Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 43 (29.5.1884)
- Date
- 1884-05-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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716 ltnfcrii Reden, rein in unfern Theten. Den unreinen Gedanken sollen wir aus unseren Herzen verbannen, mit unlauterem, zweideutigem Wort nicht unsre Lippen beflecken, mit üblen Thaten nicht unsere Hände beschmutzen. Als Priester Gottes sollen wir die ewige Wahrheit bewahren und sie schützen vorder Ungunst der Zeiten. Die Wahrheit sollen wir lehren, nicht nur durch Worte, sondern durch unsere Thaten, durch unser ganzes Leben, durch aufopferungsvolle Hingebung für sie. Schon unsere Existenz auf Erden, die trotz unzähliger, gewaltiger Feinde noch niemals hat vernichtet werden können, beweist der Welt das ewige Walten des Gottes der Wahrheit. — Wie der Priester dazu berufen ist, die Gewaltthätigen zu mahnen, die Irrenden zu belehren, die Bekümmerten zu trösten, also ist der Beruf unseres ganzen Volkes. Das edle jüdische Herz wirkt beglückend auf Alle; in ihm wohnt das theilnahmsvolle Mitleid, in ihm wohnt die zu Thaten stets bereite Barmherzigkeit, in ihm wohnt der Drang nach Wissen und Erkenntnis. Und die Thora, die Gott uns vor mehr als vier Jahrtausenden am Sinai verliehen, ist die Sonne, die unsere Tage erhellt, der Mond, der unsere Nächte erleuchtet, der Hoffnungsstern, der niemals von unserem Horizonte verschwindet. Daß doch so Biele unserer Brüder und Schwestern in unseren Tagen die Wohlthat verkennen, welche Gott uns erwiesen, indem er uns zu Seinem Volke erwählte und Seine heilige Lehre uns gab. Jeder einzelne Israelit, jebc einzelne Israelitin, die ihren Beruf in Wahrheit erfassen und den Vorschriften unsrer heiligen Religion gemäß denken und handeln, fördern die Zwecke Gottes auf Erden mehr als die weisen Forscher, mehr als die geistreichen Erfinder. Ein Glied zu sein jener erhabenen Gemeinschaft, die Gott selbst genannt hat „ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk", das ist das Schönste und Höchste, was einem Menschen, hat zu Thcil werden können. Um so trauriger ist cs, wenn die Söhne und Töchter unseres Volkes ihren heiligen Beruf verkennen, wenn sie durch ihr Thun und Treidelt den Völkern, in deren Mitte wir leben, Anlaß geben, den Namen Israels zu schmähen und zu verlästern. Dies ist nicht nur eine Entheiligung unseres Volkes, cs ist eine Entweihung des göttlichen Namens. Nicht stolz sollen wir ans die andern Menschen hinabblickeu; aber bewußt sollen wir uns stets sein der hohen Pflichten, die wir am Sinai übernommen haben. Nicht umsonst sind die Augen der Völker stets ans uns gerichtet, nicht umsonst wird für die Thaten des einzelnen Juden und der einzelnen Jüdin die Gesammthcit unseres Volkes verantwortlich gemacht — wir sind ein »np eine heilige Körperschaft, unauflöslich miteinander verknüpft. Daher ist auch das, was der Einzelne thut und wie der Einzelne lebt, für . die Gcsammtheit von der größten Wichtigkeit. O, möchte uns doch das Fest der Offenbarung auf's Neue mit unendlicher Liebe erfüllen für Gott und Seine heilige Lehre, auf daß wir in Wahrheit werden ein a*np "U o’jro roboa, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk! Künstliche Stimmen über die Verwendung der Hrget beim Gottesdienste. Von . Paul Frisching. III. Hiermit gleiten wir auf den zweiten Punkt, auf die Schädlichkeit der Orgel, die Nützlichkeit ist gering, ich kann ihr keine positive, absolute zusprechen, außer der, daß sie, wo es nöthig ist, die Melodie leitet und daß sie, wie weiter vorhin gesagt ist, gewiffe Räume des Gottesdienstes, Anfang und Ende besonders, paffender ausfüllt, als der Gesang es thäte. Dagegen die Schädlichkeit halte ich für positiv und absolut. Die Orgel bringt ein Element in den Gottesdienst, welches nicht hineingehort. Fehlt denn etwas in einem Gottesdienst, wenn Gebet, Gesang und Predigt sich findet? Ich sollte nicht meinen. In allem ist es das Wort, das von G. gekommene, kommende Wort und das zu G. führende Wort, welches wir verstehen, welches keine Stätte unseres Innern unbefucht, welches kein Bedürfniß unserer Seele unbefriedigt läßt. Nun kommt noch so ein Gast herein und will mit seinen bloßen Tonen ohne Wort gehört sein, spricht mit einer metallnen Zunge und weiß selber nicht, was und wer durch ihn spricht. Ein Mensch freilich, muß jeden Ton nehmen, wie er von einem andern ihm bis zu den kleinsten, feinsten vorgeschriebe» ist. Daß er aber den Ton und keinen andern nehmen solle, ist Mechanismus durchweg, wie sollten wir davon nicht sagen dürfen, cs sei ein fremdes. Element! Man spricht viel davon, der Mensch fei ein sinnliches Wesen. Ach wohl, das ist er, allein soll er denn nicht eben im Gotteshause entsinnlicht werden? Anstatt dessen befriedigt man seine Sinnlichkeit, zieht ihr etwa für den groben Kittel ein seiden Gewand an, gebt ihr Wein für Bier zu trinken, wird damit etwas gewonnen? Ist nicht, die Veredlung der Sinnlichkeit, die Verfeinerung, dieHumanisirung, eine Befferungsweise, welche dem Christenthum, wo nicht entgegen, doch durchaus fremd ist? Was von Fleisch geboren ist, das ist Fleisch.