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Der Israelit · 1884-07-10 · Heft 55 (10.7.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 55 (10.7.1884)
Date
1884-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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leuchteten Wohnung. Da pflegte» die Eltern, so wie sie ihr Zimmer betraten, noch einmal einander zu küssen und zu umarmen und der Wunsch: Mögest Du Dir Gutes ausgebeteu und Gott Dein Flehen erhört haben!" tönte von Beider Lippen! Dann wurden die Kinder zärtlich umarmt, auch sie flüsterten, am Halse des Vaters, der Mutter hangend, ihre Wünsche, man zerdrückte manche Thräne der Rührung, setzte sich dann an den festlich gedeckten Tisch, um nun auch dem Magen sein Recht werden zu lassen. Und wie prächtig mundete da Alles, der Vater erzählte inzwischen ihnen von der Predigt, die Mutter von dem erhebenden Gesang, von allen Tanten und Basen, wie sie prächtig geschmückt in der Synagoge erschienen waren 2c. — Heute sprach keines ein Wort; Niemandem wollte der Imbiß munden. Frau Rcbecka zwang sich der Kinder wegen zur Ruhe; am liebsten hätte sie laut aufgeschluchzt. „Wo mag der Vater sein?" fragte endlich angsterfüllt der 12§ährige Leo. „In Gottes Hut!" cntgegnete Frau Rcbecka. „Sorgt Euch nicht, Kinder," setzte sie tröstend hinzu, „der Gott, der unsrem Volk stets seine Huld bewiesen, wird auch unserm guten Vater nahe sein! Ihr wißt ja, er verläßt die Seinen nicht!" „Aber Mutterlieb," entgegnete Sali, die älteste Tochter, „warum siehst Du so verweint und vergrämt aus, wenn Du nicht selbst fürchtest, daß dem Vater Etwas geschehen könnte?" Die Frau schwieg; sie sah, daß sie sich mehr beherrschen müsse, um in ihren Kindern nicht das Gottvertraueu zu erschüttern. Zeitiger als sonst veranlaßte sie dieselben, zu Bett zu gehen; als sie schliefen, nahm sie ein schwarzes Tuch über den Kopf und schlich sich, einer Diebin gleich, aus dem Schlafzimmer der Kinder. — Im Salon machte sie noch einmal an der Wand, an der das Bild ihres Gatten hing. Halt. „Wirst Du es mir vergeben," sagte sie halblaut unter Thränen, „daß ich, die ich 15 Jahre lang Dein treues, liebendes Weib gewesen bin, dem Rufe des fremden Mannes an einen abgelegenen Orte folge?" Es war ihr, als sähe ihr Gatte streng auf sie hernieder und wollte sie mahnen, auch den Schein zu wahren; doch da siel ihr Blick auf die neben dem Bilde hängende Uhr; sie wies auf 9; eilig, als fürchte sie zu spät zu kommen, schlüpfte sie hinaus, eilte Straße auf, Straße ab, bis sie endlich beim Stadtwäldchen anlangte. Am Eingang zum Park begegnete ihr Samuel Stroßky, der Bruder ihres Mannes. Sie sah ihn in ihrer Erregung nicht, hörte nicht, wie er sie, nachdem sie etliche Schritte vorbei war, anrief. „Was kann sie Vorhaben?" dachte sich der ihr nicht eben freundlich gesinnte Schwager. Ohne sich Rechenschaft zu geben, weshalb, beschloß er ihr zu folgen. Alsbald sah er, wie sie in der Nähe des Bosquets auf einen großen, stattlichen Mann zuschritt, der sie hier erwartet zu haben schien. Er riß die Augen weit auf, da er näher tretend gewahrte, wie dieser sie in seine Arme schloß, ihre» Mund mit seinen Küssen bedeckte, und die fast leblos an seiner Brust ruhende Frau zu der nebenstehenden Bank führte. „Recht, recht mein Täubchen," sagte er, „daß Du gekommen bist! Ich wußte es ja, Du würdest für die Dauer nicht unerbittlich sein! Jetzt, wo der alte Brummbär hinter Schloß und Riegel sitzt und Dir nicht mehr nachspioniren kann, bist Du mein, gern mein, nicht wahr Herzensweibchen? Du wirst — doch Teufel was ist ihr? sagte er halblaut, da er gewahrte, daß die Frau, die er mit seiner stürmischen Umarmung erobert zu haben glaubte, ohnmächtig in seinen Armen lag; „spielt sie Komödie?" Er führte sie zu einer Bank, rieb ihr die Schläfen, suchte sie zum Bewußtsein zu bringen, nahm sein Riechfläschchen hervor, um ihr Stirn und Schläfen damit einzureibcn, und Samuel Stroßky, der nicht allzuweit zusah und in der Dunkelheit die Wiederbelebungsversuche für Liebkosungen hielt, stampfte mit den Füßen und fluchte über die Schlechtheit und Untreue der Weiber. — Hätte er in dem Manne nicht den gefürchteten Polizei-Obersten Metkof erkannt, er wäre auf ihn zugesprungen und würde ihn mit seinen Fäusten bearbeitet haben; doch mit Metkof war nicht zu spaßen; er war der Allgewaltige, der Alles durchsetzte und selbst den Harmlosesten auf den Schub nach Sibirien bringen konnte. Und was würde ihr sein Einmischen auch geholfen haben? Sah er nicht zu seinem Erstaunen, daß Rebecka, die sonst die Heilige spielte, hingebend in seinen Armen lag, ihm willenlos jedes Recht gewährte? Pfui über die Ehrlose! rief er, die Gesetz und Ehre mit Füßen tritt! Ein Ekel erfaßte ihn; wie ein Rasender lief er davon; er wollte und mochte es nicht mit ansehen, daß seines Bruders Weib sich soweit erniedrigte, die Liebkosungen eines fremden Mannes zu dulden! Der in eitlem Wahn Befangene ahnte nicht, daß Rebeka mit dem Moment, da Metkof sie, ohne daß sie es hindern konnte, in seine Arme schloß, obnmächtig wurde, daß sie nichts von seinen Küssen wüßte, nicht ahnte, daß sie in seinen Armen lag und seine Berührung dulden mußte. — Als sie einige Minuten später zu sich kam, stierte sie Metkof mit weit geöffneten Augen an. „Du hast mich durch Deine Ohnmacht erschreckt, sagte er ihr; ich glaubte, daß all die Freuden, die ich genoß, die Küsse, die ich von Deinen Lippen

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