Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 44-45 (5.6.1884)
- Date
- 1884-06-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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'““r v w ili .Vi nur XXV. Jahrgang. M Nr. 44 & 45 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. r-i Deutschland. Mainz, 3. Juni. Wie wir erfahren, hat Herr Rabbiner Dr. Sri edel in Strasburg in Wesipreußcn, als er sich um die erledigte Rabbinerstelle in Cassel bewarb, nicht gewußt, daß sich in der dortigen Synagoge eine Orgel besindet. Derselbe wird die Stelle nur dann anznnehmen bereit sein, wenn die Orgel aus der dortigen Synagoge wieder entfernt wird. * Mainz, 4. Juni. Das goldene Hochzeitsseft des Herrn Küsermelstkrs Hermann Koch luürbc gestern von dem Jubelpaare in engstem Familienkreise gefeiert. Degen fünf Kinder, sowie 18 (viifcl und 5 Urenkel befinden sich sämmtlch in Mobile im Staate Alabama. Las Jubelpaar wurde mit zahlreichen Geschenken bedacht. Frankfurt a. M., 3. Juni. Gestern wurde hier unter großer Betheiliguug ein Mann zur Ruhe bestattet, wie es solche zu allen Zeiten wenige gegeben. Herr Joseph Oppenheim hatte sich vor 60 Jahren nach Brüssel begeben und dort ein Bankhaus unter feinem Namen errichtet (es Mrt jetzt die Firma Oppenheim-Errera), das sich einen Weltruf erwarb. Oppenheim war stets das Muster eines guten Bürgers feines Adoptivlandcs und den Armen ohne Unterschied der Conftssion und der Rationalität ein allezeit bereiter Helfer. Belgien erkannte seine Verdienste durch ehrende Auszeichnungen an; der König verlieh ibm den Lcopvldordeu, seine Mitbürger übertrugen ihm das Amt eines Proviuziatraths der Provinz Brabant, die Regierung ernannte ihn ferner znm Präsident«! des israelitischen Conststoriums von Belgien. Dabei bewahrte er seineur Gcburtslande und seiner Vaterstadt eine solche Anhänglichkeit, daß er in Frankfurt begraben zu werden verlangte. .. Sein Wunsch ist erMt worden. In beredter Weise schilnen, der fein Andenken durch reiche Stiftungen, auch für unsere Stadt, über das Grab hinaus verewigt hat. Die jüdische Gemeinde Brüpels wird nächsten Soimtag zunl Andenken des Hingeschiedenen eine Trauerseierlichkeit veranstalten. Aus Westpreußen. In Skurz wohnen im Ganzen kaum 7 jüdische Familien und doch hat die Gährung dort durch den antisemitischen Fanatismus einen so bedenklichen Grad erreicht, daß selbst der K. .Kriminalkommissar Höft sich dort nicht mehr sicher fühlt. Es kommen ihm Drohungen zu Ohren, daß man ihn entweder vergiften oder erschießen werde. Die Herren Antisemiten denken natürlich im Ernste hieran nicht, aber sie wissen nicht mehr, wie sie ihrem Groll über die unerwartete Rettung der Inden Lust verschaffe«: sollen. Herr Höft hat sich in letzter Zeit mehrfach in Pr. Stargard, z. Th., auch in Schöneck, 2 Meilen von dort, oder in Grandenz aufgehalten, am letzten Freitag soll er behufs Rapports an seine Vorgesetzte Behörde nach Berlin gereist sein. Die Antisemiten suchen einstweilen Trost in der frechen und zugleich albernen Lüge, die Juden haben Höft und die danziger Justiz bestochen. Wenn, es nicht gelingen sollte, den iuhaftirte:'. Bohrend, der jedenfalls Alles läugncn wird, vollständig zu überführen, so wird die antisemitische Presse nicht säumen, Gläubige .für diese Lüge zu sammeln und sie wird sie finden, nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben, auch in der Stadt der Intelligenz, in Berlin. Es muß daher Alles daran gesetzt werden, daß die volle und ganze Wahrheit über die Sknrzer Mordaffaire an's Tageslicht komme und daß sie durch die Berichterstattung über den in Danzig stattfindenden Prozeß weithin ihr Helles Licht verbreite, lins erscheint die Sorge für die Rettung bedrohter jüdischer Gemeinden wichtiger, als der "Apparat dekrelirender „Rabbinerversanimlnugen", den Berlin, das in der ganzen Periode des Antisemitismus mit den israelitischen Allianzen im Bunde schon so manche Versäumnißschnld auf sich geladen, jetzt pomphaft in Scene setzt. Mit den Geldsummen, welche diese Berliner Synode kosten wird, konnte der Nenstcttiner Gemeinde, welche wie wir hören, leider im Begriff ist, sich aufzulösen, geholfen werden und damit am besten „die Hebung des religiösen Sinnes" in dieser trau- . rigen Zeit bewirkt werden. Alle Resolutionen werden den einmal geschürten Brand des Rassenhasses, der seine Opfer fordert, nicht aus der Welt schaffen. Alles, was wir thun können, ist die prophylaktische Thätigkeit, die Fürsorge für die Geschädigten, die gleichsam als Opfer eines Krieges zu betrachten sind, — und das Festhalten an der alten Heiligung des göttlichen Namens. So hat die Pr. Stargarder