Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1884)
- Date
- 1884-06-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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786 anderwärts Nachahmung finden, und mögen solche Beispiele besonders unserer Jugend zum Muster vorgcführt werden, um sie bei jeder Gelegenheit für die Erhabenheit unserer Religion zu begeistern. Dann wird uns das Prophetenwort in Erfüllung gehen: Es wird nicht weichen diese Lehre aus.deinem Munde, aus dem Munde deiner Kinder und Kindeskinder, spricht Gott vvip -ijn nryo. Pesih. Die Szigetvürer Judenkravalle bildeten heute den Gegenstand des Referates bei der königl, Tafel. Am 2. September rotteten sich in Szigetvär gegen 9 Uhr Abends 200 bis 300 Personen vor dem Rosen-Wirthshause zusammen und griffen sodann die Häuser der Juden an, wobei sie die Fenster einschlugen und Thore und Thüren zertrümmerten. Erst als der Stuhlrichter in die Aufständischen schießen ließ, trat Ordnung und Ruhe ein. Einer der Aufständischen verlor dabei sein Leben, mehrere wurden verwundet. Die Untersuchung erwies, daß die Rotte von dem' Barbier Albert Külmäncsi, dem Csizmenmacher Johann Lißkowark und dem Selchergehilfen I. Fehör angeführt wurde. Insbesondere war es der Barbier, der den Aufstand durch Ausrufe, wie: »Auf, Ihr Ungarn! Schlagt die Juden nieder! Vorwärts, Ungarn!" amachte. Er erklärte dem Untersuchungsrichter, daß er schon seit drei Jahren keinen Inden rasiirte und von nun an nie mehr einen rasiren wolle. Der Budapester Gerichtshof sprach die drei Angeklagten im Sinne der §§ 153 und 155 des Aufstandes schuldig und vcrurtheilte Kälmäncsi zu drei Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Amtsverlust, Lißkovüri zu zwei Jahren Zuchthaus und vier Jahre Amtsverlust und Joseph Fehör zu neun Monaten Kerker und drei Jahren Amtsverlust. Bon den übrigen 15 Angeklagten wurden Mathias Riola. Stephan Turbbki, Em'ench Buzsäki und Joseph Komlanecz zu je zwei Monaten Gefängniß wegen einfachen Diebstahls verurtheilt, wobei ihnen die Untersuchungshaft als Strafe angcrechnet wurde. Die königl. Tafel bestätigte bezüglich der Benannten das erstgerichtliche Urteil, sprach jedoch auch noch Joseph Rücz und Joseph Szabo des Aufstandes schuldig und verurteilte auch diese zu je zwei Jahren Zuchthaus. Pefth. Der Magistrat hat das vom ersten Schulstuhl der Theresienstadt verfaßte Gebet für die Schuljugend aller Konfessionen gutgeheißen und dessen Einführung in allen städtischen Schulen für das nächste Schuljahr angeordnet. Pesth. Die Pesther israelitische Kultusgemeinde hat um Erhöhung ihrer Schulsubvention, welche 4100 fl. beträgt, angesucht. Die Unterrichts- Kommission empfiehlt, daß in Berücksichtigung des in der Tbat großen Erfordernisses des Religionsunterrichts 8000 fl. jährlich bewilligt werden mögen. England. London. Im Anschluß an das Gutachten zweier christlicher Autoritäten über die jüdische Schlacht- _ methode, worüber wir bereits berichtet, spricht sich auch das „Bi-ititeh Medical Journal“ eine in der englischen Gelehrtenwelt in hohem Ansehen stehende Zeitschrift, zu Gunsten dieser Schlachtmethode aus. London. Die im vorigen Jahre auf Veranlagung eines engl. Beamten bastionirte Jüdin Esther Amar in Caflablauca (Marocco) hat sich beschwerend an Lord Granville gewandt, weil die britischen Behörden in Marocco ihr kein Gehör schenken, damit sie einen Schadenersatz erlange. R u ß l a n b. Warschau. Ein mysteriöser Fall wird demnächst vor einem hiesigen Gerichtshof zur Verhandlung kommen. Ein katholischer Priester in Protsew hat bei diesem Gerichte zur Anzeige gebracht, daß eine christliche Frau ihm auf ihrem Sterbebette anvertraut habe, daß sie vor 14 Jahren ihr vier Wochen altes Kind an einen Juden, Namens Kellermann, verkauft habe, welcher dasselbe in der jüdischen Religion erzogen hätte. Herr Kellermann erklärt diese Mittheilung als eine reine Erfindung, durch welche man ihm seine Tochter, welche ihm von seiner Frau geboren wurde, zu entreißen beabsichtige. - : Maganiew (Gouv. Eherfon). Ein acht Jahre alter jüdischer Knabe von hier, welcher sich verirrt und sein Elternhaus nicht finden konnte, wurde von einer benachbarten christlichen Familie ausgenommen, die ihn, trotz seines standhaften Weigerns, taufen lasM wollte. Als der Vater sein Kind rcclamirte, hatte bereits der Bürgermeister des Platzes den Knaben in der gleichen Absicht in Gewahrsam genommen. Erst als die Polizei mit Gewalt einschritt, wurde der Knabe wieder herausgegeben. Die zwei' Synagogen in Bobrirrez (Gouv. Eherson) sind beraubt worden. Der Werth der gestohlenen Gegenstände beträgt über 2000 Rubel. Die Diebe sind noch nicht entdeckt. Jüngst starb in Rosanr ein Jude, Namens Goldstern, der im türkisch-serbischen Kriege alsKriegscorrespondent sungirte und als solcher wegen seiner Kaltblütigkeit und Tapferkeit bei dem berühmten Ge-