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Der Israelit · 1884-05-15 · Heft 39 (15.5.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 39 (15.5.1884)
Date
1884-05-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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657 daß auch in ihr ein Geist gepflegt werde, der die Jugend lehre, treu zu Kaiser und Reich zu stehen. Er wies auf das erhabene Beispiel des Kaisers hin, kr, selbst seinem Glauben treu zugethan, doch jede religiöse llebcrzeugung achte und schätze und jedem sorgsam sein Recht gewähre und schloß mit einen» dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in das^ die Versammlung begeistert einstimmte. Seit dem Tage der Einweihung hat die Schule fortwährend ersreuliche Fortschritte gemacht. Wie wir dem neusten Programme entnehmen, wurde dieselbe im verflossenen Schuljahre von 493 Schülern und Schülerinnen (280 Knaben und 213 Mädchen) besucht, welche in 16 Klassen von 28 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet wurden. Was diese Anstalt während ihres mehr als dreißigjährigen Bestehens Gutes geleistet hat, ist kaum zu beschreiben. Ans ihr ist.cine große Anzahl Männer und Frauen hcrvorgeggngen, die nicht nur in Frankfurt, sondern auch in vielen andern Städten in den verschiedensten Gegenden für die erhabenen Grundsätze leben und wirken, die sie hier empfangen haben. Auch die äußere Erscheinung des stattlichen Gebäudes ist von Bedeutung. Sie ist eine würdige Repräsentation des orthodoxen Jndcnthums, das noch vor wenigen Jahrzehnten von den rcformsüchtigen Brüdern und Schwestern mißachtet wurde, indem sie behaupteten, daß die Intelligenz und die Drittel auf ihrer Seite seien. Gelobt sei Gott, der Seinen Frommen sichtbare Zeichen Seiner Hilfe und Seines Beistandes verleiht. Zeituttgsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Larrpheim. Bor 3 Monaten hat das hiesige ncologe Kirchcnvorstcheramt einen jungen, streng altgläubigen Nüssen Namens W i a d o v s k i, als Kantor engagirt; diese Acanisition wurde vielseitig auf's wohlgefälligste ausgenommen; jetzt haben wir doch wenigstens eine Persönlichkeit, an die mau.sich in religiösen Angelegenheiten vertrauensvoll wenden fami. Anfangs war man auch des Glaubens, daß die Herren Mitglieder des Vorsteheramts auf ihre Wohl hin, um mit ihrem Gewählten nicht allzusehr zu contrastircu, eine etwas conscrvativere Richtung Anschlägen werden, doch dieser Glaube war Aberglaube, denn von einer Umkehr wollen die Herren nichts wissen. Nach wie vor erthcilt Herr Rabbiner Kahn, trto des Vorstehcramts und r.ip.-i itjo, den hcbr. Unterricht in den Schulen; nimmt von seiner rmns nur das rioa p^n in Anspruch und zwar dahin, daß er bei Beerdigungen die ersten 3 Schaufeln Erde auf den inst ins Grab wirft, in allem Ucbrigen aberläßt er nach wie vor, die ro hd über Bord geworfen sein. . Daß Herr Wiadovski ein streng religiös lcben-; der Mann ist, hat seine Richtigkeit, doch eine Handlungsweise harmonirt nicht recht damit. Nachdem er ein paar Wochen hier war, hat er sich als Mitglied des Gesangvereins ..Frohsinn", dessen meisten Mitglieder jüdisches Leben, jüdische Sitten und Gebräuche als fünftes Rad am Wagen betrachten, aufnehmen lassen. DcrShuagogcnchor rekrutirt sich vom „Frohsinn" und allsabbatlicli wird ihne von einem ausgezeichnet tüchtigen, christl. Musiklehrer jüdischer Gcsangunterricht ertheilt. Herr Wiadovski sitzt bei dieser Gelegenheit im Kreise jüdischer Reformheldcn, die nngenirt ihre Eigar r e n neben i h m rauche n. Er wurde diesbezüglich schon in der „Laupheimer Zeitung" interpcllirt, ohne jedoch Notiz davon zu nehmen.. Einem solchen c'sri o-Nun anzuwohnen, paßt sich für einen rechten Orthodoxen nicht; der wird und muß sprechen: . 'V52 SOfl D11D3 nnn ir D'rnpai AKttllmufeu, Elsaß, 29. April. Soeben komme ich von einem traurigen Gange zurück. Es war die Beerdigung unserer leider zu früh Heimgegangenen Frau Rabbiner Mook. Sie hatte es verdient, diese treffliche Frau Rabbinern"j?, daß fast die ganze große, jüdische Gemeinde dahier und viele Auswärtige von Nab und Fern Herbeicilten, ihr die letzte Ehre zu erweisen, und ihre aufrichtige Hochachtung und Verehrung an den Tag zu legen. Einer rühmlichst bekannten Familie Straßburgs entstammt, verband die Entschlafene eine Sanftmnth und Güte mit einer Begeisterung und Energie für unsere h. Religion, wie wir solche nur selten bei Frauen anzutrcstcn gewohnt sind. Man mußte die Frau Rabbiner n"y nur in den letzten Jahren auf ihren Erholungsreisen beobachtet haben, wo sie Gcsundheits halber gezwungen war, verschiedene Kurplätze auszusuchcu, mit welcher Gewissenhaft und Strenge sie der Sabbatverehrung dort lebte, wie sie mit rührender Selbstlosigkeit jede für sie am Samstag gekochte oder auch nur gewärmte Speise abwics! Wenn nun in leidendem Zustande sie solche Treue für den Sabbat bewahrte, wie mußte erst in ihrem Hause der Sabbat geheiligt und verehrt worden sein! Ihrer rastlosen Thätigkeit verdanken wir in hiesiger Gemeinde viele Frauen-Vereine, die segensreich zum Wohle der dürftigen und leidenden Menschheit wirken; ihrer aufrichtigen Frömmigkeit ist es züzuschreiben, daß noch in vielen jüdischen

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