Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1884)
- Date
- 1884-07-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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auf unrechtmäßige Werse sich aneignet, so wird er am Ende iu's Gefängniß wandern müssen, wo er auch am Sabbat zur Arbeit gezwungen wird. Wahllos sind die Aussprüche unserer Weisen, in denen der Mensch zur Liebe zur Arbeit gemahnt wird. So lehren sie im Jeruschalmi im I. Capitel des Traktats Kidduschin und im Traktat Peah: .moix u, n»*na mn:n „Der Ausspruch der heiligen Schrift: „Und Du sollst erwählen das Leben", will besagen: Wähle Dir eine nützliche, werkthätige Beschäftigung." — Ebenso lesen wir im Midrasch Koheleth: Schaue Leben mit den: Weibe, das Du liebst — das Weib das Du lieben sollst, darunter ist yerstanden die Lehre unseres Gottes; erwirb Dir eine nützliche Fertigkeit, erlerne ein Handwerk, das Dich ernährt, und theile Deine Zeit zwischen der Erwerbung Deines Lebensunterhalts und dem Studium der Gotteslehre. — Und im Traktat Baba Mezia lehren sie: Es heißt in der heiligen Schrift: „Und Du sollst ihnen kund thnn den Weg, auf welchem sie wandeln sollen", das heißt, halte sie an, ein Handwerk zu treiben, durch das sie sich ernähren. — Im letzten Kapitel des Traktats Pesachim belehrt Nab seinen Schüler Nab Kahana: Mißachte keinerlei Arbeit, selbst wenn sie in den Augen der Menschen verächtlich erscheint; selbst die Arbeit des Schinders, der dem gefallenen Thier das Fell abzieht, ist ehrenvoll: schändend ist nur der Müssiggang. — Im Traktat Baba Bathra lehren die Weisen: Suche Dich stets durch Deiner Händearbeit zu ernähren; verschmähe selbst solche Arbeit nicht, die Deinem Stande oder Deinem Bildungsgrade nicht entspricht; denn jede Arbeit ist ehrenvoller als das Sichernährenlassen durch die Mildthätigkeit der Mitmenschen. — Jeder, lehren die Weisen in Traktat Kidduschin, der seinen Sohn nicht eine nützliche Beschäftigung erlernen läßt, durch die sich zu ernähren er im Stande sein wird, erzieht ihn zu einem Diebe und Räuber. Aber nicht nur die Pflicht zu arbeiten, ist es, die uns unser großer Lehrer Sckemaja ans Herz legt, sondern die Liebe zur Arbeit. Die meisten Menschen betrachten die Arbeit als eine Last, der überhoben zu sein, ihnen als ein Glück erscheint. Wie thöricht sind doch diese Menschen! Nur Derjenige kann eine wahrhafte innere Befriedigung erlangen, der in nützlicher Weise thätig ist. Rauschende Vergnügungen erzeugen Uebersättigung, machen den Geist leer, das Herz arm, den Körper schlaff. Nützliche Thätigkeit dagegen regt stets zu neuer Thätigkeit an, läßt Körper und Geist erstarken. Der Müssiggang erzeugt Langweile und thörichte Wünsche und Begierden. Er fuhrt entweder zum Wahnsinn oder zum unsittlichen Lebenswandel, wie unsere Weisel! im Traktat Kethuböth lehren. Selbst wenn Dn reich bist und nicht nöthig hast. Dir durch Arbeit Demen Lebensunterhalt zu erwerben, so liebe die Arbeit um ihrer selbst willen. Sie wird Dich gesund und zufrieden erhalten; sie wird Dich schützen vor böse» Gedanken und schlechten Begierden. Und so hat auch David gesagt: Genießest Du Deiner Hände Mühe», Heil Dir und wohl Dir — und unsere Wersen füge» hinzu: Heil Dir kn dieser und wohk-Dkr in der zukünftigen Welt. In dieser Welt wird die Arbeit Dich gesund, frisch und zufrieden erhalten; sie wird Dich vor Lastern, Sünden und bösen Begierden bewahren und so zugleich Dekrr ewiges Heil begründen. (Fortsetzung folgt.) Zwischen den Marken. Bon Rabbiner Dr. Ehrmann. n. Fastend beginnen und fastend schließen die über die Erde Zerstreuten die Wochen, welche dem Gedächtniß an Jerusalems und Zions Fall gewidmet sind, wie alle ihren nationalen Niedergang verewigenden Denktage nach der Weisung ihrer Propheten als Fasttage begangen werden. Ohne Macht, schutzlos und wehrlos in die Mitte machtstolzer Staaten und Völker gestreut, sprechen die Israeliten, indem sieden letzten Nest materieller Kraft freiwillig durch ihr Faste» noch herabmindern, die Wahrheit aus, wie sie von ihrer Macht nichts, von Gottes Beistand aber Alles erwarten. Sind sie doch unter allen Völker» das einzige, welches nicht die Tage seiner Siege verzeichnet und feiert, sondern die Momente seines Niederganges, die bei anderen Nationen kgnorkrt und geflissentlich der Vergessenheit überantwortet werden, aufgreist und sie von Jahr zu Jahr neu in dem Gedächtniß jeder Generation belebt. Diese Eigenthümlichkeit allein zieht einen geistigen Kordon um die jüdischen Familien und macht ihre Fasttage zn rnv-.n zu einem niächtigcn Mittel der Verbindung und Sammlung, das sie vor dem Aufgehen in die sie umflnthende mächtige Strömung schützt. Doch nicht in dieser nationale», allgemeinen Bedeutung erschöpft sich Ziel und Zweck unserer Fasttage. Mehr noch als die zerstreuten Glieder deS Volkes, sammelt und concenttirt jeder Fasttag alle Seelenkräfte, jede Gemüthsbewegung und Geistesregung der einzelnen Fastenden, um sie mit beharrlicher, unwiderstehlicher Macht dem einen großen Ziele unterzuordnen, das jeder Fasttag anstrebt: Tschuwoh! Daß die Entziehung van Speise und Trank nicht Selbstzweck, sondern nur das mächtige Mittel ist, um Tschuwoh und die aus ihr erblühende Ertüchtigung für ein edles Streben und Wirken ant