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Der Israelit · 1884-07-07 · Heft 54 (7.7.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 54 (7.7.1884)
Date
1884-07-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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einen seiner Kollegen, der zum Studium der Cholera mit ihm in Egypten war, an dieser schrecklichen Krankheit sterben sah, nun von Neuem sein Leben auf das Spiel setzt, um der Menschheit großeDienste zu leisten. Dr. S. ist verheirathet und verläßt zum zweiten Male seine liebende und geliebte Frau und Kinder, um seiner Pflicht als Mensch zu genügen. Möge Gott den wackeren Kämpfer der Wiffenschaft lange erhalten, zu seinem Ruhme, zum Wohle seiner Mitmenschen, zur Zierde des Judenthums. E. M. WartS, 2. Juli In Algier dauert die Judenhetze fort. Gestern wurden neuerdings Läden geplündert, mehrere Juden wurden verwundet und bis zum Gouvernementspalast verfolgt. Ein Opfer der Excesse ist gestorben. Nach einer Meldung der „Polit. C." aus Warschau hat in Folge der letzten Judenexcesse die Auswanderung von Juden nach Amerika, besonders in der Umgebung von Kamieniec-Podolsky, Proskurow und Balta, neuerdings große Dimenissionen angenommen. England. Loubo». Die Königin von England hat dem liberalen Abgeordneten für Banbury, Bernhard Samuelson, in Anerkennung der Verdienste, die er sich um die Sache des Volksunterrichts erworben, die Baronetswürde verliehen. Samuelson ist von deutscher Abkunft und mosaischen Glaubens. London, 29. Juni. Der „Jewish Chronicle" dieser Woche macht bekannt, daß die bei dem Festessen der „Free School" vorgenommenen Abkürzungen des Tischgebetes keineswegs von km Chief Rabbi, noch von dessen ihn vertretenden Sohne, Rev. Dr. Hermann Adler genehmigt worden waren. Eine jüdische Kossängerin vor 200 * Jahren. Bon Isaak Münz. Es dürfte von Interesse sein, die erste jüdische Hofsängerin kennen zu lernen, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit ihrer wundervollen Stimme deutsche Fürsten und Prinzessinnen entzückt hat. Sie hieß Brentgen Marcus und war die Tochter des Juden Markus Isaak. Ihre Heimath scheint die Stadt Weser gewesen zu sein, welche zu Brandenburg gehörte, und wo eine kleine Judengemeinde bestand. In welchem Jahre diese jüdische Sängerin das Licht der Welt erblickte, läßt sich aus den spärlichen Quellen, die sich uns über ihr Leben erhalten haben, nicht mit Sicherheit feststellen. Im Jahre 1690 zog sie die Aufmerksamkeit deS Kurfürsten und später» König Friedrichs I aus sich. Der Kurfürst lernte die jüdische Sängerin in Weser kennen und war von ihrer schönen Stimme und ihrem musikalischen Talente so sehr entzückt, daß er sich entschloß, die jüdische Sängerin in Begleitung ihres Vaters nach Berlin kommen zu lassen und für die weitere künstlerischeAusbildung der ersteren Sorge zu tragen. Am 16. Juli des Jahres 1690 schreibt der Kurfürst an den Fürsten von Anhalt und die Geheimen Räthe in seiner Residenzstadt Berlin: „Markus Isaak Juden sambt Seiner bey sich habenden Tochter Brentgen Markus von hier nach Berlin gehen zu lassen, damit gedachte Brentgen bet Unserer Hochgeliebten Gemahlin mit singen auswarte und nach derselben gutfinden sich Wetter in der Musik üben und perfectioniren, auch Ihre habende ungemeine Stimme nach der Kunstmethode einrichten und employren lerne." . Aus diesem schon wegen des eigenthümlichen Styles bemeüenswerthen Schreiben ist deutlich zu ersehen, welcher tiefen Eindruck die jüdische Sängerin mit ihrer ..ungemeinen Stimme" auf den Kurfürsten und spätem König Friedrich I gemacht haben muß. Der Kurfürst war gegen die Juden feines Landes nicht toleranter als alle anderen Fürsten seiner Zeit und betrachtete sie, wie sein großer Vater, nur als eine nützliche Sache vom finanziellem Standpunkte. Es war daher immerhin eine sehr bedeutende Errungenschaft der jüdischen Sängerin, daß der kunst- und prachtliebende Kurfürst von Brandenburg und spätere König von Preußen sie an seinem Hof nach Berlin nehmen und seine hohe gebildete Gemahlin, Sophie Charlotte, mit ihrem Gesänge erfreuen wollte. Der Fürst von Anhalt ließ die Sängerin und ihren Vater nach Berlin kommen und, da die Kurfürstin abwesend war und in ihrem elterlichen Hause in Hannover weilte, so ergötzte er fichsselber an dem Gesänge des jüdischen Mädchens. Es Ware» wohl noch viele andere Großen der Residenz bet diesem ersten Debüt der jüdischen Sängerin anwesend. Alle waren entzückt und bewunderten ihre „ungemeine Stimme". Wahrscheinlich wurde der Eindruck ihrer wenn auch nicht kunstgemäß ausgebildeten, so doch um so mächtiger und ergreifender erschallenden Stimme durch die Schönheit und die Anmuth ihrer äußern Erscheinung noch erhöht. Am 25. Juli schreibt der Fürst von Anhaltan den Kurfürsten. Der Jude sei ausgenommen, „weil aber Bure Kurfürstliche Durchlauchtigste Gemahlin

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