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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sind vor zwei oder drei Jahren nach den Vereinigten Staaten gezogen, ohne mehr Geld zn besitzen, als was durchaus zu ihrer Neberfahrt erforderlich war; sie haben gleich irgend ein Handwerk vorgcnommeN und die englische'Sprache erlernt. Einer der Kolonisten, der'Profeffor S. S. Mashbir, welcher jetzt in der höheren Schule zn Mitchell die deutsche Sprache lehrt, hatte sich als Arbeiter ans einer der Eisenbahnen bei. Mitchcl verdungen. Seine Kcnntmß der englischen Sprache bestand ans kaum einigen Worten und die Schaufel wusste er ebenso wenig zn handhaben. Aach Verlauf von einer halben Stunde wusste er dieselbe noch immer nicht zn gebrauchen und der Ansscher schickte ihn fort mit der Androhung ihm den Kops zn zerschlagen (break Ms head), wenn er ihn unter den Arbeitern anträfe. Der Professor zog sich zurück und schlug im Wörterbuch nach, um die Bedeutung dieses Ausdrucks break his head zu erfahren. (5t suchte und fand landwirtschaftliche Beschäftigung und wird zum Frühjahr mit seiner Mutter und Schwester, die er aus Nusstand erwartet, und seinem Bruder, welcher aus New-Iork kommt, ein Bauerngut bewirthschaften. Was diese Leute vor allem charakterisirt, sind eine grosiartige Geduld und Ausdauer. Sie kommen in ein fremdes Land, dessen Sprache und Gebräuche ihnen fremd waren; sie geben sich an die Arbeit, scheuen keine Anstrengung, sind praktisch und fügen sich in Alles, was die Verhältnisse nnt sich bringen. Sie sind sparsam, vergeuden keinen Dollar, geben leinen Pfennig für Getränke ans und gcrathen nur in der größten Noth in Schulden. Einige der Auswanderer sind im Begriff ein hübsches Capital zusammen zu bringen, aber die größere Anzahl von ihnen sind trotz aller Mühseligkeiten noch nicht in der Lage das allernöthigste, ein paar Ochsen zu kaufen. Ihre Zahl wird diesen Sommer durch die Ankunft von Freunden und Verwandten ans Nusstand bedeutend vermehrt. Die Eolonisten haben im Hanse des Herrn Noscnthal eine Privatschulc, welche von einer sehr unterrichteten jungen Dame geleitet wird. Dieselbe heisst Alis; Bnrncs und ihr Honorar wird durch Subvention zusammengebracht. Das Institut wird sehr fleißig von den russischen Kindern besucht, welche sehr bald das Englische sprechen werden. Sie lieben die Musik, das Lesen und die Geselligkeit. Die bescheidensten unter ihnen haben eine gute Erziehung erhalten und die kräftigsten beschäftigen sich sogar mit Musik. Es gibt jetzt mehrere russisch-israelitische Eolonien in den Bereinigten Staaten; die bedeutendste unter ihnen ist die von New-Odessa, welche unter Beihilfe von Michael Hcilprin, Dr. Julius Goldmann, Eduard Lanterbach und dem Richter Jsaacs, alle aus New- _J)orf, gegründet wurde. Diese Niederlassung, trotzdem sie erst kürzlich gegründet wurde, trotz der ' Armnth der Eolonisten zur Zeit ihrer Ankunft in Amerika und aller Schwierigkeiten und Hknderniffe eines solchen Pionier-Lebens, ist es dennoch gelungen, sich aus eigenen Mitteln zu erhalten. Diese Mitthcilnngen einer Person, die einfach erzählt was sie gehört und gesehen, sind ein vorzügliches Zeugnis; für die stetigen Bemühungen der russischen Auswanderer, und lassen von der Zukunft der israelitischen Eolonien in Amerika das Beste hoffen und erwarten. (Israeliten der Türkei.) lieber die in Bairanictsch, einem Dorfe in der Nähe der Dardanellen — vörgekommene Blntbeschuldigung gegen die etwa 40 Familien zählende Inden schreibt man dem E. Eomkt6 Folgendes: Am 23. März, seine Stunde vor Sonnenuntergang, zögerte ein christlicher Lehrling, der von seinem Lehrherrn uirt irgend einem Austrage ansgeschickt worden war, nach Hause, zurück zu kehren. Sein Meister giebt sich vergebliche Mühe ihn wieder anszufinden. Er theilt sodann seine Sorge einigen christlichen Freunden mit.\ Diese beschuldigen alsbald die Juden, das Kind umgebracht zu haben, um sich seines Blutes zu bedienen. Sie bewaffnen sich und '.nachm sich auf den Weg, sämmtliche jüdische Häuser zu durchsuchen. Die Israeliten waren bereits zu Bett und ahnten nichts von der Gefahr, die sie bedrohte. Tie bewaffnete Horde stand gerade im Begriff ihr Vorhaben ansznführen als das Kind ' erschien; cs war bei einem benachbarten Christen aufgcfundcn worden. Jedoch wurden einige einzelne jüdische junge Leute, welche den Meuterern begegneten, mit dem Tode bedroht; nur der Zwischenkunft einer vorüberziehenden Wache dankten sie ihre Rettung. Das Komische bei der Sache war, daß ein braver .Kaufmann aus Dardanellen, welcher sich gerade in Geschäften in Bairamctsch befand, als derjenige bezeichnet worden war, der vom Schicksal bestimmt worden, das Opfer zu erwürgen. Am nächsten Tage erfuhren die Israeliten, was sich zngetragen und wollten die Schuldigen gerichtlich belangen. Jedoch legte sich die Behörde und die christlichen Notablen ins Mittel, und der Fall hatte keine Folgen. Die israelitische Gemeinde von Dardanellen hat jedoch die Sache dem Metropoliten zu wissen gethan und hat derselbe den Meuterern .von Bairamctsch ernstliche Vorwürfe gemacht und ihnen versichert, das; die Anklage eine verruchte und lügenhafte sei. (Israeliten Palästina's.) Einer der Professoren der Alliance, welcher die Stadt Hebron in Palästina besucht, sandte dem E. Eomit6 einen Bericht über die dortige israelitische Gemeinde: Hebron ist eine ziemlich traurige kl. Stadt mit

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