirke. Wer nun aus der Thatsache, daß man in der Presse unsere jüdischen Verhältnisse gar nicht erwähnt, den Schluß ziehen wollte, daß hier alles in idealem Zustande sei (etwa in dem Sinne, wie diejenige Hausfrau die beste sein soll, von der man am allerwenigsten spricht), der ist entschieden im Jrrthume. Zwar herrscht hier Friede und Eintracht; kein Wort des Streites und des Zankes über religiöse Angelegenheiten vernimmt man bei uns, aber nur aus dem Grunde, well man eben über Religion — gar nicht spricht. Der Friede erinnert leider nur zu sehr an den Kirchhofsfrieden. Seit ungefähr drei Jahren ist nun schon das hiesige Rabbinat in Folge des Wegzugs des früheren Rabbiners Dr. Kodak erledigt; die Rabbinatsgeschäfte werden nebenbei durch den Rabbiner in Burgebrach, der zum Verweser ernannt wurde, besorgt, und noch immer hört man nichts von einer Neubesetzung der Nabbinerstelle. Woran es liegt, daß das Ende dieses Interregnums noch nicht abzusehen ist, ist schwer zu begreifen. Daß man nur die Kosten für den Rabbiner sparen will, wie böse Zungen behaupten wollen, kann ich mir nicht denken; denn der Beitrag, den derEinzelne in einem größeren, noch dazu meistens aus wohlhabenden Mitgliedern bestehenden Bezirk für den Rabbiner zu leisten hat, ist so unbedeutend, daß er bei demjenigen, der auch noch im Entferntesten Herz für unsere jüdischen Interessen bat, in Rücksicht auf die .Nachtheile, die aus einem noch längeren Provisorium erwachsen, gewiß nicht in Betracht kommen kann. Ein hoher Grad von Jndifferentismus gegen alles Jüdische, . der sich bei einem großen Theile der Bevölkerung unserer Stadt und unseres Bezirks geltend macht, und ein Mangel an Energie auch Seitens der religiöser gesinnten Mitglieder ist meiner Ansicht nach vielmebr der Hauptgrund dieser Erscheinung, die nicht allein betrübend, sondern auch geradezu beschämend ist. Denn sicherlich würde es z. B. keiner christl. Gemeinde, die an Ausdehnung und Bedeutung nur der isr. Gemeinde.unserer Stadt gleichkäme, ohne zwingenden Gnmd einfallen, ihre Pfarrerstelle Jahre lang unbesetzt zu lasten. Noch sind ja Gottlob unsere religiösen Institutionen wenigstens äußerlich meistens gut erhalten; es gibt, wenn auch nicht in großer Anzahl, auch noch fromme, dem Judenthum mit ganzem Herzen anhängende Jehudim in hiesiger Stadt und hiesigem Bezirke, und bei einem nicht unbedeutenden Theil der Mitglieder ist noch ein guter Fond von jüdischem Sinn vorhanden. Aber es fehlt eben schon zu lange der Mann, der die guten Elemente sammelte und allen Begeisterung für das Judenthum einzuflößen verstände. Ein gesinnungstüchtiger, mit warmer Liebe und Hingebung für seinen Beruf erfüllter Rabbiner, dem gleichzeitig die Rednergabe in hinreichendem Maße verliehen wäre, könnte hier noch sehr viel.retten und unendlich viel bessern. Aber eine noch längere Zögerung mit der Neubesetzung unserer Nabbinerstelle wird mit der Zeit immer fühlbarere schädliche Folgen haben; die jüd. Institutionen werden mehr und mehr in Verfall gerathen, und der jüdische Geist wird verschwinden, dvjzm my, wachet auf, ihr Schlafenden! möchte ich darum den Mitgliedern unseres Rabbinatsbczirks zurufen. Möchten alle Diejenigen, die cs mit unserer Religion noch ernst meinen, sich ermannen, möchten sie alle Mittel in Bewegung setzen, daß wir bald wieder einen eigenen Rabbiner bekommen, der uns würdig zu vertreten im Stande ist; dann wird es hoffentlich auch wieder mit dem Judcuthume besser werden bei uns. Rumänien. Bukarest, 15. Juli. Infolge des Gesetzes, welches den Hausirhandel verbietet, sind Tansende von jüdischen Familien brodlos geworden und da viele derselben nicht in der Lage sind, sich ihr tägliches Brod in anderer Weise zu verdienen, so hat sich hier und in Jassy ein Comite gebildet, welches den Erwerbslosen die Mittel zur Auswanderung beschafft. Viele gehen nach Bulgarien und Serbien, wo ihrer Niederlassung keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden, andere werden nach Nordamerika cxpedirt und in der letzten Zeit richtet sich der Strom der Emigranten auch nach Mexico, da die Regierung dieses Landes denjenigen, welche dort ihren Wohnsitz nehmen wollen, äußerst vortheilhafte Anerbieten gemacht hat. Die Gesammtzahl der bisher aus Rumänien nach verschiedenen Richtungen ausgewauderten Israeliten belärrft sich auf 760 Seelen. Arithmogryph. 7. 14. 8. 7. Der Name eine» Monats. 9. 13. 10. 14. 11. 12. Ter Vater Zischijah'S, ei» Levite. 12. 6. 13. 5. 13. Eine Abb evialur. 14. 6. 4. 14. 11. 12. (Sin Prophet. 3. 2. 10. 4. Ein Glied des me>.schlichen KörperS. 14. 8. 12. 1. Bezeichnet den Ort für oin n’z» bei den Schlachtopfern. 9. 3. 6. 12. 7. Eine Ordnungszahl. Dir Anfangsbuchstaben nennen 2 Wörter, welche gew. mit Abbreviatur unmittelbar hinter den 'Namen hervorragender lebender Personen in Druck und Schrisr gesetzt wersen; die Endbuchstaben ergeben 2 Wörter, welche auf dieselbe Weise bei Verstorbenen angewendet werden.

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