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Der Israelit · 1884-05-22 · Heft 41 (22.5.1884) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 41 (22.5.1884)
Date
1884-05-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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694 und ihnen ankündigte, daß sie binnen Kurzem die Stadt zu verlassen hätten. Die Nonnen brachen in einen fürchterlichen Jammer aus. „Wir haben keinem Menschen wehe gethan, kümmerlich von unserer Händcarbeit und von freiwilligen Almosen haben wir uns ernährt und wollen wir uns ernähren, o, laßt uns in unseren liebgewonncncn Nänmcii unser Leben vollenden." Unter strömenden Thränen waren die Nonnen auf die Knie gesunken und flehten den Commissär um Erbarmen an. Doch dieser blieb starr und finster. ..Ncgierungsbefehl!" sagte er kalt und gemessen, drehte sich um und ging; der Jammer der Unglücklichen begleitete ihn. Nathlos waren die armen Clarissinncn in ihrer Verzweiflung. Kaum wissend, was sie that, eilte die Aebtissin hinauf und zog den Strang, die wohlbekannten Laute der Judenstadt verkündend. Wieder zogen sie Alle herbei, ihre Gaben tra-. gend, aber unter Wehklagen wurden sie von den Nachbarinnen empfangen, die ihnen in beredten Worten ihr Leid verkündeten. .Hier fanden sie mildere Herzen, als bei der Commission. „Was ist da zu thun?" fragte Lob Karlebach seufzend. „Wir müssen zum Präfecten," erwiederte ein Anderer, „er wird es uns gewiß nicht abschlagen!" Nach wenigen Augenblicken waren einige Männer, Löb Karlebach an ihrer Spitze, auf dem Wege zur Präfectur. Hier hatten sie aber denn doch kein so leichtes Spiel, als sie erwartet. „Bürger Andrä, Sie sind doch sonst so ein braver Mann," sagte Löb, „thun Sie es uns zu Gefallen, lassen Sie sie doch hier, wir wollen ihnen ja Alles geben, was sie irgend brauchen*); und sie thun gewiß keinem Menschen nichts zu leid!" „Es gehet nicht, meine lieben Bürger", hatte St. Andrä wohl schon zum sechsten Male erwiedert, „ich kann es nicht anders." Aber die Juden hörten nicht auf zu bitten und zu flehen für ihre guten Nachbarinnen, bis endlich dem Präfekten das Herz weich wurde. Schon wollte er das heißerflehte Wort sprechen, da trat ein finsterer Mann, der zu der Commission gehörte, an ihn heran. „Jeanbon St. Andrä," sagte er leise zu ihm, und seine Worte klangen hart und schneidend, „wollen Sie den ersten Consul zum Besten haben?!Sie erwirken •) Siehe Henne», p. 843. einen Erlaß vom ersten Consul und da er auf Ihre Veranlassung befohlen, wollen Sie seine Befehle nicht ausführen, um der Laune einiger ganz nnbetheiligten Bürger zu willfahren. Jeanbon St. Andre, hüten Sie sich!" „Ich kann nicht" stieß St. Andrtz zu den Juden gewandt, heftig hervor, „kein Wort weiter!" Und mit schnellen Schritten verließ er das Zimmer. „Nebbich, nebbich, die armen Leut," sagte Rabbi Jsscrle, einer von denen, die mit auf die Präfectur gegangen waren, „ist das e Geserö!"**) Traurig gingen die Juden wieder nach dem Kloster, selbst weinend, den Weinenden die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen berichtend. Es war eine harte Stunde für die Juden von Mainz, da die Clarissinnen, von ihnen mit Geld und Wegzehrung ausgerüstet, die Stadt verließen. Unter Thränen gedachten sie, wie sie früher so häufig aus ihren angestammten, liebgewonnenen Häusern fort mußten, in die theilnahmlose Fremde getrieben. „O guter Gott," seufzten sie, „wann wird endlich der Tag kommen, da alle Deine Kinder in froher Eintracht beisammen wohnen?" Auflösung des Silben-Räthsels ans Nr. 39: Malaga ibbetott Nami Talbot EuripideS Fichtelgebirge JSchia Opal Rebecka Eleltroscop Montefkore — Palaestina. Nichtige Lösungen sandten ein: Jsaac Mayer jun. in Neidenstcin. Gustav Löwy in Sarbogard (Ungarn). Lehrer Tob. Rohn in BaUeudar a. Rh. David Lomnitz, Gymnasiast in Stade. Lehrer A Eppstein inRegisheim. Lehrer M. Frank in Nidda. Frau Elara Neu und I. Octtenbergcr in Hanau a. M. Nathan Adler in Rlcknsteinbach I. L. K. in Frankfurt a. M. Emanuel A. Adler in Markelsheim. Gompel und Mina Eohen in Uedein. L. u. F. W. in Straßburg i. E. Lehrer Zsaac Goldschmidt in Boppard a. Rh. Simon Weist in Herlisheim (Ob.-Els.) Rickchen Nußbaum ails Marburg. D. M. u. H. in Usshofeu (Elsaß). Abr. Linz in Hanau. Feist Strauß m Eannstadt. Lea Bacharach in Neustadt. Susanna Goldschmidt in Marburg. I. Strauß in Marburg. Eisig Ehajes in Drohobycz^ (Galizien.) Abraham nnd Bertha Selz in Künzelsau. W. Stem iu Laupheim. Lehrer Weißmann in Jugenheim. Lenchen und Cali Eohen in ReeS a. Rh. Julius und Siegfried Feist in Bingen. Lehrer G. Schwartz in *') Gesero-Berhängnin nannten die Juden im Ghetto alle ih nen übelwollende Beschlüsse der Regierung.

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