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Der Israelit · 1884-05-19 · Heft 40 (19.5.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 40 (19.5.1884)
Date
1884-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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aHwataMUf»gV1g‘-«tC!Eg> 676 8 364 des Strafgesetzbuches seitens des hiesigen Amtsanwaltes Anklage gegen den Kaufmann Flater von hier erhoben worden, weil Letzterer beschuldigt wird, aus seiner Wohnung auf friedliche Menschen Steine geworfen zu haben. In dem dieserhalb bereits am 19. ds. vor dem hiesigen Schöffengerichte anstehenden Termine wird der Justizrath Mankopf aus Köslin den Angeschuldigten vertheidigen. (Es handelt sich um die bekannte Affaire nach dem Ende des Synagogcnbrand-Prozesses.) Oest.-Ungar. Monarchie. Pefth. Der hiesige isr. Fraucn-Wohlthätigkeitsvcrcin hat zu Gunsten des jüdischen Mädchenwaisenhauses eine Lotterie veranstaltet. Herr Leopold W. Heidelberg gewann hierbei den Treffer mit 2000 fl. Der edle Mann nahm jedoch diesen Gewinnst nicht in Empfang, sondern fugte demselben noch eine Spende von 1000 fl. hinzu. Der Betrag von 3000 fl. wird nun eine Waisenhausstiftung bilden, zum Andenken an seine allzufrüh verstorbene Tochter, Frau Emilie Mauthner, geb. Heidelberg. Ein schöneres Denkmal hätte der Vater dem Andenken seiner früh Heimgegangenen Tochter kaum errichten können. Karezag (Ungarn). Die Negierung hat für den Bezirk Kiiujsrables Herrn Dr. No senberg (Jude) zum Bezirksrichter ernannt. Diese Ernennung ist sowohl durch das Factum selbst, noch mehr aber durch ihre moralische Wirkung von großer Bedeutung. Die ungarische Negierung hat damit bezeugt, daß sie ernstlich bestrebt ist, ihre Stimme für die Juden zu erheben. Salomon Schück, Bezirks-Rabbiner. Karczag, 15. Mai. Das hiesige antisemitische Blatt „Knnsäji Mplap", welches mithilft der ungarischen Presse, ja dem ganzen Zeitalter einen unauslöschlichen Schandfleck aufzudrücken, nachdem es bereits den ganzen Vorrath der gemeinsten Ausdrücke gegen Juden und Judenthum aufgebraucht hat, greift zu ganz neuen Forschungen. Was war es und was ist cs, fragt dieser Forscher, das dem kleinen Judenvolke die Kraft und die Macht gab und noch immer gibt, daß cs bis heute reich, gesund und stark geblieben ist, während das Ehristenthm ärmer, kränker und sterblicher wird? Ich habe in meinen Forschungen, sagt dieser Held, die Antwort gefunden, und diese ist: daß das apatetische und erfinderische Judenvolk die Frösche aus Egypten mit in's Land brachte, um durch dessen Carnificirung den Saft aus dem Gehirn zu ziehen, denn daraus bereiten sie den Wein, Branntwein und auch das Sodawaffcr. Das Volk trinkt diese abscheulichen Getränke für» theure Geld und wird arm und krank, während der Jude sich bereichert jund an Kraft und Macht stets zunimmt t Ist es ein Wunder, wenn der Christ Nichts beim Juden kaufen will? Jst's nicht ganz natürlich, daß der Bauer mit Haß gegen die Juden erfüllt ist? Wo sind unsere reichen und einflußreichen Juden? Wo ist ihr Muth und wo ihr Einfluß? — Wenn die ungarischen reichen Juden nur ihren Einfluß dazu benützen, um das orthodoxe Judenthum bei der hohen ung. Regierung zu besudeln und die rwcse zu schwächen, dann muffen wir mit Schmerz ausrufen mit uon nwo: . . I'CTT jrsu pH Salomon Schück, Bez.-Rabbiner. Fr a n k r e ich. Paris. Der Seine-Präfect hat dem Municipalrath den Vorschlag gemacht, die Straße Bel- Respiro Crämieuxstraße zu nennen. F e u il I e t o n. Lehrreiches Geständnis; eines hundertjährigen hochöerühmten Aiaöbi. Ich hatte viele Rathgeber, viele Zuchtmeister; doch hat mich am besten gezüchtigt — das Grauen meines Hauptes. Eine mächtige Lampe war mir das Sonnenlicht, eine mächtige der Mondschein, eine weit mächtigere aber — das Licht meiner Vernunft. Einst ward ich Sclave eines mächtigen Tyrannen, doch fand ich einen noch weit mächtigeren Tyrannen — in meinen Leidenschaften. Viele Nebel haben mir meine Feinde und Hasser zubereitet, die meisteil aber — eine üble Gewohnheit. Der Bosheit Lügenmund war mir äußerst schädlich, am schädlichsten aber — meine eigene Zunge. Oft bin ich unversehrt über Glut gelaufen und durch Flammen gewandert, was mich aber stark verzehrte, war — die Flamme meines ausgelassenen Zornes. Unter meinen vielen Verfolgern konnte mich keiner einholen, als — meine begangenen Sünden. Ich habe nach Gemächlichkeit gestrebt nnd Ruhe gesucht, und fand sie — in der Verabschiedung aller Gemächlichkeiten.

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