Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1884)
- Date
- 1884-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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708 auch über den mutmaßlichen Mörder hat sich die Vermuthung des Schreibers obiger Zeilen bestätigt so das; wir-nicht anstehen, auch die von ihm ausgesprochene Konjektur zu veröffentlichen, daß wir es hier mit einer Art planmäßigen Vergehens der Antisemiten zu thun haben, die gerade m Westpreußen den Knabenmord vom 21. Januar dazu benutzen wollten, um auf die Konitzer Geschworenen i.i der Neustettiner Affaire einen Druck auszuüben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. - Oest.-Ungar. Monarchie. De u t f ch l a n d. Frankfurt a. M. Nachdem von maßgebender Seite die Zusicherung ertheilt worden ist, daß bei Errichtung einer Arbeitercolonke für das Großhcrzogthum Hessen und den Regierungsbezirk. Wiesbaden den in dieselbe aufzunehmenden Juden die Möglichkeit gegeben wird, ungestört nach ihrer religiösen i Ueberzeugnng leben zu können, hat der Vorstand des j israelitischen Vereins zur Beschränkung des Wauder- | bettels beschlossen, zur Gründung einer derartigen | Colonie einen Beitrag von Zweihundert Mark zu.! bewilligen. - Ans Halberstadt, 25. Mai, bringt uns der Telegraph die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden der allverchrten Frau Dr. Lea Auerbach y"j, Wittwe des weltberühmten Rabbinen Dr. B. H. Auerbach^"?. Gestern'Nachmittag, am Sabbat Paraschath Bamidbar beschloß sie ihr .der reinsten Menschenliebe und der hingebcndsten Frömmigkeit geweihtes Leben, das wir s. G. w. demnächst ausführlich schildern werden. Posen, im Mai- (Verspätet.) Wieder haben wir hier eine Stütze des Jndenthums verloren und zwar den Nabbinats-Asscssor, Herrn Banquier Moses Landsberg der in diesem Monat starb. Der Verblichene, 1801 zu Lubranic in russ. Polen geboren, war einer der begabtesten Schüler des Rabbi Akiba Eiger und zeichnete sich durch großes hebräisches Wissen, wahrhafte Frömmigkeit, Wohlthätigkeit, Leutseligkeit u. a. aus. — Daß diese Vorzüge allgemein anerkannt wurden, dafür lieferte die nicht bald dagewesene überaus rege Betheiligung an der Beerdigung aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung den besten Beweis. An der Bahre sprach der Rabbiner Dr. Feilchenfeld; konnte jedoch nur im engsten Nahmen Vorzüge des Verstorbenen hervorheben, da, wie er sagte, eine große Grabrede nicht im Sinne des Verstorbenen gewesen wäre. y der sideni Fürst Carlos Auersperg seinen 70.Geburtstag.! Obzwar er denselben nur im engsten Familienkreise feierte, so ward er dennoch Gegenstand zahlreicher Ovationen. Von allen Seiten, von unzähligen Körperschaften, Vereinen und Gemeinden, deren Ehrenbürger er ist, sind ihm Glückwunsch- Adressen zugekommen : auch die Repräsentanz der israel. Gemeinde in Wlaschim — Fürst Auersperg ist nämlich Herr von Wlaschim — hat an denselben anläßlich seines Wiegenfestes eine Glückwunsch-Adresse gerichtet, in welcher sie ihren Gefühlen für diesen menschenfreundlichen Kavalier warmen Ausdruck verleiht. Daraufhin erhielt die Repräsentanz vom Fürsten eine Antwort, aus der wir hier folgende Stellen anführen: „Die Adresse ist in einer schwungvollen edlen Sprache gehalten, wie sie der Intelligenz eines Volksstammes entspricht, der im Bildungsdrange niemals zurücksteht, vielmehr stets nach Kräften voraneilt. Das Schriftstück hat auch Anlaß gegeben, Bedrängnisse zu berühren, welchen Ihre Glaubensgenossen ausgesetzt sind; vor solchen Ereignissen darf man die Augen nicht verschließen, und jeder wahre Menschenfreund muß sie tief beklagen. Reibungen unter Mitbürgern sind stets traurige Erscheinungen, aber sie sind ein ganz besonders Unrecht, wenn Gehässigkeiten geschürt werden gegen Staatsbürger , welche friedlich und staatstreu ihre Verpflichtungen dem Reiche, der Gemeinde, sowie der Familie in vollem Maße erfüllen. Diese den unlautersten Trieben entspringenden Ausfälle von Feindschaft bezeichnen traurige Rückschritte der Cultur, und sie kennzeichnen Jene, welche an diesen Raubzügen mittelbar oder unmittelbar Schuld tragen, als Diener des Neides und offene Feinde des Besitzes und des Eigenthnms. Diese Auffassung genügt, um ein solches anarchisches Treiben zu verdammen; wenn aber die Verfolgungen hinter dem Schilde der Religion eingcleitet werden, dann tritt zu der Schmach des Raubes nach der Fluch des Mißbrauches des Höchsten der Menschheit hinzu, denn wahre Religion soll veredeln und nicht verwildern. Es steht zu erwarten, daß nichts versäumt wird, um diese verwerflichen Strömungen mit aller Kraft zu unterdrücken; möge die Cultusgemeinde sich durch nichts beirren lassen im emsigen Schaffen, in der Ausbildung der Jugend zu fleißigen Bürgern und in dem festen Glauben, daß wir Alle unter gleichem Schutze der Vorsehung stehen. Prag, am 3. Mai 1884. Fürst Carlos Auersperg in. p.